Kommentar: Das "Schwarzbuch" der Krankenkassen

Qualität zu fordern ist einfacher als diese selbst zu liefern

Jeder kennt das Schwarzbuch, in dem der Bund der Steuerzahler alljährlich die Verschwendung von Steuergeldern an vielen Beispielen aufzeigt. Weniger bekannt ist der Tätigkeitsbericht des Bundesversicherungsamts, der den Krankenkassen alljährlich aufzeigt, wo sie mit Versichertengeldern verschwenderisch umgegangen sind.

Besonders deutlich gerügt wurden in den letzten zwei Jahren Verstöße gegen die festgelegten Wettbewerbsgrundsätze. Da tauchen Werbemaßnahmen gelegentlich auf falschen Konten auf, um so die deutlichen Überschreitung des Werbebudgets – um fast 1 Million Euro – nicht zu evident zu machen.

Bei den Krankenkassen gibt es einen Wettbewerb um die jungen sportlichen Versicherten – und so wirbt es sich gut mit der Übernahme von Kosten für Fitness-Apps oder gar mit finanzieller Unterstützung der Apple Watch. Welche Studien belegen jedoch die Wirksamkeit dieser Maßnahmen? Werden die Trainingszeiten der Krankenkassenmitglieder im finanziell unterstützten Fitnessstudio-Abo erfasst oder reicht es, am Tresen einen gehaltvollen Proteinshake zu trinken? Welche Grundvoraussetzungen muss ein Fitnessstudio mitbringen, um förderfähig zu sein? Hier werden weder die Strukturqualität noch die Ergebnisqualität kontrolliert. Auch das Wirtschaftlichkeitsgebot scheint keine Bedeutung zu haben.

Die Krönung scheint mir das im Auftrag einer gesetzlichen Krankenkasse durchgeführte Massageangebot bei einem Open-Air-Festival in Schleswig-Holstein gewesen zu sein. Der durch Headbanging geschädigte Festival-Besucher konnte seinen Nacken mal richtig durchkneten lassen, um in diesem Rahmen für eine Mitgliedschaft geworben zu werden. Sicher ist es nur Zufall, dass bei einem solchen Festival fast ausschließlich junge Menschen anzutreffen sind.

In diesem Zusammenhang sollten sich die Krankenkassen fragen, ob sie im Rahmen der geforderten Qualitätsoffensive, wirklich einen Abschlag für Krankenhäuser fordern, die nach bisher noch völlig undefinierten Kriterien eine schlechtere Qualität als andere liefern. Analog müssten Kassen, die Versichertengelder verschwenden, nicht nur gerügt, sondern auch zur Kasse gebeten werden.

Von: Dr. Susanne Johna, Landesverbandsvorsitzende des MB Hessen

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