Jan Henniger engagiert sich in der Flüchtlingshilfe

Husten, Schnupfen, Heiserkeit – das ist ein Großteil der Erkrankungen, die Jan Henniger, MB-Mitglied und niedergelassener Chirurg in Frankfurt, in der humanitären Sprechstunde in  Turnhallen in Frankfurt und im Main-Taunus-Kreis bei der Untersuchung von Flüchtlingen sieht.

In Wallau zum Beispiel gibt es täglich eine zweistündige Sprechstunde. „Wir versuchen in der kurzen Zeit herauszubekommen, was dem Patienten fehlt, und die dringendsten Beschwerden zu lindern. So haben wir etwa eine halbe Stunde pro Patient. Aufgrund der Verständigungsschwierigkeiten ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Patienten am Ende auch alles richtig verstanden haben“, sagt Henniger, der sich seit Oktober engagiert. „Es gibt zwar vereinzelt Dolmetscher, aber die Sprache sei ein Problem. Nur die wenigsten sprechen gut  Englisch.“

Eine Erkältung dauert sieben Tage

Die Behandlung der Flüchtlinge sei nicht immer einfach, da es natürlich Krankheitsbilder gibt, die man das letzte Mal im Studium gesehen habe, so Henniger. „Auch die Erwartungshaltung der Flüchtlinge sei manchmal schwierig. Wenn ich erkläre, dass eine Erkältung nun mal sieben Tage dauert, dann akzeptiert das nicht jeder. Auch wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass man ein Medikament bekommt“, sagt Henniger. Die Erwartungshaltungen an den Arzt seien kulturell sehr unterschiedlich.

Gerade auch bei Erkrankungen, die in einer Turnhalle nicht zu lösen sind, kann es Schwierigkeiten geben. „Letztens hatten wir einen Patienten mit einer Augenkrankheit, den wir ins Krankenhaus überwiesen haben. Dort hieß es, dass der Mann operiert werden muss, da er sonst erblindet“, sagt Henniger. „Das Gesundheitsamt wird in solchen Fällen verständigt und dann geht die Bürokratie los. Die Bearbeitung kann dauern und das kann schnell frustrierend werden, obwohl sich alle Beteiligten unheimliche Mühe geben“, berichtet Henniger.

Keine Privatsphäre für die Flüchtlinge

Problematisch seien die Zustände in den Turnhallen, so Henniger. „In Wallau liegen Familien auf Feldbetten dicht nebeneinander. Privatsphäre hat hier niemand. Viele klagen über Schlafstörungen, das Konfliktpotenzial ist enorm hoch“, weiß Henniger. Dazu komme noch, dass die Flüchtlinge nichts zu tun haben. Die Tage werden bestimmt durch das Kommen der Putzkolonne, die  Essens- und  Kleiderausgabe sowie die tägliche Sprechstunde des Arztes. „Aus meiner Sicht wäre es hilfreich, wenn die Flüchtlinge Teile Ihres Lebens selbst organisieren könnten und nicht in der rein passiven Rolle wären“.

Und natürlich seien auch viele durch die Erlebnisse im Heimatland und der Flucht traumatisiert. „Einige, vor allem alleinreisende Jugendliche, brauchen psychiatrische Hilfe. Die Familien, so meine Beobachtung, geben sich selbst Halt.“

„Ich merke außerdem immer wieder, dass vielen Flüchtlingen Deutschland als das glorreiche Land versprochen wurde. Die Erwartungshaltung ist dadurch häufig sehr hoch“.

Engagement der Helfer ist sehr groß

Insgesamt sei die Flüchtlingshilfe sehr dezentral organisiert. Im Kleinen funktioniere die Organisation aber sehr gut und das Engagement der Helfe sei sehr groß, so Henniger. „Wir bekommen unseren Dienstplan vom Gesundheitsamt Hofheim. Da kann man sich dann eintragen, das klappt gut.

Für Henniger gehört es zu seinem ärztlichen Selbstverständnis, dass er bei der Versorgung der Flüchtlinge hilft. „Ich mache das sehr gerne. Auch wenn ich natürlich immer nur an ein paar Tagen im Monat helfen kann. Es gibt einige Ärzte, die mehr machen und  etwa bei der Ankunft der Flüchtlinge in dem Erstaufnahmelager anwesend sind. Diese finden teilweise mitten in der Nacht statt und werden sehr kurzfristig angekündigt“, sagt Henniger.

„Insgesamt erweitert diese Tätigkeit meinen Horizont sowohl aus menschlicher als auch in fachlicher Sicht deutlich und ich bin froh, dabei sein zu dürfen.“

Zur Person: Jan Henniger, niedergelassener Chirurg, ist MB Mitglied und Beisitzer in Bezirk Frankfurt.

Autor: mn

 

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