Präsidium der LÄKH fehlt geschlossen beim Bad Nauheimer Gespräch

Bad Nauheimer Gespräch am 19.8.2011
Ärztinnen und Ärzte an Krankenhäusern – Situation und Perspektiven
Referent: Dr. med. Andreas Botzlar, 2. Vorsitzender des Bundesverbandes des Marburger Bundes

Dr. med. Ingrid Hasselblatt-Diedrich, als 1. Geschäftsführendes Vorstandsmitglied spiritus rector der Bad Nauheimer Gespräche, hatte mit feinem Gespür für aktuelle Themen dankenswerterweise die Situation der Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern in den Fokus gerückt.

Dr. Botzlar stellte kompakt die derzeitigen Probleme dar, immer auch bezogen auf die spezielle Situation in Hessen. Natürlich spielte die demographische Entwicklung der Ärzteschaft wie auch der Bevölkerung einen Schwerpunkt im Vortrag. Aber auch die aktuellen Probleme der Ärzteschaft in den Kliniken - kollegialer Umgang, Arbeitszeiten, DRGs - waren Thema.

Auf die aktuelle politische Diskussion insbesondere um den Nachwuchsmangel im Bereich der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte wurde intensiv eingegangen. Da die Weiterbildung in aller Regel in Kliniken startet, wurde ausführlich über die aktuelle Weiterbildungsordnung diskutiert, auch unter dem Aspekt der Evaluation der Weiterbildung. (Beiseit: Am Rande möchte man gleich einen Aufruf zur Teilnahme an der Evaluation starten! Nur mit diesen Daten können Änderungen und vor allem Verbesserungen auf den Weg gebracht werden.)

Eine weitere interessante Beobachtung wurde an diesem Abend jedoch auch gemacht:

Der Präsident der Landesärztekammer Hessen (LÄKH) ist qua Amt Vorsitzender der Bad Nauheimer Gespräche. Leider konnten weder er noch ein anderes Mitglied des Präsidiums der LÄKH begrüßt werden (zur Erinnerung: bis auf eine Ausnahme alles niedergelassene Ärztinnen und Ärzte). Das verwundert außerordentlich, denn hier war eine einmalige Chance gegeben, sich mit der aktuellen Situation in Kliniken vertraut zu machen. Darüber hinaus ist eine Erweiterung des Gesichtsfelds über das eigene Tun hinaus immer nützlich und sinnvoll. Da im Präsidium beschlossen wurde, ausgewählte Mitglieder aus den eigenen Reihen vorrangig an den anstehenden regionalen Krankenhauskonferenzen mit Stimmrecht zu beteiligen, reibt man sich die Augen über deren komplettes Fehlen bei einer derart wichtigen und kompakten Veranstaltung zum Thema Krankenhaus. Es hätte ja noch nicht einmal etwas gekostet.

Und wenn man sich dann vor Augen hält, dass eben diese Kolleginnen und Kollegen sich ihre eigene "Aufwandsentschädigung" von der Delegiertenversammlung am 27.11.10 auf eigenen Antrag um das Dreifache erhöhen ließen, so kommen Zweifel, was denn in diesem Ehrenamt so Hervorragendes geleistet wurde und wird, um die Entschädigung derart zu erhöhen. Schließlich tragen die angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte maßgeblich zur finanziellen Ausstattung der Ärztekammer bei, die größere Hälfte der Mitglieder gehört zu dieser Sparte der ärztlichen Berufsausübung.

Nach dieser Erfahrung am 19.8.2011 müssen jegliche Äußerungen des Präsidiums zur Situation der angestellten Ärztinnen und Ärzte mit großem Misstrauen wahrgenommen werden. Man scheint sich im Präsidium kaum für diese größere Hälfte der Kammermitglieder zu interessieren, der Kammerbeitrag wird jedoch "gerne genommen"…

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