Präsidium beschließt statt Delegiertenversammlung MB-Antrag

Die Delegierte des MB Hessen Dr. med. Susanne Johna ist vom Präsidium in den Krankenhausausschuss der Landesärztekammer Hessen (LÄKH) berufen worden. So positiv wir das hervorheben wollen, hält es der MB Hessen für völlig unhaltbar, dass ein weiteres von ihm nominiertes Mitglied des MB-Landesverbandsvorstandes nicht Mitglied des Krankenausschusses geworden ist.

Ein Antrag Johnas zur Anwendung des Bachelor / Master-Studiensystem nach der Bologna-Deklaration auf das Medizinstudium hatte sich der Krankenhausausschuss in seiner letzten Sitzung zu eigen gemacht und gebeten, diesen Antrag in die Delegiertenversammlung einzubringen.

Hier der Antrag im Wortlaut, der dann in der letzten Delegiertenversammlung (DV) der LÄKH am 28.03.09 zum TOP ‘Bericht des Präsidenten’ eingebracht worden war:

Die hessische Ärzteschaft fordert die Landesregierung auf, die Planung und Umsetzung der Umstellung des Medizinstudiums auf das zweistufige Bachelor/Master-Studiensystem zu stoppen.

Das Ziel der Bologna-Deklaration einer Vereinheitlichung des Europäischen Hochschulraums zu erreichen, ist mit einer Umstellung von 75 % der Studiengänge (9200 von 12300) auf einen BA/MA-Abschluss in Deutschland erfolgreich umgesetzt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Studiengängen ist jedoch für Ärzte bereits durch die EU–Richtlinie 93/16/EWG eine gegenseitige Anerkennung der Studienabschlüsse geregelt. Hier sind für alle 25 EU-Staaten mindestens 5.500 Stunden verbindlich festgelegt. Ein künstliches und unnötiges Überstülpen des zweigliedrigen Systems auf das Medizinstudium führt ausschließlich zu Nachteilen für alle Beteiligten:

  1. Ein dreijähriger Medizinbachelorabsolvent findet im ärztlichen Bereich kein Berufsbild.
  2. Der hohe Qualitätsstandard, der von der Gesellschaft zu Recht von der Ausbildung zum Arzt erwartet wird, ist durch eine sechs- oder achtsemestrige Bachelorausbildung nicht zu gewährleisten.
  3. Ein Bachelorabsolvent hat lediglich den Abschluss an einer Universität und kein Staatsexamen vorzuweisen, was dazu führen kann, dass Universitäten ein als „undergraduate“ bewerteten Bachelorabsolventen nicht zum Masterstudiengang zulassen müssen.
  4. Die Aufteilung in ein zweistufiges Studiensystem fußt auf dem Verständnis, dass man ein berufsfeldbezogenes und ein wissenschaftliches Studium nacheinander absolvieren kann. Dies konterkariert aber die deutsche Approbationsordnung, deren Ziel es ist, ab dem ersten Semester eine tiefgreifende Verzahnung von theoretischen Grundlagen und klinischer Anwendung zu erreichen.

Au Backe, Schmerz lass’ nach. Das mögen viele Delegierte wie dieser aus den Reihen des MB Hessen gedacht haben, die mit zunehmender Resignation dem Fortgang einer völlig überladenen Tagesordnung folgten. Von vielen Teilnehmern hörten wir, dass sie die Sitzung als bisher unerreicht schlecht vorbereitet und geleitet empfunden haben.

So war trotz entschiedener Ablehnung im Vorfeld der DV am Vormittag ein einstündig(!) geplanter TO ‘Projekt eHBA der BÄK’ vorgesehen, in dem der Vorsitzende des Ausschusses Telematik der Bundesärztekammer über das Projekt des elektronischen Heilberufsausweises berichten konnte, ein Thema, zu dem auch die DV der aktuellen Legislaturperiode bereits wie ihre Vorgängerinnen unter Kenntnis der Dokumente dieses Ausschusses den eHBA in der geplanten Form einstimmig abgelehnt hatte. Durch einen Beschluss der DV, diesen TO auf 30 min. zu begrenzen, wurde der Zeitverlust begrenzt und eine unnötige Debatte zum Vortrag vermieden.

Wegen der vorrangigen Behandlung der Anträge des Versorgungswerkes und anderer wichtiger TOP konnte die DV den Bericht des Präsidenten und die zahlreichen Anträge dazu nicht mehr behandeln.

Wie aus dieser Pressemitteilung der LÄKH hervorgeht, hat inzwischen das MB-freie Präsidium der LÄKH anstelle der DV den Antrag Johnas beschlossen. So sehr sich der MB Hessen über diese Meinungsbildung freut, das Procedere entspricht nicht unserem Verständnis von Demokratie in der Kammer.

Im April-Heft des Hessischen Äerzteblattes 70 (4), 2009, 231-236 ziehen der Dekan des Fachbereichs Medizin der Goethe-Universität Frankfurt/M. Prof. Dr. med. Josef Pfeilschifter und der Mitarbeiter des Dekanats Priv.-Doz. Dr. rer. nat. Helmut Wicht unter dem Titel ‘Medizin à la bolognese - von Bachelors und Badern’ eine kritische Zwischenbilanz der Studiengänge nach dem Bologna-Prozess.

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