Online Befragung der Klinikärzte: Krankenhausleitung nimmt ihre Probleme nicht ernst

Bereits in zwei Beiträgen, haben wir uns mit den Ergebnissen der Online-Befragung der Klinikärzte befasst, zuletzt hatten wir die hohe Leistungsbereitschaft und die lange Arbeitszeit thematisiert und beklagt, dass dies teilweise für die Bürokratie im Krankenhaus geopfert werden muss. Die Ergebnisse selbst hatten wir hier für Sie bereitgestellt. Da zeichneten sich bereits Konflikte ab, denn es ist ja schließlich eine Entscheidung der Krankenhausleitung, die ärztliche Zuwendung von den Patienten abzuziehen und vorzugsweise auf die Bürokratie eines unseeligen Abrechnungssystems zu lenken.

So kann es nicht überraschen, dass auf die Frage ‘Die Belange und Probleme der Ärzte werden von der Leitung unseres Hauses ernst genommenkein einziger der Befragten ‘stimmt völlig‘ antwortete und nur 4,8% ‘stimmt ziemlich‘ und nur 16,2% wenigstens ’stimmt teilweise’. 78,9% dagegen fanden ihre Belange und Probleme von der Krankenhausleitung nur wenig (35,5%) oder sogar überhaupt nicht (43,4%) ernst genommen.

Dazu haben wir auch ein besonders krasses Beispiel aus der Praxis. Auch ein Laie kann sich ausmalen, welche Belastungen in der nächtlichen Rufbereitschaft auf Fachärztinnen und Fachärzten für Psychiatrie zukommen, wenn sich Patienten in einer Zeit, in der gesunde Kontaktpersonen friedlich schlummern, verzweifelt mit ihren Ängsten und Nöten an sie wenden. Zu diesen schwierigen Gesprächen muss nicht die Klinik aufgesucht werden. Viele Hilferufe können mit einer telefonischen Zuwendung beantwortet werden. Wie Sie zuletzt in diesem Beitrag lesen konnten, weigern sich die Zentren für soziale Psychiatrie (ZSP), die telefonische Inanspruchnahme während der Rufbereitschaft gleichwertig einem Einsatz in der Klinik als aktive Zeit zu vergüten.

Das ZSP Hochtaunus hat durch anwaltlichen Schriftsatz sogar vortragen lassen, “dass einer der Hintergründe für die Beschränkung der Vergütung während der Rufbereitschaft auf Arbeitsleistungen vor Ort im Krankenhaus die damit erreichbare bessere Nachvollziehbarkeit der tatsächlichen Erbringung der Arbeitsleistung durch die Ärztinnen und Ärzte für die einzelnen Arbeitgeber war“. Das damit den Ärztinnen und Ärzten entgegengebrachte Misstrauen ist ungeheuerlich!

Die Argumentation ist besonders deshalb befremdlich, da in dem mit diesem Schriftsatz angesprochen Fall die Ärztinnen in einer Tagesklinik und in einem Projekt aufsuchender Psychiatrie, “Ambulante Psychiatrische Akutbehandlung zu Hause”, arbeiten und zur Nachtzeit ihre Patientinnen und Patienten überhaupt nicht in der Klinik hätten antreffen können. Die besonders belastende und teilweise umfangreiche nächtliche psychiatrische Akutbetreuung soll also nach Auffassung des Arbeitgebers kostenlos per Telefon erfolgen!

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