Online-Befragung der Klinikärzte: Ergebnisse liegen vor

Im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universität Hamburg und der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) konnte von Mai bis August 2008 online ein Fragebogen zur stressbezogenen Arbeitsanalyse durch Klinikärztinnen und -ärzten ausgefüllt werden. Der Marburger Bund hatte 800 Mitglieder per E-Mail ausdrücklich darauf hingewiesen und um Kooperation gebeten und außerdem in der MBZ für eine Teilnahme an der Studie geworben.

In diesem Fragebogen (wir zitieren aus dem Ergebnisbericht) wurden Stressoren und Ressourcen aus unterschiedlichen Bereichen der ärztlichen Arbeitsbedingungen thematisiert: Im Bereich der Arbeitstätigkeit wurden u. a. Arbeitsdichte, Unsicherheit und Handlungsspielraum berücksichtigt sowie verschiedene Aspekte der Interaktion mit Patienten, z. B. soziale Stressoren und emotionale Dissonanz. Zudem wurden potentielle arbeitsorganisatorische Schwachstellen sowie die Zusammenarbeit mit Kollegen und Vorgesetzten – insbesondere Stressoren und soziale Unterstützung – thematisiert. Zusätzliche Aspekte auf Abteilungs- und betrieblicher Ebene waren u. a. Partizipation, Offenheit des Arbeitsklimas sowie Respekt und Anerkennung.

702 Kolleginnen und Kollegen haben die Fragen beantwortet. Dipl.-Psych. Monika Keller, Arbeits- und Organisationspsychologie im Fachbereich Psychologie / Fakultät 4 der Universität Hamburg, legte nun einen zusammenfassenen Bericht über die Ergebnisse vor, den wir mit ihrer freundlichen Erlaubnis hier Ihrer Lektüre empfehlen wollen.

Auf einzelne Aspekte dieses Berichtes werden wir noch eingehen. In diesem Beitrag wollen wir auf die Antworten zur Aussage “In unserer Abteilung sind ausreichend Räumlichkeiten verfügbar, in denen Gespräche mit Patienten und/oder Angehörigen geführt werden können.” eingehen. 62,4% konnten dem nicht oder nur wenig zustimmen und beleuchteten damit die patientenfeindliche und dringend sanierungsbedürftige Ausstattung vieler deutscher Kliniken, die natürlich auch die dort tätigen Ärztinnen und Ärzte belastet.

Interessant finden wir, dass die verschiedenen Arztgruppen, Assistenzärzte ohne und mit abgeschlossener Weiterbildung, Ober- und Chefärzte diese Frage signifikant unterschiedlich beantworteten. Dass Ober- und Chefärzte hier weniger Probleme sahen, kann nicht überraschen, jedoch die geringere Zustimmung von Ärzten mit im Vergleich zu ihren Kollegen ohne abgeschlossene Weiterbildung. Daraus ziehen wir den Schluss, dass die Ärztinnen und Ärzte ohne abgeschlossene Weiterbildung (also in Weiterbildung) wahrscheinlich in besser ausgestatteten Kliniken tätig waren als die Fachärztinnen und Fachärzte, die noch nicht als Ober- oder Chefarzt tätig waren. Dieser vermutliche Unterschied in der Arbeitsumgebungen muss bei der Beurteilung weiterer Ergebniss dieser Studie bedacht werden.

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