Qualitätssicherung der Weiterbildung: Landesärztekammer versagt

Eine gute Weiterbildung ist nicht nur für unsere Mitglieder, die Klinikärztinnen und -ärzte außerordentlich wichtig. Ihre Bedeutung für die fachärztliche Patientenversorgung ist evident. Deshalb ist die Sicherung einer qualitativ hochwertigen Weiterbildung eine besonders sensible Aufgabe der Landesärztekammer. Dass es seit dem September 2008, zum ersten Mal in der Geschichte der Landesärztekammer Hessen (LÄKH) unter der Führung eines MB-freien Präsidiums, damit nicht zum Besten bestellt ist, haben wir schon mehrfach berichten müssen. Zuletzt wurden einige Defizite im zweiten offenen Brief an die Delegierten der LÄKH aufgeführt:

  • Prüfer im Weiterbildungswesen wurden, obwohl langjährig bewährt und anerkannt, auf Wunsch einzelner Präsidiumsmitglieder nicht wieder berufen.
  • Der Weiterbildungsausschuss wurde viel zu spät vor einer nun eng fristbesetzten Entscheidung ins Leben gerufen.
  • Der Ausschuss wurde ausschließlich mit ihm genehmen Kandidatinnen und Kandidaten besetzt. (So wurde einem MB-Vorschlag mit einem hochkompetenten Facharzt nicht gefolgt.)

Die Evaluierung der Weiterbildung wurde erst in einer Kampfabstimmung durchgesetzt

Erst durch eine Anfrage von Dr. med. Ursula Stüwe aus den Reihen des MB Hessen in der Delegiertenversammlung (DV) der LÄKH am 22.11.08 wurde bekannt, dass sich die LÄKH nicht an dem bundesweit von der Bundesärztekammer (BÄK) kordinierten Projekt einer Evaluierung der Weiterbildung beteiligt hat. Erst durch einen Beschluss der DV wurde die LÄKH gerade noch rechtzeitig zum Jagen getragen.

Wie wir heute wissen, wurde der Beschluss der DV nur mangelhaft ausgeführt. Die Feststellung der Bundesärztekammer vom 25.09.09: “Evaluation der Weiterbildung: Erfolgreicher Abschluss der ersten Projektphase” gilt sicher nicht für Hessen. In dieser Phase waren zunächst die Weiterbildungsbefugten (WBB) von den Landesärztekammern befragt worden, wieviele Zugangscodes zur Weitergabe an die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung verschickt werden sollten. Mit diesem Code konnten diese dann in einem Webportal der Bundesärztekammer den Bewertungsbogen der renommierten Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) ausfüllen, wie er sich in der Schweiz bereits seit ca. 15 Jahren bewährt hat.

Völlig ungenügende Beteiligung in Hessen

Aus der Tabelle der BÄK über die Rücklaufquote der WBB geht hervor, dass im Bundesdurchschnitt 61,28 % der WBB geantwortet hatten. Während alle anderen Landesärztekammern um diesen Mittelwert (senkrechte gelbe Linie in unserem Diagramm) streuen, fällt die LÄKH mit einem Rücklauf von nur 36,41 % völlig aus dem Rahmen. Sie liegt um das 2,34fache der Standardabweichung (10,64) unter dem Mittelwert! Das Balkendiagramm, mit dem wir das veranschaulichen, spricht für sich.

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Natürlich war dieses verheerende Ergebnis schon frühzeitig absehbar. Das Präsidium der LÄKH hätte spätestens die Verlängerung der Evaluationsfrist durch die BÄK nutzen können, um die WBB an ihre Pflicht zur Teilnahme an der Evaluation nachhaltig zu erinnern. Die von ihr in weit unterdurchschnittlicher Anzahl verschickten Zugangscodes sind zudem auch noch seltener verwendet worden: Auch hier trägt Hessen mit einer Beteiligung von 27,64 % die rote Laterne. Allerdings finden wir auch den Bundesdurchschnitt von 32,76 % zu niedrig. Die von der BÄK gegen die Vorstellungen des MB gewählte Methode, nur die Ärztinnen und Ärzte an der Evaluation teilnehmen zu lassen, deren WBB einen Zugangscode für sie anfordern und dann an sie weitergeben, halten wir für gescheitert.

Wenn es für den MB Hessen noch eines Anstoßes für die Forderung nach einem Rücktritt des Präsidiums der LÄKH bedurft hätte, um weiteren Schaden von der Kammer abzuwenden, dieses traurige Resultat hätte ihn geliefert.

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