Stellenstreichen am UKGM schwächt Forschung und Lehre

Wir dokumentieren unter diesem Titel eine Presseerklärung, die der eigenständige Personalrat am Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM), Standort Marburg am 06. März 2012 herausgegeben hat:

Presseerklärung des Eigenständigen Personalrats bei der Philipps-Universität Marburg am Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH (UKGM), Standort Marburg

Die angekündigten Stellenreduzierungen am UKGM lassen weitere Einschnitte in Krankenversorgung, Lehre und Forschung erwarten. Der Eigenständige Personalrat am UKGM als Vertretung der über 600 wissenschaftlichen Beschäftigten gibt hierzu folgende Stellungnahme ab:

Nach den negativen Erfahrungen mit der ersten Stellenreduktion nach Übernahme des Universitätsklinikums Gießen und Marburg durch den Rhönkonzern aus dem Jahr 2006 war es zwischenzeitlich nur begrenzt möglich, die hierdurch herbeigeführten Personaldefizite wieder zu kompensieren. Insbesondere in der Intensiv- und Notfallmedizin kommt es daher immer wieder zu einem Pflegenotstand sowie zu Überlastungen ärztlichen Personals.

Die Krankenversorgung lässt sich auf dem gegenwärtigen Niveau im ärztlichen Bereich nur mit Überstunden sicherstellen, trotzdem kommt es regelmäßig zu teilweise erheblichen Wartezeiten für unsere Patienten. Das Kontingent des ärztlichen Personals reicht für die Gesamtheit der aktuell erbrachten Leistungen nicht aus. Daran ändern auch einzelne wenige, begrenzte und nicht repräsentative Erweiterungen ärztlicher Stellen nichts, da diese einer deutlichen Steigerung erbrachter Behandlungsleistungen gegenüber stehen. Durch Personalmangel kommt es inzwischen immer häufiger vor, dass das Arzt-Patientenverhältnis leidet.

Vor diesem Hintergrund erklärt sich ein eklatanter Mangel an Zeit der Ärztinnen und Ärzte für Lehre und Forschung. Der Personalrat setzt sich dafür ein, dass Ärzte an der Universität Zeit für Forschung und Lehre neben der Patientenversorgung bekommen. Dies sollte durch die Forderung einer börsendotierten Kapitalgesellschaft nach Gewinnmaximierung nicht ad absurdum geführt werden.

Folge der Ankündigung von Stellenreduzierungen wird jetzt auch sein, dass potenziell interessierte und qualifizierte Wissenschaftler unter dieser Prämisse nicht nach Marburg oder Gießen kommen werden, was beide Standorte perspektivisch schwächt.

Ein Universitätsklinikum ist eine universitäre Einrichtung, die als Teil einer Universität auch wissenschaftliche Aufgaben in Lehre und Forschung zu erfüllen hat, welche ihrerseits dem Allgemeinwohl zu dienen haben. Diese Aufgabenerfüllung muss gemäß der Bedeutung des Wortes Universität in Freiheit geschehen.

Die Universität darf nicht nur auf dem Türschild stehen, sondern die Universitätsklinika Gießen und Marburg müssen tatsächlich wieder zu universitären Einrichtungen werden, die dem Allgemeinwohl und nicht der Gewinnmaximierung verpflichtet sind. Wir fordern daher das Land Hessen auf, sich nach dem Verkauf der Universitätsklinika in Marburg und Gießen für die Wiedergewinnung und Sicherstellung wissenschaftlicher Tätigkeit, für welche das Land Hessen in der Verantwortung steht, Sorge zu tragen. Die Universität ist eine Einrichtung, die immer dem Wohl der Allgemeinheit verpflichtet ist; sie darf nicht für die Interessen Weniger missbraucht werden.

Es ist unser Anliegen, den Kolleginnen und Kollegen eine Stimme zu geben, die tagtäglich unter schwieriger werdenden Rahmenbedingungen einen hohen Einsatz bringen und eine hohe Verantwortung tragen. Alle Bürger unseres Landes Hessen sind aufgerufen, sich im Rahmen ihrer jeweiligen Möglichkeiten aktiv dafür einzusetzen, dass das Universitätsklinikum Gießen und Marburg wieder seinem eigentlich zugedachten Zweck entsprechen kann.

Für den Eigenständigen Personalrat bei der Philipps-Universität Marburg

Dr. Franz-Josef Schmitz
-Vorsitzender-

Hintergrund: Neben dem Betriebsrat gibt es an beiden Standorten des UKGM jeweils einen eigenständigen Personalrat, der als Mitbestimmungsgremium für die Belange der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuständig ist, die vom Land Hessen angestellt und an das UKGM abgeordnet sind.

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