Teilzeit im Krankenhaus: Ärztin und Mutter, das geht

Yvonne Jäger hat einige Modelle ausprobiert

Gezielt Mutter werden während der Weiterbildungszeit und dann als Ärztin in Teilzeit arbeiten? Während meiner PJ-Zeit nur schwer vorstellbar. Dennoch war für mich klar: Das soll mein Weg sein.

Und so ging ich mit einer klaren Vorstellung in die Bewerbungsgespräche: „Ich stelle dem Arbeitgeber wöchentlich soundso viele Stunden meiner Lebenszeit zur Verfügung.“ Und zu meiner Überraschung musste ich lediglich ein Gespräch vorzeitig beenden, da wir auf keinen gemeinsamen Nenner kamen.

Mittlerweile bin ich in der zweiten neurologischen Klinik in Teilzeit tätig und habe mehrere Teilzeitmodelle (je 50 Prozent) ausprobiert.

Flexibilität ist gefragt

Anfangs arbeitete ich blockweise 100 Prozent, um im Anschluss die entsprechende Zeit frei zu haben. Dieses Modell kann auch für die Klinik attraktiv sein, insbesondere wenn der Weiterbildungsassistent flexibel ist: So können z. B. urlaubsbedingte „Lücken“ in der Stationsbesetzung gut kompensiert werden.

Das zweite Modell war schwieriger: Ich arbeitete auf Station täglich von 7:30 bis 11:30 Uhr. Da wurde es besonders wichtig, die Anwesenheit effektiv zu nutzen und Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden. Und: Hier muss man konsequent sein und in der Regel auch nach den vereinbarten Arbeitsstunden gehen. Damit dies keinen Unmut im Team verursachte, ist es hilfreich, mit den Kollegen klar zu kommunizieren, dass die restliche Arbeit nicht von diesen „nebenbei mit erledigt“ werden soll.

Das einfachste Modell praktiziere ich aktuell: Ich arbeite auf einer Stroke-unit tageweise im Früh- und Spätdienst und habe entsprechende Tage frei.

Vorteile für beide Seiten

Mein Fazit: Teilzeitmodelle können gut funktionieren und für den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer von Vorteil sein. Allerdings ist es aus meiner Erfahrung wichtig, dass klare Absprachen getroffen werden und auf beiden Seiten eine gewisse Flexibilität besteht. Und jeder muss auf sich selbst achten, dass er nicht für eine Teilzeitstelle bezahlt wird, aber letztendlich doch voll arbeitet.

Die Entscheidung zur Teilzeitbeschäftigung hat sich bislang für mich gelohnt: Ich habe Zeit für meine Kinder, erfahre Befriedigung in der Arbeit und die Lebensqualität bleibt nicht auf der Strecke. Ich finde, dass jeder – nicht nur Eltern -, der diesen Weg für sich wählen möchte, auch die Möglichkeit dazu erhalten sollte.

Autorin: Yvonne Jäger, MB-Mitglied und Delegierte der Landesärztekammer Hessen.

Foto: MB Hessen

Zurück