DRV-Streik: Niedergelassene als Streikbrecher?

Dass zum Wohle der Patienten Ärztinnen und Ärzte über die Sektorengrenze zwischen ambulanter und stationärer Versorgung hinweg aushelfen, ist erfreulicherweise gängige Praxis. Damit konnten immer wieder Lücken, insbesondere durch Krankheit oder Urlaub, geschlossen werden.

Ein Artikel in der WZ machte öffentlich, dass eine Reha-Klinik der Deutschen Rentenversicherung (DRV) in Bad Nauheim versuchte, durch Honorarverträge mit niedergelassenen Ärzten Lücken zu schließen, die der Streik der Ärztinnen und Ärzte gegen die DRV geschaffen hat. Wie wir berichten, kämpfen die unterbezahlten Ärztinnen und Ärzte mit einen Erzwingungsstreik darum, dass ihr Arbeitgeber endlich einen ärztespezifischen Tarifvertrag abschließt. Sie erhoffen sich durch eine Verbesserung der miserablen Arbeitsbedingungen auch, dass endlich die immer größer werdenden Lücken in der Stellenbesetzung in den Einrichtungen der DRV gefüllt werden können, über die die Tagespresse hier berichtet hat.

Wir unterstellen, dass die Niedergelassenen nicht zum ersten Mal eingesprungen und bei der aktuellen Vereinbarung über die Hintergründe ihres Einsatzes durch die Klinikleitung nicht informiert worden sind. Denn wir kennen viele aufrechte niedergelassene Kolleginnen und Kollegen, die nicht zuletzt aufgrund eigener bitterer Erfahrungen mit klinischen Ausbeutern sich eher eine Hand amputieren ließen, als ihren streikenden Kolleginnen und Kollegen in den Rücken zu fallen.

Der Vorstand des MB Hessen hat auf seiner Sitzung am 17.03.09 diese Situation diskutiert und war sich einig, dass es sich hier nur um bedauerliche Einzelfälle handeln konnte, die insbesondere nicht dazu führen dürfen, dass Klinikärzte Lücken füllen, die sich möglicherweise durch bevorstehende Aktionen der durch die ‘Honorarreform’ gebeutelten Kassenärzte ergeben können. Der Vorstand billigte es, dass mit dieser Klinik keine Notdienstvereinbarung mehr abgeschlossen wurde.

Bestärkt in dieser Haltung sieht sich der MB Hessen durch diese Pressemitteilung des Präsidenten der Landesärztekammer Hessen, in der Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, niedergelassener Internist, Verständnis für die streikenden Klinikärzte äußert.

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