Städtische Kliniken Frankfurt-Höchst: Exodus der Oberärzte

Die tarifliche Situation der Oberärztinnen und Oberärzte an den Städtischen Kliniken Frankfurt-Höchst ist leider unverändert ein Grund, sich gegebenenfalls vor Abschluss eines Arbeitsvertrages an diesem Haus schriftliche Zusicherungen zur OA-Eingruppierung geben zu lassen.

Aufgrund mehrfacher Nachfragen in den letzten Wochen möchten wir über die tarifliche Situation der Oberärztinnen und Oberärzte in den Städtischen Kliniken Frankfurt-Höchst informieren.

Nach Inkrafttreten des arztspezifischen Tarifvertrages (TV-Ärzte/VKA) zum 01.08.2006 hatten die Städtischen Kliniken Frankfurt/M.-Höchst zunächst lediglich 8 von 72 Oberärzten in die hierfür vorgesehene Entgeltgruppe III (Oberärztin / Oberarzt) eingruppiert. Die Kliniken hatten sich insoweit auf Seiten der kommunalen Krankenhäuser in die erste Linie der “Hardliner” eingereiht, die, wie u.a. das Klinikum Kassel, eine sehr rigide Eingruppierungspraxis verfolgten. Im Ergebnis führt dies dazu, dass Oberärzte sich als solche bezeichnen dürfen, auch entsprechende Leistung erbringen, ihnen aber die tarifgerechte Vergütung von den Kliniken vorenthalten wird.

Während andere Kliniken - wie eben das Klinikum Kassel - auf Druck von Gerichtsverfahren seitens des Marburger Bundes, aber insbesondere auch der Chefärzte und der Arbeitsmarktsituation diese Haltung sukzessive aufgaben (alle Oberärzte wurden in Kassel spätestens mit Wirkung zum 01.01.2008 in EG III Stufe 2 eingruppiert), fährt man in Frankfurt/M.-Höchst seinen “oberarztfreien” Kurs weiter. Mehrere Oberärzte haben seitdem u.a. wegen der fehlenden Eingruppierung das Haus verlassen, andere versuchen mit Hilfe des Marburger Bundes auf dem Klageweg die korrekte Eingruppierung zu erreichen, während andernorts in Hessen die Eingruppierung gewährt wird.

Da der Ärztemangel auch vor den Ballungszentren nicht mehr Halt macht, haben die Städtischen Kliniken Ffm-Höchst, um keine “Wettbewerbsnachteile” aufkommen zu lassen, ergänzend besonders qualifizierte Oberärzte, die keinen eigenen Aufgabenbereich vorhalten, aber hinsichtlich ihrer Qualifikationen von besonderer Bedeutung für die Kliniken sind, mit Zulagen ausgestattet, die “einer EG III-Einstufung entsprechen“, so der O-Ton der Klinik in einem Nachrichtenblatt an die Ärzteschaft des Hauses. Mit anderen Worten sind die übrigen Oberärzte für die Betriebsleitung also nicht von besonderer Bedeutung, was gerade in Zeiten des Ärztemangels aus Sicht des MB ein absolut falsches Signal darstellt.

Dies vorausgeschickt können wir Stellenbewerbern in den Städtischen Kliniken Frankfurt/M.-Höchst zur Absicherung der gewünschten Eingruppierung vor Unterzeichnung eines Arbeitsvertrages nur dringend die vorherige Beratung der Juristen des MB Hessen anraten.

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