Mein erster Nachtdienst: Dr. Andreas Fischbach gibt wertvolle Tipps im Interview

Früher oder später kommt der Moment, der erste Nachtdienst alleine steht an: Viele sind aufgeregt, haben Angst oder sind unsicher. Ärztinnen und Ärzten gehen in den Tagen vor dem ersten Dienst viele Fragen durch den Kopf. In unserer Veranstaltung „Mein erster Nachtdienst“ hören Sie neben medizinischen Vorträgen auch, welche Rechte und Pflichten Sie haben. Vorab haben wir unserem Referent Dr. Andreas Fischbach ein paar Fragen zum ersten Dienst gestellt und er hat uns von seinen persönlichen Erfahrungen erzählt.

Unsere Veranstaltung heißt  „Mein erster Nachtdienst – was kommt auf mich zu?“, können Sie sich noch an Ihren ersten Dienst erinnern? Wie ist dieser abgelaufen?

Dr. Andreas Fischbach: Ja, an den kann ich mich noch erinnern, auch wenn er schon „ein paar Tage“ her ist. Das war in den 90gern an einem kleinen Haus.  Ich hatte drei Wochen als Arzt in dem Krankenhaus gearbeitet. Und in diesem Dienst ist dann gleich einiges passiert: Ein Patient hat einen  kardiogenen Schock entwickelt und ist verstorben. In einer solchen Situation ist es natürlich wichtig zu wissen, wo der Notfallkoffer steht und  wie man einen Beatmungsbeutel hält. Aus meiner Zeit im Rettungsdienst hatte ich da zum Glück Erfahrung. Aber auch den Todesschein auszufüllen und mit den Angehörigen zu sprechen, gehört dann dazu.

Auch hatte ich einen betrunkenen Patienten, der sich selbst entlassen hat. Hier ist es wichtig zu wissen, welchen rechtlichen Rahmen gibt es. Darf ich ihn festhalten? Hole ich die Polizei? Hier hilft es, sich kurz mit dem Unterbringungsgesetz zu beschäftigen, das in jedem Bundesland anders aussieht.

Welche Schwierigkeiten können im ersten Nachdienst auftreten und wie begegnet man diesen am besten?

Fischbach: Es gibt viele Ereignisse im ersten Nachtdienst, die parallel auftreten können, zum Beispiel: ein Patient fällt aus dem Bett, einer hat plötzlich hohes Fieber, ein anderer Brustschmerzen oder akute Atemnot. Es erwartet einen das gesamte medizinische Spektrum, was eine Herausforderung ist. Da hilft es, wenn man vorbereitet ist. Sich im Vorfeld ein Konzept  zu machen,  was ich in welchen Fällen getan werden muss und dies, gestützt von Notizen, zu kennen, ist hilfreich. Denn viel Zeit zum Nachlesen hat man während des Nachtdienstes meist nicht.

Welche Tipps können Sie jungen Ärztinnen und Ärzten mit auf den Weg geben?

Fischbach: Natürlich haben Ärztinnen und Ärzte am Anfang Angst, zum Beispiel etwas zu übersehen oder einen Befund falsch zu werten. Auf viele typisch auftretende Situationen  können sich Ärztinnen und Ärzte jedoch  vorbereiten.   Wichtig ist auch, sich mit dem Haus und der Logistik vorab vertraut zu machen: Wer sind die Mitstreiter in der Nacht? Wo steht der Reanimationskoffer?  Wo kann ich Hilfe holen? Habe ich alle wichtigen Telefonnummern in der Tasche? Wer hat Hintergrunddienst?

Auch kann es sinnvoll sein, sich im Vorfeld auf Station vorzustellen und nach kritischen Patienten direkt zu fragen und welche Versorgung  vorgesehen ist. Je besser man sich vorbereitet hat, desto weniger Stress gibt es.

Info zur Person:
Dr. Andreas Fischbach, Klinikdirektor Klinik für Notfallmedizin, an den Dr. Horst Schmidt-Kliniken in Wiesbaden.

Infos zur Veranstaltung: Mein erster Nachtdienst

Foto: HELIOS-HSK
Autor:mn

 

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