Interview zur Personalratswahl in Marburg: "Wir müssen wissen, wo der Schuh drückt"

Gehen Sie wählen und nutzen Sie diese Möglichkeit der Mitbestimmung

Im Mai stehen die Wahlen zum eigenständigen Personalrat am Uniklinikum Gießen und Marburg an. Wir haben mit Oberarzt Dr. Franz Josef Schmitz, Vorsitzender des eigenständigen Personalrats in Marburg über die Ziele und Aufgaben des Personalrats gesprochen.

Wie setzt sich der Personalrat für berufspolitische Themen ein, etwa in der aktuellen Diskussion zur Abschaffung der Arztkittel oder bei der Einführung sogenannter „Physician Assistants“?

Dr. Franz Josef Schmitz: Zunächst einmal war es ein langer Kampf und eine gesellschaftliche Entwicklung, bis es auch an Behörden und öffentlichen Dienststellen zur Einrichtung von Mitarbeitervertretungen, den Personalräten, gekommen ist. Wir sind als Personalrat unseren Landesbeschäftigten verpflichtet, ihre Interessen wahrzunehmen. Dies geschieht mit dem Leiter der Dienststelle in vertrauensvoller Zusammenarbeit und ist gesetzlich im Hessischen Personalvertretungsgesetz geregelt. Zu unseren Aufgaben gehören insbesondere die Überwachung und Kontrolle der gesetzlichen und tariflichen Bestimmungen.

Auch zu aktuellen Fragen nehmen wir Stellung und sorgen dafür, dass die Interessen unserer Beschäftigten durchgesetzt werden. Die Frage nach der Abschaffung von Arztkitteln hat zum Beispiel auch uns kürzlich beschäftigt. Die Datenlage dazu ist eindeutig und es gibt keine Gründe, unsere Berufskleidung abzuschaffen, darüber bestand schnell Einigkeit mit unserem Dienststellenleiter. Was den Einsatz von Physician Assistents angeht, ist die Versuchung groß, aus Kostengründen Arztstellen zu ersetzen. Hier ist das ärztliche Selbstverständnis gefordert.

Der Personalrat bestimmt u. a. bei Einstellungen oder Kündigungen mit, dazu gehören auch Vertragsverlängerungen für Ärzte in der Weiterbildung. Was genau sind hier die Aufgaben des Personalrats?

Schmitz: Es hat uns viel Mühe gekostet, bis wir im Jahr 2006 bei den Ärztestreiks einen eigenen Tarifvertrag erstritten haben. Wir sind damals auf die Straße gegangen, weil wir unsere Arbeitsbedingungen verbessern wollten.

Dazu gehörte auch die Abschaffung von willkürlichen und „kurzfristigen“ Arbeitsverträgen. Es ist heute selbstverständlich, dass man als Arzt in Weiterbildung einen Vertrag über zumindest zwei Jahre und danach über den Rest der Weiterbildungszeit erhält. Wir kontrollieren als Personalräte, dass diese tariflichen Bestimmungen auch eingehalten werden. Zudem setzen wir uns für einen Abbau der Arbeitsverdichtung ein und dass die geforderten Bedingungen für die Weiterbildung auch erfüllt werden können. Vielfach hilft hier ein Gespräch mit der Personalabteilung oder dem Verantwortlichen für die Weiterbildung. Insbesondere Kolleginnen in der Familiengründung sind auf unsere Unterstützung oft angewiesen. Die Erfahrung lehrt, dass es nicht genügt, dass Rechte vorhanden sind, man muss sie auch durchsetzen.

Was sind die Ziele für die nächste Wahlperiode?

Schmitz: Wir wollen, dass sich die Arbeits- und Weiterbildungsbedingungen am UKGM verbessern. Wir können dies nur durch die Mithilfe und Informationen unserer Kollegen leisten. Da sind wir dringend auf Ihre Unterstützung angewiesen, denn wir müssen wissen, wo der Schuh drückt, um handeln zu können.

Warum ist es so wichtig, das Ärztinnen und Ärzte zur Wahl gehen?

Schmitz: Die Personalratswahl ist eine Chance, sich zu engagieren und die eigenen Arbeitsbedingungen mitzugestalten. Darum ist es wichtig, dass die Stimmen der Ärztinnen und Ärzte gehört werden. Darum mein Appell an alle Kolleginnen und Kollegen: Gehen Sie wählen und nutzen Sie diese Möglichkeit der Mitbestimmung.

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Wahltermine:

Marburg: 9. und 10. Mai 2016

Gießen: 24. Mai 2016

Die Briefwahlunterlagen können am Standort Marburg unter personalrat@med.uni-marburg.de und für den Standort Gießen unter Personalrat@uniklinikum-giessen.de angefordert werden.

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