MB warnt vor Aufweichung europäischer Arbeitnehmer-Schutzstandards

„Bereitschaftsdienst ist Arbeitszeit und muss auch so bezahlt werden. Die Krankenhäuser haben es selbst in der Hand, ihre Arbeitsorganisation nach modernen, vor allem auch familienfreundlichen Gesichtspunkten zu gestalten. Kluge Köpfe im Krankenhausmanagement haben das längst verstanden, in der Deutschen Krankenhausgesellschaft scheint dieser Bewusstseinswandel aber noch etwas Zeit zu brauchen“, kritisierte Rudolf Henke, 1. Vorsitzender des Marburger Bundes, Forderungen der DKG nach einer Revision der EU-Arbeitszeitrichtlinie mit dem Ziel, „differenzierte Formen der Arbeitszeit und ihrer Bewertung“ zuzulassen.

„Die DKG will die Uhr zurückdrehen in eine Zeit, als für Ärztinnen und Ärzte Marathondienste über 30 Stunden an der Tagesordnung waren und Bereitschaftsdienste in der Nacht, an Feiertagen und an Wochenenden nur teilweise als Arbeitszeit anerkannt wurden. Anstatt dafür zu sorgen, die hohen Belastungen weiter zu verringern, redet die Spitzenorganisation der Krankenhäuser zusätzlichen Belastungen das Wort. Dabei weiß auch die DKG zu genau, dass die bestehenden Höchstarbeitszeitgrenzen in vielen Krankenhäusern sträflich missachtet werden und nur etwa die Hälfte der Krankenhäuser sämtliche Arbeitszeiten systematisch erfasst“, sagte Henke.

Vor einem Jahr erst hatte eine Mitgliederbefragung des Marburger Bundes ergeben, dass sich fast drei Viertel der Klinikärzte (71 Prozent) durch die Gestaltung der Arbeitszeiten in ihrer Gesundheit beeinträchtigt fühlt, z.B. in Form von Schlafstörungen und häufiger Müdigkeit. Drei Viertel der angestellten Ärztinnen und Ärzte arbeitet im Durchschnitt mehr als 48 Stunden pro Woche.

47 Prozent erklärten, dass ihre tatsächliche Wochenarbeitszeit inklusive Überstunden und Bereitschaftsdienste im Durchschnitt zwischen 49 und 59 Stunden liegt. Die große Mehrheit der Klinikärzte würde gerne ihre Arbeitszeit reduzieren. 57 Prozent der Befragten erklärten, dass sie eine durchschnittliche Arbeitszeit von 40 bis 48 Stunden pro Woche bevorzugen würden, nur 11 Prozent wollten mehr als 48 Stunden arbeiten.

„Die deutschen Krankenhäuser müssen sich entscheiden: Wollen sie mit ihren Mitarbeitern gemeinsam dafür streiten, dass die Krankenhäuser ausreichend Personal zur Verfügung haben, um ihren Aufgaben gerecht zu werden? Wollen sie sich gemeinsam mit den Gewerkschaften für eine bessere finanzielle Ausstattung der Krankenhäuser einsetzen, um eine dauerhaft hochwertige stationäre Versorgung der Patienten zu gewährleisten? Oder wollen sie einen neuen Konflikt heraufbeschwören, indem sie auf europäischer Ebene Errungenschaften des Arbeitnehmer- und Patientenschutzes wieder in Frage stellen?“, so Henke an die Adresse der DKG.

Pressemitteilung des MB-Bundesverbandes

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