Klinikum Kassel: Samstag künftig ein regelmäßiger OP-Tag?

Am Samstag Abend, ist für Ärztinnen und Ärzte der operativen Fächer am Klinikum Kassel der richtige Zeitpunkt, darüber nachzusinnen, ob statt eines Tages mit der Familie zur Vorbereitung des Osterfestes nicht ein regulärer Arbeitstag im OP schöner gewesen wäre. Denn künftig soll zur besseren Auslastung der teuren Operationsräume des Klinikums und der zugehörigen Infrastruktur am Klinikum Kassel nicht nur von Montag bis Freitag von 7h bis 20h, sondern auch regelmäßig und nicht nur in Notfällen an Samstagen operiert werden. Das hat der Vorstandsvorsitzende der Gesundheit Nordhessen Holding Dr. Gerhard Sontheimer der HNA-Online bekannt gegeben.
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Wir wollen aber nicht schon wieder die gestörte Zusammenarbeit der Verwaltungsspitze des Klinikums mit den Leistungsträgern des Hauses thematisieren, sondern den positiven Aspekt einer solchen Informationspolitik herausstellen. Wir sehen darin eine wichtige frühzeitige Orientierungshilfe für stellensuchende Assistenzärzte in den operativen Fächern, in die sich fertige Fachärzte mit Interesse an einer Tätigkeit als Oberarzt ohnehin kaum mehr verirren dürften, seit das Klinikum seine Leistungsträger systematisch herabstuft und nicht als Oberärzte bezahlen will. Eine Struktur, die eine qualifizierte Weiterbildung zum Facharzt garantiert, dürfte bald ebenso fehlen wie eine umfassende Ermächtigung dazu durch die Landesärztekammer, wenn sich die derzeitige Stimmung in weiteren Fluchtbewegungen wie aus der Pathologie manifestiert.

Die Zeiten des bitteren Chirurgenwitzes, nach dem an der Zahl der Kinder abzuzählen sei, wie oft Papi es geschafft hat, zwischen den Dauerdiensten mal nach Hause zu kommen, sind in den operativen Fächern trotz unverändert überlanger Arbeitszeiten dank der tarifvertraglichen Begrenzung der Häufigkeit von Diensten vorbei. Wir wissen aus vielen Diskussionen, dass die derzeitigen sehr belastenden Arbeitszeiten von vielen Ärztinnen und Ärzten als das kleinere Übel angesehen werden im Vergleich zu einem Schichtdienst mit regelmäßiger Vollarbeit auch an Samstagen. Als Konsequenz wird die Sprengung der ohnehin stark geschwächten sozialen Bezüge gefürchtet.

Die Umsetzung dieser Pläne wird deshalb möglicherweise dazu führen, dass die Überlegungen vieler Fachärzte, das Klinikum zu verlassen, in den operativen Fächern auch auf die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung übergreifen.

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