Und plötzlich ist alles anders…

Die Arbeitszeitregelung, der vereinbarte Jahresurlaub, das Gehalt oder die erwartete Entgelterhöhung gelten nicht mehr oder sind auf einmal anders als erwartet. „Das werden wir uns nicht gefallen lassen“, sagen wir und wollen unser letztes und effektivstes Mittel einsetzen: Die Arbeitsniederlegung. Streik. Doch wider Erwarten sagen uns die Anwälte vom Marburger Bund: „Nein, Ihr dürft nicht streiken. Die „Mehrheitsgewerkschaft“ - und nicht der Marburger Bund - hat schon für Euch verhandelt, obwohl sie nicht für Eure Berufsgruppe spricht. Aber dennoch müsst auch Ihr Euch daran halten.“

So oder ähnlich kann es kommen, wenn das Vorhaben „Tarifeinheit“ von Union und SPD im Koalitionsvertrag festgeschrieben und umgesetzt wird. Dieses Szenario mag schwer vorstellbar sein. Es kann aber zur bitteren Realität werden, wenn wir uns nicht zur Wehr setzen.

Seitdem der Marburger Bund eigenständig Tarifverträge aushandelt, konnten für die angestellten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland enorme Verbesserungen erreicht werden. Nicht umsonst sind im Jahr 2006 tausende Kolleginnen und Kollegen auf die Straße gegangen, um den bis dahin über lange Jahre aufgestauten Gehaltsrückstand abzubauen und für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen.

Seither haben angemessenere Gehälter und bessere Arbeitszeitregelungen dazu beigetragen, die Abwanderung von Klinikärztinnen und -ärzten in die Industrie, Privatwirtschaft oder ins Ausland zumindest einzudämmen.

Das Recht der tariflichen Selbstbestimmung dürfen wir uns nicht nehmen lassen! Jetzt haben wir die Chance, den Anfängen einer Entwicklung hin zur Tarifeinheit entgegenzuwirken.

Jede Ärztin und jeder Arzt sollte über die drohende Gesetzesänderung im Tarifrecht informiert werden. Wir bitten Sie, Ihre Kolleginnen und Kollegen über das Szenario „Tarifeinheit“ aufzuklären, damit wir uns gemeinsam dagegen wehren können.

Nur so können wir verhindern, dass wir plötzlich feststellen werden: Alles ist anders - mit dem Zwang zur Tarifeinheit.

Autor: Dr. Lars Bodammer

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