MB Hessen startet Tarifrunde für hessische Uniärzte

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) ist mit dem Land Hessen und der Stiftungsuniversität Frankfurt am Main in Gehaltstarifverhandlungen für Ärztinnen und Ärzte an den hessischen Universitätskliniken Gießen/Marburg und Frankfurt eingetreten. Im Schnitt verlangt der MB für die mehr als 2.000 Mediziner rund acht Prozent mehr Gehalt.

Wir erwarten von der Arbeitgeberseite Verständnis für diese Forderungen nach attraktiveren Arbeitsbedingungen, mit denen auch der Ärztemangel ein Stück weit mehr eingedämmt werden könnte“, erklärte der Landesverbandsvorsitzende des MB Hessen, Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Scholz. In 2006 hatte der MB Hessen erstmals einen eigenständigen Tarifvertrag für die hessischen Uniärzte (TV-Ärzte Hessen) abgeschlossen – der bislang einzige Tarifabschluss des Landes Hessen nach seinem Austritt aus der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL).

Scholz begründete die Gehaltsforderung mit besseren Verdienstmöglichkeiten im Ausland, die seit Jahren zu einer regelrechten Ärzteflucht aus Deutschland führten: “Niemand darf sich wundern, dass hoch qualifizierte deutsche Ärzte in die Niederlande, nach Großbritannien, in die Schweiz oder die USA auswandern, wo man zwischen 20 und 70 Prozent mehr verdienen kann.“. Schlechtes Einkommen, überlange Arbeitszeiten, unvergütete Überstunden und kaum planbare Freizeit führten zu erheblichem Ärzte-Frust in deutschen Kliniken. Laut repräsentativer Umfrage des MB steht jeder zweite Krankenhausarzt in Deutschland kurz davor, seinen Job an den Nagel zu hängen. Während im Jahr 2000 noch insgesamt 19 Ärztinnen und Ärzte bei der Landesärztekammer Hessen den Antrag auf ein so genanntes “Certificate of Good Standing”, eine Art ärztliches Führungszeugnis, das Voraussetzung für die Aufnahme einer ärztlichen Tätigkeit ist, gestellt haben, waren es 2006 schon zehnmal so viele, nämlich 227.

Wir reichen den Arbeitgebern die Hand für konstruktive Tarifverhandlungen, denn ein akzeptabler Tarifabschluss kommt schließlich auch den Kliniken zu Gute, deren Erlös durch Ärztemangel und unbesetzte ärztliche Stellen rasch wegbricht“, verleiht Scholz seiner Hoffnung auf einen raschen Abschluss Nachdruck. Der Druck des Wettbewerbs um Ärztinnen und Ärzte erfordere neben der Verbesserung der Arbeitsbedingungen attraktive Gehälter. Daran orientiere sich nun auch die aktuelle Entgeltforderung für die Ärztinnen und Ärzte an den hessischen Universitätskliniken.

Zurück