Interview mit Jan Bauer: "Themen lassen sich nur bewegen, wenn man sich auch einbringt“

Jan Bauer war Vorsitzender des Sprecherrats der Medizinstudierenden im Marburger Bund. Dieses Jahr hat er sein Studium beendet und ist aus dem Sprecherrat ausgeschieden. Wir haben ihn gefragt, was er im Sprecherrat alles erlebt hat und warum es sich lohnt, sich bereits im Studium zu engagieren.

Jan, du warst Mitglied im Sprecherrat. Wie lange warst du aktiv und in welcher Funktion?

Jan Bauer: Ich war ungefähr drei Jahre Mitglied im Sprecherrat. Gleich in der ersten Sitzung hatten mich die anderen Mitglieder dazu motiviert, mich zur Wahl des Vorsitzenden aufstellen zu lassen. Wie es der Zufall wollte, wurde ich dann auch direkt zum Vorsitzenden des Sprecherrats gewählt. Ich hatte bis dahin noch keinerlei Erfahrung in der Berufspolitik, aber das braucht man aus meiner Sicht nicht unbedingt, man kommt sehr schnell in die Themen rein.

Was waren deine Aufgaben als Vorsitzender?

Jan: Die Sprecherratssitzungen finden zweimal im Jahr statt. Als Vorsitzender leitet man die Sitzung. Idealerweise werden die Themen der Sitzung von den anderen Mitgliedern an einen herangetragen. Ansonsten habe ich selbst Themen eingebracht, eine Tagesordnung festgelegt und die Sitzung geleitet.

Dazu kommt, dass der Vorsitzende des Sprecherrates auch kooptiertes Mitglied des Bundesvorstandes ist. Hier hat man zwar kein Stimmrecht, aber Rederecht und kann sich zu aktuellen studentischen, aber auch generellen Themen äußern und sich aktiv in die Diskussion einbringen.

Neben der internen Verbandsarbeit gibt es auch noch lohnende externe Veranstaltungen, zum Beispiel den Medizinischen Fakultätentag. Dort werden hauptsächlich studentische Themen besprochen und man kann sich mit anderen Ehrenamtlichen austauschen, etwa mit Mitgliedern der Vertretung der Medizinstudenten in Deutschland (bvmd).  Hier kommt es auf die Eigeninitiative an. Wenn man sich engagieren möchte, gibt es viele Möglichkeiten.

Das hört sich alles sehr Zeitintensiv an. Wie hast du das neben Studium und Freizeit geschafft? Du hast doch auch dein PJ in Neuseeland gemacht?

Jan: Es handelt sich natürlich um ein Ehrenamt. Der Zeitaufwand hat sich für mich im Rahmen gehalten und war neben dem Studium gut zu bewältigen. Die Uni hatte bei mir aber immer Priorität. Da das Studium für mich recht flexibel gestaltbar war, war das ehrenamtliche Engagement immer gut möglich. Zudem habe ich während dieser Zeit viele neue und nette Menschen kennengelernt, die zu Freunden geworden sind.  Es ist also Zeit, die einen persönlich weiterbringt. Und natürlich lassen sich Themen nur bewegen, wenn man sich dafür einbringt.

Ja, einen Teil meines PJ habe ich in Neuseeland gemacht. Da ich noch nie dort war und ich in den anderen englischsprachigen Ländern schon Erfahrungen gesammelt hatte, fiel meine Wahl damals recht schnell auf Neuseeland. Eine Alternative war Australien. Beides lohnenswert, aber die Zusage für Neuseeland hat dann den Ausschlag gegeben.

Was hat sich in deiner Zeit als Vorsitzender im Sprecherrat bewegt? Welche Änderungen konnten angestoßen werden?

Jan: Mein größtes Erfolgserlebnis war die letzte Änderung der Approbationsordnung. Hier war ich vom ersten Entwurf bis zum fertigen Gesetzt mit dabei.  Ich habe an einzelnen Passagen direkt mitarbeiten können und so dazu beigetragen, dass das Pflichtquartal in der Allgemeinmedizin abgewendet werden konnte. Es war ein tolles Gefühl, so direkt an der Gesetzgebung beteiligt zu sein und zu sehen, dass man Einfluss nehmen kann auf Themen, die einem wichtig sind und einen selbst betreffen.

Welche Erfahrungen hast du für dich mitgenommen und warum hast du dich engagiert?

Jan: Studentische Themen, die einen selbst bewegen, dort positionieren können wo auch tatsächlich Entscheidungen getroffen werden, ist eine bereichernde Erfahrung.

Auch die Arbeit in Gremien ist spannend und notwendig. Es gab viele produktive Sitzungen, aber natürlich auch langatmige, die wenig produktiv waren.  Aber im Austausch miteinander werden am Ende wichtige Entscheidungen getroffen. Miteinander reden, Konsens finden - das ist gelebte Demokratie.

Ein weiterer Grund sind die persönlichen Kontakte, die einen auch nach seiner ehrenamtlichen Tätigkeit weiter begleiten. Ich habe tolle Kommilitonen kennengelernt und zum Beispiel auch mit dem ein oder anderen Entscheidungsträger in der Berufspolitik in persönlichen Gesprächen Themen direkt besprechen können. 

Was würdest du Studierenden sagen, die überlegen sich zu engagieren?

Jan: Engagement lohnt sich. Ich kann jedem empfehlen sich zu engagieren und nicht nur das Studium durchzuziehen. Man hat die Möglichkeit, über den Tellerrand zu schauen, und kann dabei auch ein wenig in die Zukunft Blicken und sehen, was sich im Berufsbild bewegt. Berufspolitisches Engagement gehört für mich als Arzt dazu.

Wie geht es jetzt bei dir weiter?

Jan: Ich habe ein Forschungsjahr in Frankfurt am Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin angetreten. Danach plane ich in die Innere Medizin zu gehen. Und dann mal schauen, wo für mich der Weg hingeht.

Berufspolitisch habe ich angefangen mich in Hessen zu engagieren. Ich bin Beisitzer im Bezirk Frankfurt und hessischer Delegierter bei der Hauptversammlung des Marburger Bundes in Berlin. Zudem bin ich im Sprecherrat „Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung“. Auf jeden Fall werde ich dem Verband treu bleiben, egal ob in Hessen oder einem anderen Landesverband.

Welche Themen willst du im MB in Zukunft voranbringen?

Jan: Ich möchte mich dafür einsetzten, dass sich mehr junge Ärzte für die Ärztekammer aber auch die Arbeit im Marburger Bund engagieren.

Jan Bauer ist Mitglied im MB Hessen und Besitzer im Bezirksverband Frankfurt. Er war drei Jahre Vorsitzender des Sprecherrats der Medizinstudierenden.

Autor: mn

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