Medizinstudenten im PJ sind keine Ersatzreserve - Debatte über Bielefelder Urteil

Pressemitteilung des MB-Bundesverbandes

Das Landgericht Bielefeld hat am 14. August 2013 in einem Berufungsverfahren das Urteil wegen fahrlässiger Tötung gegen einen Arzt bestätigt. Als Student im Praktischen Jahr (PJ) hatte der Beklagte vor etwa zwei Jahren eine für die orale Gabe bestimmte Spritze einem Baby versehentlich intravenös appliziert. Der 10 Monate alte Säugling war daraufhin gestorben.

Die Verteidiger hatten Freispruch gefordert, weil die Klinik keine unverwechselbaren Spritzen benutzt habe. Im Interview mit dem ARD-Morgenmagazin bezeichnete der MB-Vorsitzende und Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke, den Bielefelder Fall als absolute Ausnahme. Er wies allerdings darauf hin, dass personelle Engpässe in der Patientenversorgung zu einer Überbeanspruchung von Medizinstudenten im Praktischen Jahr (PJ) führen können. "Ich kenne Studierende, die sagen, wir sind so etwas wie eine Ersatzreserve", sagte Henke.

Aus der Sicht des Marburger Bundes muss gewährleistet sein, dass die Kliniken ausreichend ärztliches Personal zur Verfügung haben, das bei der Ausbildung der Medizinstudierenden nach einem klaren Curriculum verfährt. Jeder PJler muss darauf vertrauen können, dass immer ein Arzt greifbar ist, den er in Zweifelsfällen fragen kann. Auch deshalb fordert der MB, die finanzielle Ausstattung der Kliniken danach zu bemessen, was für eine qualitativ hochwertige Versorgung der Patienten und entsprechende Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses notwendig ist.

Hinweise zur Haftpflichtversicherung des Marburger Bundes gibt es hier als PDF

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