Städtische Kliniken Frankfurt-Höchst - Überlastungsanzeigen und unbesetzte Stellen

Als Reaktion auf einen Artikel des Höchster Kreisblatts vom 05. August 20009, der die gestiegene Arbeitsbelastung aus unserer Sicht verharmlosend dargestellt hat, teilten uns Ärztinnen und Ärzte mit, dass der Dienstbetrieb in manchen Abteilungen nur unter massiven Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz oder durch den Einsatz von Berufsanfängern oder fachfremden “Ausleihen” aus anderen Abteilungen aufrecht erhalten werden kann. Dass mehrere so genannte „Überlastungsanzeigen“ von Ärzten an die Betriebsleitung gerichtet worden waren, ohne dass bisher Abhilfe geleistet wurde, lassen sowohl Betriebsleitung als auch Personalrat in dem Artikel vom 05. August 2009 unerwähnt.

Auch im Assistenzarztbereich hat dies nach Aussagen der Mitarbeiter in den letzten Monaten dazu geführt, dass Mediziner die Klinik verlassen haben. Weitere Ärzte kündigen demzufolge mehr oder weniger offen an, aufgrund der unveränderten Situation das Haus verlassen zu wollen. Der Verwaltungsdirektor äußerte lt. einem Beitrag des Höchster Kreisblatts vom 08. August 2009 dazu, dass Überlastungsanzeigen in allen Betrieben vorkommen können und Löcher z. B. dort entstehen könnten, wo neue Mitarbeiter ihre Arbeit noch nicht aufgenommen haben. Von den aktuell 285 Stellen seien acht Stellen nicht besetzt. Gleichwohl waren über einen Zeitraum von vier Monaten im Deutschen Ärzteblatt keine Stellenanzeigen zu finden. (Nachtrag: Mit Stand vom 5. November 2009 sind auf der Website der Kliniken für den Ärztlichen Dienst elf Stellen ausgeschrieben.)

Das Zukunftskonzept der Städtischen Kliniken Frankfurt/M.-Höchst sieht eine „strukturierte Personalreduktion durch Nutzung der Fluktuation und den Ablauf von Zeitverträgen“ in der Größenordnung von rd. 100 Mitarbeitern vor.

Unbezahlte Überstunden

Auf einer Personalversammlung im Oktober 2008 hat der geschäftsführende Verwaltungsdirektor Freiherr von Follenius sinngemäß gesagt, „dass die Mitarbeiter aus Medizin und Pflege dazu neigen würden, mehr zu machen und sich für die Patienten aufzuopfern; dieses ‘Helfersyndrom’ sei ein positives Berufsethos, dem jedoch das Wirtschaftlichkeitsgebot nach §§ 12 und 70 SGB V gegenüberstehe.“ Erbrachte Mehr- und Überstunden werden zum Teil nicht dokumentiert oder erfasst, wie die unabhängigen Wirtschaftsprüfer feststellten. Eine objektive elektronische Zeiterfassung ist nicht vorhanden.

In dem Zeitungsbeitrag vom 05. August 2009 wurde die Ausdehnung der Vertragslaufzeiten von Ärzten in der Facharztweiterbildung auf den gesamten Weiterbildungszeitraum als positives Zeichen bewertet, doch wir sehen darin nur das Aufholen eines Rückstands. Es gibt Krankenhäuser, die wegen des anhaltenden Ärztemangels bereits dazu übergehen, den Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung unbefristete Arbeitsverträge anzubieten.

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