Klinikbericht: Landesrechnungshof fordert Kliniken zu mehr Kooperation auf

Die wirtschaftliche Situation der kommunalen Kliniken in Hessen ist fatal. Im Jahr 2011 erwirtschafteten die Kliniken ein Defizit von rund 79 Millionen Euro, wie der Landesrechnungshof Hessen in seinem Klinikbericht mitteilt. Für diesen Klinikbericht wurden sieben Krankenhäuser überprüft.  

Besonders im Rhein-Main-Gebiet war die wirtschaftliche Lage einiger Krankenhäuser kritisch, etwa beim jetzt verkauften Klinikum Offenbach. Hier gab es 2011 ein Jahresdefizit von 46 Millionen Euro. Mit Ausnahme von Kassel und Frankfurt haben die Kommunen alle ihre Krankenhäuser unterstützt. Allein für Offenbach wurden 60 Millionen Euro in das Eigenkapital der Krankenhausgesellschaft eingezahlt.

Kritisiert wird, dass die Aufsichtsräte von den Geschäftsleitungen der Krankenhäuser keine betriebswirtschaftliche Analyse erhielten, aus denen zu erkennen war, ob einzelne Bereiche kostendeckend arbeiteten oder nicht. Zudem wurden in einzelnen Krankenhäusern die Aufsichtsräte über eine kritische Lage zu spät informiert. Sie konnte deshalb nicht rechtzeitig auf die Entwicklungen Einfluss nehmen.

Der Landesrechnungshof und das interdisziplinäre Expertenteam, das mit der Prüfung beauftragt war, empfehlen deshalb, dass die Krankenhäuser stärker als bisher ihre medizinischen Leistungen abstimmen.  Doppelvorhaltungen von Infrastrukturen und Personal könnten durch Kooperationen vermieden werden, was die ökonomische Situation der Krankenhäuser verbessern würde. Auch könnten laut Rechnungshof mindestens 500 Betten reduziert werden.

„Solche Kooperationen sollten allerdings als ein erster Schritt verstanden werden. Um zu einer nachhaltig wirtschaftlichen Gesundung zu kommen, sollten die Trägerkommunen, vor allem in der Rhein-Main-Region, weiter aufeinander zugehen und eine engere Verzahnung ihrer Krankenhäuser – besonders hinsichtlich ihrer medizinischen Leistungsangebote – vorbereiten“, heißt es in der Pressemitteilung des Landesrechnungshof.

Begrüßt wird von den Prüfern, dass Frankfurt und der Main-Taunus-Kreis erste Gespräche über eine mögliche Kooperation beziehungsweise Fusion ihrer Krankenhäuser aufgenommen haben.  

Damit die Kliniken auch in Zukunft bestehen können, ist es laut Prüfer wichtig, dass sich die politisch Verantwortlichen vom Kirchturmdenken und dem Wettbewerb zwischen den Krankenhäusern lösen und interkommunal kooperieren.

Kompletter Bericht als PDF

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