Landesärztekammer Hessen wirbt nicht mehr für Heilpraktiker

Diesen Beitrag, vom 28. März 12, haben wir noch einmal aufgegriffen, nicht weil die Landesärztekammer Hessen (LÄKH) etwa ihre Online-Ausgabe korrigiert hat. Vielmehr hat der Vertreter des Präsidiums in der Redaktion Dr. med. Peter Zürner im nachfolgenden Mai-Heft des Hessischen Ärzteblattes hier unter dem Titel “Wir empfehlen Ihnen nicht den Besuch des Deutschen Heilpraktikertages” den werbenden Hinweis als redaktionelles Versehen entschuldigt.

Dabei empfiehlt sich eine ausschließlich sachliche Auseinandersetzung mit Heilpraktikern, hat doch die LÄKH einem Arzt, der in den Monaten Juni/Juli 2002 in verschiedenen Internetforen Formalbeleidigungen und Schmähkritiken gegen Heilpraktiker publiziert hatte, eine Rüge ausgesprochen, die mangels Anfechtung bestandskräftig geworden ist (hier nachzulesen).

Zürner behauptet in seinem redaktionellen Beitrag: “Laut Berufsordnung ist es uns untersagt mit Heilpraktikern zusammenzuarbeiten.” Mit uns meint er vermutlich hessische Ärztinnen und Ärzte. So stand das früher in der hessischen Berufsordnung, die inzwischen leider ins Gegenteil verändert worden ist: “Die Zusammenarbeit mit Angehörigen anderer Gesundheitsberufe ist zulässig …” (§ 30, Abs. 3 lesen wir hier in der aktuellen Version. Und hier belehrt uns eine Liste der “Gesundheitsberufe” nach § 12 des Hessischen Gesetzes über den öffentlichen Gesundheitsdienst (HGöGD), was zu den (freien) Berufen und den Fachberufen des Gesundheitswesens zu zählen ist.

Hier der Originalbeitrag:

Natürlich wissen wir, dass heute nicht der 1. April ist. Für eine Monatszeitschrift wie das Hessische Ärzteblatt wäre der Abdruck eines Scherzes, der nur an einem Tag des Jahres Konjunktur hat, zudem eher ungewöhnlich. Es widerspricht unserer berufspolitischen Auffassung, die Seite in der von uns angegriffenen Ausgabe zu verlinken. Wir wollen auch keinen toten Link produzieren, denn unser Vertrauen in die berufspolitische Haltung des Präsidenten der Landesärztekammer Hessen geht soweit, sich wenigstens in der Online-Version durchzusetzen, wenn schon die bereits verteilte Druckausgabe nicht mehr rückholbar ist. Da verlinken wir auf diesen Beitrag aus der Zeitung des Marburger Bund Bundesverbandes, damals hieß die MBZ noch “arzt im krankenhaus”: Kuni, H., Oepen, I. und Becker, P.: Der staatliche Qualifikationsanspruch an die Ausübung der Heilkunde. arzt im krankenhaus 1982, 286-293 (Nachdruck, Version 4 v. 28.03.2012).

Da es sich im Hessischen Ärzteblatt 73(4), 2012, S. 246 um einen redaktionellen Beitrag handelt (der Infokasten mit dem für Heilpraktiker werbenden Text ist nicht als Anzeige deklariert!), nehmen wir das Präsidium in die Pflicht, das extra eines seiner Mitglieder in die Verantwortung für das Hessische Ärzteblatt delegiert hat (über redaktionelle Eingriffe nach dieser Delegation im Artikel eines ärztlichen ehrenamtlichen Autors berichteten wir hier). Wir sind versucht, im hier kritisierten Vorgang eine Bestätigung der These zu sehen, dass eine höhere Aufwandsentschädigung die ehrenamtliche Tätigkeit der Begünstigten nicht unbedingt verbessert (wir berichteten hier).

Leider ist der Inhalt des im Layout hervorgehobenen Infokastens im stattlichen Maß von 12,8×5,7 cm kein Aprilscherz und keine Satire wie die Zeichnung von F. K. Waechter im Hochformat von 12 cm daneben, mit der Dr. med. Siegmund Drexler seine Hommage zum 50 Jahre-Jubiläum der Neuen Frankfurter Schule illustriert hat. Da können wir nur mit Waechters Gans im Jogakopfstand hoffen: “Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein“.

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