Mehr Kontrolle für Medical Schools

Medizinischer Fakultätentag in Frankfurt

Die Zahl der Medical Schools wird weltweit weiter steigen“, sagte Prof. Peter Dieter, Präsident der Association of Medical School in Europe, beim 75. Ordentlichen Medizinischen Fakultätentag in Frankfurt. Als Grund dafür werde oft der Mangel an Ärzten genannt. Es sei aber auch davon auszugehen, dass etwa die Nachwuchswerbung von Krankenhäusern und privaten Klinikkonzernen zum Anstieg führe, meinte Dieter. Geplant seien derzeit neue Medical Schools unter anderem in Augsburg, Brandenburg und Hamburg. Zudem gebe es staatenübergreifende Medical Schools, etwa Kooperationen mit Ungarn, den Niederlanden, Österreich oder England.

„Wir brauchen eine transparente Medizinerausbildung mit einem vergleichbaren Ausbildungsniveau“, sagte Prof. Josef Pfeilschifter, Frankfurt. Der Staat müsse sicherstellen, dass private Medical Schools alle Voraussetzungen erfüllen und diese gleichwertig zur staatlichen Ausbildung seien. „Die Bundesländer müssen klare Regeln zur Aufsicht bringen“, meinte auch Prof. Georg Sandberger von der Juristischen Fakultät der Universität Tübingen, bei der Podiumsdiskussion zum Thema Medical Schools. Die Akkreditierung von Krankenhäusern durch ausländische Agenturen biete keine ausreichende Qualitätssicherung.

„Ärzte müssen aus Gründen der Qualitätssicherung Staatsprüfungen ablegen, Bachelor oder Masterabschlüsse sind dafür kein Ersatz. Wer keine ärztliche Lizenz vorweisen kann, sollte auch nicht mit der Weiterbildung beginnen dürfen.“ Das stellte Dr. Susanne Johna klar, MB-Landesvorsitzende in Hessen und Mitglied des Präsidiums der dortigen Kammer.

An der Medical School in Kassel, die mit Southhampton in England kooperiert, solle man schon nach fünf Jahren anstatt der üblichen sechs Studienjahre in Deutschland mit der Weiterbildung beginnen dürfen, damit werbe die Medical School. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Medizinstudierenden aus Kassel bereits nach fünf Jahren eine vollständige Berufserlaubnis bzw. Approbation erhalten, denn in Großbritannien folgt nach dem Studium erst einmal noch das sogenannte ,Foundation Year‘“, meinte Johna.

Der Hessische Landtag hat sich mit der Medical School Kassel  bisher nicht beschäftigt, schilderte Dr. Thomas Spies, Vorsitzender des dortigen Ausschusses für Wissenschaft und Kunst: „Es kann nicht sein, dass sich Gesundheits- und Wissenschaftsministerien für nicht zuständig für das Medizinstudium in ihrem Land erklären. Dafür ist die ärztliche Berufsausübung eine zu verantwortungsvolle Aufgabe.“

In Deutschland zählt zu den weiteren Aufgaben die Weiterentwicklung des PJ: Hier müsse ein Ziel sein, die PJ-Logbücher auch im klinischen Alltag zu leben. Die würden vielfach nicht effektiv genutzt, meinte Prof. Martina Kadmon, Koordinatorin des Modellstudiengangs am Uniklinikum Heidelberg. Dies müsse sich ändern. Prof. Gerhard Burckhardt, Studiendekan der Medizinischen Fakultät der Universität Göttingen, hat die PJ-Ordnungen in Deutschland miteinander verglichen: An allen Fakultäten beträgt die Arbeitszeit im PJ 40 Stunden in der Woche und für Dienste erhalten Studierende einen Freizeitausgleich. Die PJ-Vergütung sei allerdings nur in den wenigsten Verordnungen geregelt. „Das ist bedauerlich. Es sollte sich bundesweit an den Höchstsatz von 597 Euro gehalten werden“, empfahl Burckhardt.

Andreas Hammerschmidt, Mitglied des Sprecherrates der Medizinstudierenden im MB, kritisierte, dass die in Frankfurt festgesetzten 300 Euro PJ-Aufwandsentschädigung blanker Hohn seien. Denn die Approbationsordnung sage klar: Bis zu 597 Euro können die Lehrkrankenhäuser zahlen. Für die Arbeit der PJ-Studierenden in den Häusern sei das seiner Meinung nach zwar immer noch zu wenig, aber das Mindeste.

Autor: mn

Fotos: MFT

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