MB-Umfrage: Auch in Hessen massive Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen

“Die jüngste Umfrage von Arbeitszufriedenheit der Ärzte bietet wohl den ersten durchschaubaren Auftakt” (gemeint ist zur Tarifrunde 2008), so Hans-Ulrich Schmidt, Geschäftsführer der Klinikum Offenbach GmbH in seinem Artikel “Tarifrunde 2008 im öffentlichen Dienst, Standortbestimmung aus Sicht der kommunalen Krankenhäuser – oder droht nächstes Jahr Streik?” (f&w 24(5), 2007, 494-498).

Ja, wenn es nur das wäre. Dann könnten wir uns zufrieden darüber freuen, dass die Umfrage einen jungen und gewerkschaftlich orientierten MB Hessen präsentiert: Verglichen mit dem übrigen Bundesgebiet haben signifikant mehr Assistenzärztinnen und –ärzte in Weiterbildung daran teilgenommen. Mit 63,1% haben signifikant mehr die Frage nach der Arbeit unter einem arztspezifischen Tarifvertrag bejaht und mit nur 1,7% wussten deutlich weniger mit dieser Frage nichts anzufangen. Neben den Ärztinnen und Ärzten aus dem Bereich der Universitäten (ohne Unterschied zum übrigen Bundesgebiet) sind es in Hessen signifikante 25% mehr aus den Bereich der kommunalen Krankenhäuser gewesen. Die hessenspezifischen Umfrageergebnisse, über die wir in einigen Beiträgen berichten wollen, betreffen also ganz wesentlich den Bereich der kommunalen Arbeitgeber.

Eine spezielle Auswirkung des Tarifvertrags für die hessischen Unikliniken: Signifikant seltener gab es Probleme mit der Anerkennung der AiP-Zeit. Die verbliebenen 4% können dann wohl nur aus dem Bereich der kommunalen Krankenhäuser stammen wie die meisten Probleme mit der Einstufung der Oberärzte (31%), wo es in Hessen keinen signifikanten Unterschied zur trüben Situation im übrigen Bundesgebiet gibt. Die ‘Verhandlungen zur Entgelt-Eingruppierung von Oberärzten’ waren H.-U. Schmidt eine eigene Zwischenüberschrift wert, unter der er die sehr unterschiedliche Praxis der kommunalen Krankenhäuser bei der ‘Anwendungsweise des Tarifrechts’ schildert. Was wir hier ergänzen wollen: Ausgerechnet das von ihm geleitete Haus hat mit seiner restriktiven Handhabung gegen einen vom MB Hessen vertretenen Oberarzt eine Niederlage vor dem Arbeitsgericht erlitten.

Aber ansonsten konnte der Umfrage kaum Arbeitszufriedenheit entnommen werden: Auch in Hessen würde rund ein Drittel den Arztberuf nicht noch einmal ergreifen und mehr als die Hälfte plant, die Tätigkeit im Krankenhaus aufzugeben. Mehr als zwei Drittel halten ihren Beruf nicht mit einem Familienleben für vereinbar.

Da muss sich auch gerade in den Krankenhäusern, für die H.-U. Schmidt als Repräsentant der kommunalen Arbeitgeber verhandelt, wesentlich mehr ändern, als ein paar Prozent mehr Gehalt in der nächsten Tarifrunde 2008, sonst finden er und seinesgleichen noch schwerer als jetzt schon Ärztinnen und Ärzte, die bereit sind, unter solch miserablen Bedingungen zu arbeiten, wie sie die MB-Umfrage wieder einmal mehr dokumentiert hat.

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