Leistungsverdichtung und arbeitsmedizinische Probleme bei Krankenhausärztinnen und -ärzten

"Leistungsverdichtung und arbeitsmedizinische Probleme bei Krankenhausärztinnen und -ärzten", das war das Thema eines Symposiums “Vom Medizinstudium zum Facharzt” im Fortbildungszentrum der Landesärztekammer Hessen am 11.12.09 unter der Leitung von Dr. Kay Großmann und Dr. Susanne Johna.

Dr. Johna hat uns ihre Einführung ins Thema zur Verfügung gestellt.

Die Arbeit der Krankenhausärzte hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich verdichtet. Verantwortlich sind unterschiedliche Faktoren:

  1. Der zeitliche Aufwand für administrative Tätigkeiten hat in den letzten Jahren massiv zugenommen.
    Dies führt neben dem vermehrten zeitlichen Aufwand dazu, dass der Schwerpunkt der ärztlichen Tätigkeit sich immer mehr von der Patientenversorgung weg bewegt, mit zwangsläufig folgender zunehmender Frustration auf Seiten des Arztes. Gleichzeitig hat der hohe Dokumentationsaufwand mit der Notwendigkeit der Verarbeitung und Kontrolle der Daten zu einer erheblichen Stellenausweitung im Verwaltungsbereich von Krankenhäusern und Krankenkassen geführt. Diese finanziellen und personellen Mittel stehen somit der Patientenversorgung nicht mehr zur Verfügung.
  2. Die Liegezeit pro Patient im Krankenhaus hat deutlich abgenommen.
    Dies führt dazu, dass Ärzte in sehr kurzer Zeit die gesamte Diagnostik und Therapie eines Patienten durchführen müssen, und erschwert nicht nur die Therapiekontrolle, sondern auch die Möglichkeit, den Patienten, der häufig an mehr als einer Erkrankung leidet, als Ganzen zu erfassen. Auch dies führt zu Frustration des Arztes, der ausgebildet ist, nicht nur ein Symptom, sondern den ganzen Menschen zu behandeln.
  3. Die Fallzahlen pro Arzt sind deutlich gestiegen.
    Dies führt dazu, dass der Arzt pro Patient sowohl für Untersuchungen, als auch für Operationen weniger Zeit hat. Durch optimierte Abläufe lässt sich jedoch nur ein gewisses Quantum an Zeit einsparen. Steigen die Fallzahlen darüber hinaus, droht eine Gefährdung des Patienten – denn Sorgfalt braucht Zeit.
  4. Die Kliniken sind seit Jahren einem enormen finanziellen Druck ausgesetzt.
    Dies führt dazu, dass dieser Druck auch auf den Arzt weitergegeben wird, der in die Bedrängnis kommt, ob er seinem Patienten noch das medizinisch Optimale ermöglichen kann oder ob sich der „Ressourceneinsatz“ für diesen „Fall“ im Zeitalter des DRG-Systems noch rechnet. Auch hierdurch entsteht Frustration, da der Arzt in seiner Therapieentscheidung nicht mehr frei ist, ja oft die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht umsetzten kann.
  5. Der zunehmende Ärztemangel in Deutschland mit gut 4000 unbesetzten Arztstellen deutschlandweit ist sowohl Ausdruck dieser Missstände (die jungen Kollegen gehen ins europäische Ausland) als auch selbst ein Faktor, der zu erneuter Leistungsverdichtung führt. Somit sind die Anforderungen an den Krankenhausarzt längst zu einer gesundheitsschädlichen Belastung geworden.

Modellrechnungen zeigen, dass wir auf Grund der demographischen Entwicklung (2005 waren 12,5 % der Patienten im Krankenhaus über 80 Jahre, 2020 werden dies knapp 20 % sein) deutlich mehr Ärzte, Pfleger und finanzielle Mittel im Krankenhaus brauchen. Wie kann dieser Bedarf gedeckt werden, wenn bereits heute nur etwa 50 % der ausgebildeten Ärzte jemals in Deutschland in der Krankenversorgung tätig werden?

Der jetzt schon bestehende Ärztemangel führt zu einem Teufelskreis der Leistungsverdichtung, dem nur durch massive Entlastung (z. B. von administrativen Tätigkeiten) als auch durch eine Attraktivitätssteigerung des ärztlichen Berufes begegnet werden kann. Dies wären z. B. familienfreundlichere Arbeitsbedingungen, bessere Vergütung und Karrierechancen sowie die Vollmacht über die Entscheidungen, die er persönlich juristisch zu vertreten hat.

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