Kaputte Kammer schadet allen

Erheblich mehr als eine 100-Tage-Frist ist verstrichen, seit in der Landesärztekammer Hessen das erste Präsidium in ihrer Geschichte ohne maßgebliche Beteiligung des Marburger Bundes seine Arbeit aufgenommen hat. Dabei ist mehr als die Hälfte der hessischen Ärztinnen und Ärzte in Kliniken und Institutionen angestellt. Ihre Interessen, vielfach Jüngere und in Weiterbildung Stehende, vertritt der Marburger Bund. Wir haben sogar über ein Jahr geduldig zugewartet und uns gefragt, ob die seitherige Entwicklung der Kammer nur in unseren Augen so negativ verläuft.

Inzwischen sind unsere schlimmsten Befürchtungen übertroffen worden, so dass wir die Wählerinnen und Wähler der Delegiertenversammlung umfassend informieren müssen. Wir haben unter dem Oberthema ‘MB Hessen in der Landesärztekammer’ ein Unterthema ‘Kaputte Kammer schadet allen’ eingerichtet, dem wir alle Berichte zuordnen werden, in denen wir die Arbeit des Präsidiums kritisiert haben und noch kritisieren werden.

Wer ist die Kammer? Das sind zunächst einmal mehr als 180 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ohne die eine Körperschaft mit ihren vielen differenzierten Aufgaben nicht funktionieren kann. Die hessische Ärzteschaft kann sich glücklich schätzen, dass es trotz erheblicher Konkurrenz in einem Ballungsraum gelungen ist, über viele Jahre hinweg Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden, die sich in die oft sehr anspruchsvollen speziellen Dienstleistungen für die hessische Ärzteschaft eingearbeitet und eine hohe fachliche Kompetenz erworben haben. Wir möchten deshalb klarstellen, dass unsere Kritik an vielen Vorgängen in der Kammer die Hauptamtlichen nicht nur nicht treffen soll, sondern im Gegenteil: Wir wollen verhindern, dass eine begonnene Fluchtbewegung sich verstärkt und die Ärzteschaft in absehbarer Zeit vor einem Scherbenhaufen stehen wird, der allen schadet.

Ohne eine gelebte Berufsordnung einschließlich der Weiterbildungsordnung, ohne die ständigen Dienstleistungen für die Kolleginnen und Kollegen im Arzthelferinnenwesen und in der Fortbildung werden auch die eine Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen wahrnehmen, die sich noch gar nicht bewusst waren, wie wichtig eine funktionierende Kammer für sie ist. Nicht umsonst hat der Gesetzgeber die Ärztekammer eingerichtet: Sie soll vor allem im Interesse der Bürger unseres Landes eine hohe Qualität der ärztlichen Versorgung sicherstellen. Deshalb schadet eine kaputte Kammer wirklich allen!

Kaputte Kammer? Kaputt hat ein breites Bedeutungsspektrum. Hier steht es nicht für das Gegenteil von unversehrt. Die Kammer geht nicht kaputt wie vielleicht ein Sektglas, wenn es ein Berufspolitiker in Siegerlaune über seine linke Schulter hinter sich wirft. Ein schadhafter Zustand, eine herunter gekommene Funktion trifft schon eher den Zustand, den wir wahrzunehmen meinen. Für diesen sehen wir das Präsidium der Kammer in der Verantwortung. Denn geändert haben sich seit dem September 2008 nicht die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern das Präsidium.

Wir bitten deshalb alle hessischen Ärztinnen und Ärzte, unsere Berichte aufmerksam zu verfolgen. Wenn Sie unsere Wertung teilen, wenden Sie sich an Delegierte ihres Vertrauens und dringen Sie darauf, dass sie sich für eine rasche Änderung der ‘hessischen Verhältnisse‘ (so wird das bereits in anderen Landesärztekammern und in Berlin genannt) zum Positiven einsetzen.

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