Städt. Kliniken Frankfurt-Hoechst: Ärzteflucht als normale Fluktuation verharmlost

Mit Befremden hat der Marburger Bund Hessen die Aussagen der Klinikleitung der Städtischen Kliniken FrankfurtM.-Höchst in einem Artikel im Höchster Kreisblatt vom 05.08.20009 Tage zur Kenntnis genommen.

“Den Exodus von Assistenz- und Oberärzten als normale Fluktuation zu bezeichnen, ist verharmlosend”, so RA Udo Rein, Geschäftsführer im Marburger Bund Hessen, der bereits seit November 2008 speziell auf die alarmierende Flucht der Oberärzte aus dieser Klinik hingewiesen hatte.

Dem Marburger Bund Hessen sind mindestens sechs Oberärzte in exponierter Stellung bekannt, die insbesondere wegen unzureichender Vergütung das Klinikum verlassen und Löcher gerissen haben, die teilweise bis heute nicht gestopft sind, was anhand der ausgeschriebenen Stellen insbesondere in der Kinder- und Neuroradiologie deutlich wird. Neben dem Verlust qualifizierter Mediziner kommt diese Handhabung die Kliniken auch finanziell teuer zu stehen, da qualifizierte Neubesetzungen in den meisten Fällen nicht zu den Tarifen zu bekommen sind, die ehemaligen Mitarbeitern verweigert worden waren. Die neuen bringen vielmehr oftmals Gehaltsvorstellungen mit (und bekommen sie auch realisiert), die deutlich über den Tarifgehältern liegen. Seit mehreren Monaten sind keine Stellenausschreibungen der Städtischen Kliniken Frankfurt Höchst mehr im Deutschen Ärzteblatt zu finden.

Als Reaktion auf den gestrigen Artikel teilen Ärztinnen und Ärzte der Kliniken dem Marburger Bund mit, dass in manchen Abteilungen der Dienstbetrieb nur unter massiven Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz oder durch den Einsatz von Berufsanfängern oder fachfremden “Ausleihen” aus anderen Abteilungen aufrecht erhalten werden kann. Dass mehrere so genannte Überlastungsanzeigen von Ärzten an die Betriebsleitung gerichtet worden waren, ohne dass bisher Abhilfe geleistet wurde, lassen sowohl Betriebsleitung als auch Personalrat im Höchster Kreisblatt unerwähnt. Auch im Assistenzarztbereich hat dies nach Aussagen der Mitarbeiter in den letzten Monaten dazu geführt, dass Mediziner die Klinik verlassen haben. Weitere Ärzte kündigen demzufolge mehr oder weniger offen an, aufgrund der unveränderten Situation das Haus verlassen zu wollen.

Die Ärzte teilen zudem mit, dass es neben den ausgeschriebenen Stellen weitere unbesetzte Stellen gebe, was offensichtlich zur Sanierung diene. Die Klinik werde radikal im Sparkurs gefahren, da auch die Anzahl der Planstellen gesenkt wurde. Die Fallzahlen sind gestiegen, die Arbeit werde aber von weniger Ärztinnen und Ärzten verrichtet.

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund wird diesen Vorwürfen nachgehen.

Hinzu kommt für die Betroffenen, dass unter den geschilderten Umständen Aussagen, die der geschäftsführende Verwaltungsdirektor auf der letzten Personalversammlung getroffen hat, wonach Überstunden der Ärzteschaft überwiegend auf deren “Helfersyndrom” zurückzuführen seien, wie blanker Hohn in ihren Ohren klingt. Überstunden werden meist nicht bezahlt und sind in Folge der dünnen Personaldecke auch nicht in Freizeit auszugleichen. Eine objektive elektronische Zeiterfassung ist nicht vorhanden.

Dass Vertragslaufzeiten von Ärzten in der Facharztweiterbildung auf den gesamten Weiterbildungszeitraum ausgedehnt werden, als positives Zeichen zu bewerten, verdeutlicht eher Rückständigkeit“, so RA Rein als weitere Reaktion auf den Artikel. Denn in anderen Krankenhäusern vergleichbaren Zuschnitts ist das bereits seit Jahren Usus. In anderen Krankenhäusern gehe man wegen des anhaltenden Ärztemangels zudem bereits dazu über, diesen Ärzten unbefristete Arbeitsverträge anzubieten.

Das im Zukunftskonzept der Städtischen Kliniken enthaltene Förderungsprogramm zur Motivation von Mitarbeitern wird so ad absurdum geführt“, zieht Rein als Fazit.

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