Positionspapier zur Zukunft im Krankenhaus - Anforderungen an Rahmenbedingungen des ärztlichen Arbeitsplatzes

Die 9. ordentliche Delegiertenversammlung (DV) der Landesärztekammer Hessen (LÄKH) hat am 26.11.11 auf Antrag von Delegierten der Liste Marburger Bund Hessen beschlossen:

Die Anforderungen an das Krankenhaus von heute als wesentliches Element der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung (vollstationäre, teilstationäre, vor- und nachstationäre sowie ambulante Behandlung(vgl. SGB V §§ 39, 115 a und 115 b, 116 b) nehmen durch medizinischen Fortschritt, aber auch bei einer älter werdenden Gesellschaft und unter den gegebenen finanziellen Rahmenbedingungen stetig zu. Die Arbeitsbedingungen des gesamten im Krankenhaus angestellten Personals werden komplexer und anspruchsvoller, was zu erheblichen Belastungen und Frustrationen, im gravierendsten Falle zu Erkrankungen führt ( z.B. Burn-Out-Syndrom).

Die DV der LÄKH betrachtet diese Entwicklung mit großer Sorge und nimmt insbesondere die Situation der Ärzteschaft in den Blick. Um den Belastungen entgegen zu wirken, einem zunehmenden Ärztemangel vorzubeugen, die Berufszufriedenheit zu erhöhen und somit die Qualität der Patientenversorgung auf einem hohen Niveau zu erhalten, muss der Arbeitsplatz Krankenhaus für Ärztinnen und Ärzte attraktiver gestaltet werden.

Die DV der LÄKH beauftragt die Gremien der Landesärztekammer, die Anforderungen an den ärztlichen Arbeitsplatz kontinuierlich fortzuschreiben und die zuständigen Stellen der Krankenhausträger zur Umsetzung aufzufordern.

Die DV der LÄKH sieht dringenden Handlungsbedarf in folgenden Bereichen:

  • Prozesse optimieren – Bürokratie eindämmen

    Wie jedes Unternehmen muss sich auch das Krankenhaus ständig ändernden Rahmenbedingungen anpassen. Im modernen Medizinbetrieb ist eine kontinuierliche Prozessoptimierung in den Dimensionen medizinische Qualität, Servicequalität und Wirtschaftlichkeit notwendig. Effektive Optimierung und Steuerung setzen klare Ziele voraus und die Festlegung von Parametern, an denen die Erreichung der Ziele ablesbar ist. Ärztinnen und Ärzte sind von bürokratischen Tätigkeiten, die nicht unmittelbar die medizinische Versorgung der Patienten dokumentieren, sondern ausschließlich Abrechnungs- und sonstigen administrativen Zwecken dienen, zu entlasten.

    Die DV der LÄKH fordert die Krankenhausarbeitgeber auf, die bürokratischen Belastungen der Ärztinnen und Ärzte endlich gezielt zu analysieren und unnütze Bürokratie zu beseitigen.

  • Neue Führungs- und Mitarbeiterkultur

    Bereits seit vielen Jahren beklagen Ärztinnen und Ärzte unzeitgemäße, hierarchische Strukturen in den deutschen Krankenhäusern. Sie führen zu Frustrationen gerade bei jüngeren Ärztinnen und Ärzten.

    Um kreative Potenziale aller Ärztinnen und Ärzte zu fördern, ist die Einführung teamorientierter Strukturen in Aufbau- und Ablauforganisation dringend erforderlich. Dazu gehört, dass Führungsstil und der Umgang unter den Ärztinnen und Ärzten bereits in der Abteilung fallbezogen partizipativer wird. Abteilungsziele müssen beispielsweise gemeinsam besprochen und festgelegt werden. Die Ansprache erfolgt kollegial und sachangemessen. Mitarbeitergespräche sollen regelmäßig und strukturiert geführt und dokumentiert werden.

    Eine moderne Führungs- und Mitarbeiterkultur bindet Ärztinnen und Ärzte an ein Haus und führt zu mehr Bewerbern auf vakante Stellen.

  • Vereinbarkeit Privatleben und Beruf

    Wie kein anderes Thema hat sich die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf in den vergangenen Jahren entwickelt. Hielten eine work-life-balance in der MB Mitgliederbefragung 2007 noch 33 % der angestellten Ärztinnen und Ärzte für am wichtigsten und 30 % für sehr wichtig, so waren dieses Thema 2010 bereits für 55 % am wichtigsten und weitere 29 % sehr wichtig. Die LÄKH setzt es sich zum Ziel, die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit in der Medizin und vor allem in Krankenhäusern zu fördern. Familienfreundliche Arbeitszeiten sind planbar und zuverlässig. Eine Kinderbetreuung, die die tatsächlichen Dienstzeiten abdeckt, ist auch für Kinder von Ärztinnen und Ärzten zu gewährleisten. Teilzeitmitarbeiter sind vollwertige Mitarbeiter und gleichwertig zu fördern.

    Eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann wesentlich zu größerer Motivation und Zufriedenheit von Ärztinnen und Ärzten beitragen. Ein Arbeitgeber, der familienfreundliche Arbeitsbedingungen anbietet, ist attraktiv und hat Standort- und Wettbewerbsvorteile. Schon 2007 ist auf Bundesebene eine Kampagne „Für ein familienfreundliches Krankenhaus“ gestartet, die Krankenhäuser von den Vorteilen familienfreundlicher Arbeitsbedingungen überzeugen und ihnen helfen soll die Vereinbarkeit herzustellen.

  • Gesundheitsmanagement im Krankenhaus

    Mit Sorge sieht die DV der LÄKH, dass die ständig steigende Arbeitsbelastung der Ärztinnen und Ärzte immer häufiger krank macht. Auch Ärztinnen und Ärzte leiden bei Überlastung an körperlicher, geistiger und emotionaler Erschöpfung. Krankenhausleitungen müssen dies erkennen und Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besser schützen. Der Marburger Bund fordert ein Krankenhaus, das die Gesundheit seiner Mitarbeiter schützt! Durch gute Arbeitsbedingungen und Lebensqualität am Arbeitsplatz werden die Gesundheit und die Motivation nachhaltig gefördert, Produktivität und Innovationsfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhöht und die Qualität der Arbeit insgesamt verbessert. Der Marburger Bund fordert die Krankenhausträger auf, flächendeckend ein betriebliches Gesundheitsmanagement zum Zwecke der Erhaltung und des Ausbaus der Arbeitsbewältigungsfähigkeiten der Mitarbeiter einführen.

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