Privatisierung: Unterricht im PJ schlechter?

Privatisierung: Unterricht im PJ schlechter? Dieser Gedanken drängt sich bei einem Blick auf die ersten Bewertungen aus Hessen auf, die sich in der Datenbank von pj-rating.de finden. Die noch wenigen Bewertungen sollten nicht unterschätzt werden. Denn es müssen sicher einige Erlebnisse zusammenkommen, bis Studierende trotz Examen und Stellensuche in die Tasten greifen, um ihr PJ-Tertial zu bewerten. Die Anzahl reicht sicher noch nicht für tiefschürfende wissenschaftliche Analysen, aber ein Trend ist unverkennbar: Während die Unikliniken Marburg und Gießen auf Durchschnittsnoten von 2,5 und 3,6 kommen, glänzt die Uni Frankfurt mit einem Durchschnitt von 1,8.

Dass die Chirurgie durchweg die schlechtesten Noten erhält, ist eine bundesweite Erscheinung und bei diesem besonders arbeitintensiven, aber auch ausbeutungsträchtigen Fach kein Wunder. Dass aber Chirurgie nicht gleich Chirurgie sein muss, zeigt auch hier wieder der eindrucksvolle Vergleich zwischen der Uniklinik Frankfurt, den Lehrkrankenhäusern und dem Uniklinikum Gießen-Marburg.

Die Zufriedenheit mit dem PJ an der Frankfurter Uniklinik kommt auch in der relativ geringen Inanspruchnahme der Lehrkrankenhäuser (sechs von vierzehn Berichten) sowie in der besseren Durchschnittsnote im Vergleich zu den umliegenden Lehrkrankenhäusern sowie im Vergleich zu Gießen zum Ausdruck, wo nur zwei von neun Berichten aus dem Uniklinikum stammen.

Da könnten Sie nun einwenden, dass das Uniklinikum Marburg Spitze sein muss, denn dort gibt es gar keinen Bericht aus einem Lehrkrankenhaus. Das hat aber genau den gegenteiligen Grund: Wegen der beschämenden Abstimmung der Marburger Studierenden mit den Füßen wurde festgelegt, dass ein Lehrkrankenhaus nur bei einer Überbeanspruchung Marburger Fächer ausgewählt werden darf! Diesen Beschluss hatte der Fachbereich in Marburg allerdings bereits vor der Privatisierung gefasst.

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