Prof. Marion Haubitz: „Ärztinnen müssen sagen, was sie wollen“

„Medizin ist genau das, was ich immer machen wollte“, sagt Prof. Marion Haubitz, Direktorin der Medizinischen Klinik III, Nephrologie am Klinikum Fulda. „Besonders gefällt mir am Arztberuf die Vielseitigkeit aus Wissenschaft und sozialem Engagement.“ Dass sie einmal Leiterin einer Klinik wird, war Haubitz nicht von Anfang an klar. „Mein Ziel war es, erst einmal Ärztin zu werden.“ Prof. Marion Haubitz hat Medizin an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert und dann lange an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gearbeitet, unterbrochen von einem Forschungsaufenthalt in Boston.

Frauen wurden gefördert

In Hannover spielte die Frauenförderung eine wichtige Rolle. Es herrschte eine gewisse Aufbruchsstimmung, die die MHH genutzt und ausgebaut hat, berichtet Haubitz. „So war ich die Erste, die in der Abteilung schwanger war, und auch die erste Oberärztin, die in Teilzeit gearbeitet hat.“ Möglich gemacht hat ihr dies unter anderem ein Dorothea-Erxleben-Stipendium: „Ich konnte wissenschaftlich arbeiten und hatte gleichzeitig eine gewisse Flexibilität als Mutter. Mit diesem Stipendium konnte ich meine Habilitation zu Ende bringen und meine Karriere verfolgen.“ Denn eine Professur ist mehr oder weniger die Voraussetzung, wenn man Chefarzt werden möchte. „Natürlich sind wissenschaftliches Arbeiten und eine Zweidrittel-Stelle in der Klinik eine hohe Belastung, allerdings auch nur für eine gewisse Phase“, sagt Haubitz.

Kurze Wege sind praktisch

Haubitz hatte Unterstützung von der Familie und ihr Mann stand voll hinter ihr. Zudem hatte sie eine Kinderfrau. „Was mir außerdem sehr geholfen hat, und was ich auch allen Eltern raten kann, sind kurze Wege. Ich war in acht Minuten in der Uniklinik, so konnte ich zwischendurch schnell nach Hause und war flexibel.“ Natürlich brauchen Frauen auch die Unterstützung ihres Vorgesetzten und die Bereitschaft vom Chef, neue Wege auszuprobieren. „Jungen Ärztinnen kann ich nur raten, die eigene Karriere nicht wegen Kindern aufzugeben, sondern erfinderisch zu sein und seinen eigenen Weg zu gehen.“

Mit klaren Vorstellungen zum Chef

Dabei ist es von Vorteil, wenn Frauen ihrem Chef klare Vorstellungenunter breiten, wie sie sich Kind und Karriere vorstellen. Ärztinnen müssen sagen, was sie wollen. „Außerdem sollten Frauen sich helfen lassen, etwa durch eine Haushaltshilfe oder Kinderfrau, auch wenn das bedeutet, vielleicht an anderer Stelle finanzielle Abstriche zu machen. Es nimmt den Stress aus einer anstrengenden Phase.“ Aber auch bei den Rahmenbedingungen müsse sich einiges ändern: So sollten mehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten geschaffen werden. Zudem sei die enge Personalstruktur ein Problem: „Je enger diese ist, desto schwieriger wird es für Frauen. Flexibilität in der Arbeitsgestaltung ist ein ganz wichtiger Aspekt, der dann nicht mehr möglich ist.“

Unverzichtbar: Gute Netzwerke

Wertvoll sind Mentorinnen-Programme und gute Netzwerke: „Für eine starke Unterstützung und die Möglichkeit, Netzwerke zu knüpfen, ist der Marburger Bund unverzichtbar.“ Für Chefärzte bietet der Marburger Bund Arbeitskreise an, eine gute Möglichkeit, um sich auszutauschen, so Haubitz.

Zur Person:

Prof. Marion Haubitz, Internistin und Nephrologin, Direktorin der Medizinischen Klinik III, Nephrologie am Klinikum Fulda und Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen.

Text: mn
Foto: privat

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