MB Hessen trauert um Professor Jörg-Dietrich Hoppe

Trotz der Nachrichten über die angegriffene Gesundheit von Prof. Dr. med. h.c. Jörg-Dietrich Hoppe trifft uns diese Meldung seines Todes am 7.11.11 im Alter von 71 Jahren unerwartet und lässt uns betroffen zurück.

hoppejung.jpgIn dem Dokument über 60 Jahre Marburger Bund ist seine Wahl 1970 zum Bundesvorsitzenden hervorgehoben, denn seine zehn Jahre Bundesvorsitz haben den Marburger Bund geprägt und seine Geschlossenheit gefestigt. In einem Verband, in dem zwei Ärztinnen und Ärzte mindestens drei Meinungen über die Verbands- und Berufspolitik entwickeln, sorgte er durch seine menschlich warme und humorvolle Art für Ausgleich, führte zu wegweisenden demokratisch verankerten Beschlüssen und damit zu der Geschlossenheit, die schließlich die Stärke einer pluralistisch angelegten und föderalistisch organisierten Ärztegewerkschaft und eines Berufsverbandes ausmacht.

 

hoppe.jpgDabei hatte der feinsinnige und leidenschaftliche Musiker auch ein kämpferisches Herz: Die ersten Kampfmaßnahmen gegen die Ausbeutung der Klinikärztinnen und -ärzte in den siebziger Jahren führten ihn in den Marburger Bund und waren Anlass für eine zunehmend aktive Einmischung. Da war sein Vorsitz des größten Marburger Bund Landesverbandes Nordrhein-Westfalen / Rheinland-Pfalz seit 1975 eine folgerichtige Konsequenz.

Bald strahlte sein Wirken auch in die Berufspolitik auf Bundesebene ein: Er war maßgeblich am "Saarbrücker Papier (Kollegialprinzip am Krankenhaus)" und am "Blauen Papier (Gesundheits- und sozialpolitische Vorstellungen der deutsche Ärzteschaft)" des Deutschen Ärztetages beteiligt, wesentliche Leitlinien in den siebziger Jahren. Mit visionärem Blick bereitete er den Marburger Bund auf kommende Entwickungen (z.B. Schichtdienst für Ärztinnen und Ärzte) vor, als vielen Kolleginnen und Kollegen die Brisanz der Themen noch nicht einleuchteten.

Wer mit seinem Kollegen Prof. Dr. med. Peter Röttger spricht, seit 1984 gemeinsam mit ihm am Institut und der Praxisgemeinschaft für Pathologie am Krankenhaus Düren tätig, kann erfahren, dass Hoppe das Kollegialprinzip auch selbst überzeugend gelebt hat.

 

hoppeaktuell.jpgSeine maßgebliche Unterstützung der Arbeitskämpfe 2006 zeigt, dass er trotz der hohen Position als Präsident der Bundesärztekammer (1999 bis 2011) sein kämpferisches Herz gegen die Ausbeutung in den Kliniken bewahrt hatte.

Wir werden ihn nicht vergessen.

 

(Bilder: Kurt Gelsner, Der Marburger Bund, Verlag Peter Lang, 1985; Thomas Rottschäfer - Uwe K. Preusker, 50 Jahre Marburger Bund, Heider, Bergisch Gladbach, 1997; Dr. med. Michael Popovic)

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