Mehr Weiblichkeit für den MB: Mein Eindruck von der 129. Hauptversammlung des Marburger Bundes

Am letzten Wochenende fand, wie jedes Jahr, im Vorfeld des Deutschen Ärztetages die Hauptversammlung des Marburger Bundes statt. Sie wurde geprägt von den Themen des anstehenden Ärztetags und durch eine lebhafte „Gender-Debatte“.

Professor Christiane Woopen, die ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, hielt einen interessanten Vortrag zum Thema „Ethik des ärztlichen Handelns vor dem Hintergrund einer zunehmenden Ökonomisierung“. Dies führte zu einer Debatte über das DRG-System und ob wir zu viel oder gar zu wenig Leistungen hinterlegt haben.

Dieser Aspekt blitzte auch in der sich am Sonntag anschließenden Debatte zum Thema „Qualität“ auf. Das erste Impulsreferat wurde von Dr. Regina Klakow-Franck, unparteiisches Mitglied des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA), gehalten. Sie versuchte zunächst durch die Darstellung des Aufbaus des GBA, den noch nicht gemachten Vorwurf der Intransparenz auszuräumen. Sie berichtete, dass mit dem neu gegründeten Institut für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG), der Dokumentationsaufwand im Krankenhaus sicherlich zunehmen werde, dass die Vorgaben des Gesundheitsministeriums immer „kleinlicher“ würden, und dass dieses Problem sicherlich auch an der aktuell  in Teilen problematischen ärztlichen Selbstverwaltung liege. Was Qualität in der Patientenversorgung nun genau bedeutet und wie sie gemessen werden soll, blieb allerdings offen. Das IQTiG soll entsprechende Indizes bis Ende 2017entwickeln.

Dr. Susanne Johna, Landesvorsitzende des MB Hessen, betonte in ihrem Vortrag, dass die deutsche Ärzteschaft sich schon früh um Qualität gekümmert habe, dass es sich dabei sogar um einen „Exportschlager“ gehandelt habe (zum Beispiel CIRS - Critical Incident Reporting-System), die aktuelle Umsetzung aber nicht mehr den ursprünglichen Intentionen entspräche. Sie befürchtete, dass wir nicht mehr die Richtigen falsch behandeln, sondern die Falschen wegen breiter Indikationsauslegung richtig behandeln. Ein entsprechender Antrag des Landesverbands Hessen wurde mit großer Mehrheit angenommen und auch auf dem Deutschen Ärztetag eingereicht und einstimmig beschlossen.

Besonders spannend und lebendig war der Teil „Satzungsänderung“. Was erst einmal trocken klingt, sorgte bei genauerem Hinsehen aber doch für lebhafte Diskussionen. Es ging dabei um die Frage, eine Geschlechterquote bei der Zusammensetzung des Bundesvorstandes  einzuführen.  Die 208 Delegierten sollten über einen Entwurf beschließen, der zum einen eine Erweiterung der Beisitzer-Zahl des Vorstandes auf 7 vorsieht und dies mit einer Genderquote kombiniert: Mindestens drei Männer und drei Frauen sollen dem zukünftigen 9-köpfigem Vorstand angehören. Dazu wurde noch die Frage diskutiert, ob nach Satzung  mindestens drei Frauen oder Männer im Vorstand vertreten sein „müssen“ oder „sollen“. Am Ende hat sich der Gedanke wer Frauen im Vorstand will, muss für „müssen“ stimmen durchgesetzt und in einer geheimen Abstimmung votierte die nötige 2/3-Mehrheit für diesen Vorschlag. Ich persönlich denke, ein bisschen mehr „Weiblichkeit“ schadet dem MB nicht.

Zu den Beschlüssen der Hauptversammlung >>> (die Beschlüsse Nr. 2 und 3 sind auf Antrag des MB Hessen getroffen wurden)

Von Dr. Silke Engelbrecht

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