Selbstbedienung des Präsidiums unverblümt, aber nicht schamlos

Von manchen Mitgliedern ist nach der Lektüre des Berichtes aus der Delegiertenversammlung (DV) der Landesärztekammer Hessen die Bemerkung zu hören, dass sich Mitglieder des Präsidiums mit ihrem erfolgreichen Antrag einer Verdreifachung ihrer pauschalen monatlichen Aufwandsentschädigung von 300 € auf 900 € schamlos selbstbedient hätten. Damit wird der Untertitel des Beitrags 'Unverblümte Selbstbedienung' in der Bewertung weiter verstärkt. Vielleicht hat auch die Lektüre dieses unter Beteiligung des MB Hessen am 15.05.2000 von der Landesärztekammer Hessen (LÄKH) beschlossenen "Verhaltenskodex der Mandatsträger" (Hess. Ärzteblatt 61(6), 2000, 255) dazu beigetragen.

'Schamlos' wollen wir so nicht stehen lassen. Dass der Maßstab der Bewertung sehr relativ ist, lernen wir bei der Lektüre des Hess. Ärzteblattes, das in diesem ungewöhnlich ausführlichen Bericht (140 kB) über die 6. ordentliche DV (72(1), 2011, 8-14) 'eine moderate Erhöhung der Aufwandsentschädigung für die ehrenamtlich tätigen Ärztinnen und Ärzte im Präsidium der Landesärztekammer' beschreibt (S. 12, Kapitel 'Anpassung der Aufwandsentschädigung').

Das Kapitel wird abgeschlossen mit: 'Dennoch schloss sich an die Abstimmung eine Reihe kritischer persönlicher Erklärungen an'. Nicht dennoch, sondern gerade wegen des heftigen Widerstandes gegen die umstrittene Anhebung, die sich auch in der stattlichen Zahl von 26 Gegenstimmen manifestiert hat, wenden wir ein. Sie zeigt, dass die Liste des Marburger Bundes mehrere Delegierte anderer Listen für ihren Standpunkt gewinnen konnte.

Ein Indiz für Scham unter den Antragstellern sehen wir in einem Zwischenruf eines Präsidiumsmitglieds während der hoch emotionalen persönlichen Erklärungen gegen die 'Selbstbedienung': Der Beschluss sei unter Enthaltung der Betroffenen erfolgt!

Damit kann nicht der Beschluss des Präsidiums gemeint gewesen sein, diesen Antrag bei der DV einzubringen, denn so hätte der gar nicht gefasst werden können. Aber auch auf die Abstimmung in der DV trifft diese Behauptung nicht zu, denn die Auszählung ergab 0 Enthaltungen! Die uns angebotene Erklärung, bei der geheimen Abstimmung könne nicht ausgeschlossen werden, dass Mitglieder des Präsidiums gegen den (eigenen!) Antrag gestimmt hätten, zitieren wir allerdings mit großer Skepsis.

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