Versorgungswerk kürzt Rentenanwartschaft für Jüngere überproportional

Die Berichterstattung zu einem wichtigen Beschlussantrag des Versorgungswerkes (VW) in der Delegiertenversammlung (DV) der Landesärztekammer Hessen am 28.11.09 werden wir auf zwei Beiträge verteilen. In diesem ersten wollen wir versuchen, die komplexen Zusammenhänge transparent zu machen und Ursache wie Wirkung des Beschlussantrags darzustellen. Ein weiterer Beitrag wird den Versuch des MB Hessen schildern, die nachteiligen Folgen vor allem für die jüngeren Mitglieder des VW zu dämpfen oder sogar möglichst zu kompensieren.

Zur Erinnerung: Das VW arbeitet nach dem Kapitaldeckungsprinzip. Aus den individuellen Einzahlungen jedes Mitglieds wird eine Rentenanwartschaft für die Altersrente ab dem 65. Lebensjahr errechnet, von der auch die Höhe anderer Leistungen abhängt, wie z. B. die Berufsunfähigkeitrente oder die Versorgung Hinterbliebener. Der Vorteil dieses Verfahrens: Es ist robust gegenüber demografischen Veränderungen. Weil jedes Mitglied seine eigene Rente anspart, ist es im Gegensatz zum Umlageverfahren unerheblich, wie viele beitragszahlende Mitglieder wie vielen Leistungsempfängern gegenüberstehen.

Unsere Hoffnung, die junge Ärztegeneration, notorisch durch besonders niedrige Wahlbeteiligung bei der Wahl zu DV auffallend, an die Urne zu bringen (und dann natürlich der Liste des Marburger Bundes Hessen als dem ausgewiesenen Anwalt ihrer Interessen die Stimme zu geben), hat sich leider nicht erfüllt: Obwohl die angestellten Ärztinnen und Ärzte in der Landesärztekammer Hessen die Mehrheit der Mitglieder stellen, sind sie in der DV nur mit einer Minderheit vertreten. Es ist deshalb oft schwierig und nicht selten unmöglich, ihre Interessen wirksam zu vertreten.

Welche Interessensgegensätze zwischen Jung und Alt bestehen, zeigt plakativ die Auswirkung des Antrages des VW an die DV, die Senkung des Rechnungszinses von 3,5 % auf 3,0 % einschließlich der daraus resultierenden Anpassung der Leistungstabellen zu genehmigen.

Die Auswirkung der Absenkung auf die Leistungshöhe pro eingezahltem Euro zeigt die folgende Grafik, in der als Bezug für die Berechnung der relativen Änderung ein Alter von 45 Jahren gewählt wurde. Es ist die Mitte zwischen dem selten unterschrittenen Eintrittsalter eines jungen Mitglieds und dem 65. Lebensjahr als Regelalter für den Bezug der Altersrente. Es bildet auch etwa den Median für das Aufkommen der Beiträge in Abhängigkeit vom Alter.

Die Gewinner relativ zu einem mittleren Eintrittsalter 45 sind grün, die Verlierer rot gefärbt. Hinter einem grünen positiven Wert steckt absolut gesehen auch eine Kürzung, in Relation zu 45 aber relativ eine Besserstellung.

kuerzung

Bei einem Alter von 25 beträgt die monatliche Rentenanwartschaft auf eine Berufsunfähigkeits- und Altersrente bei Zahlung eines monatlichen Beitrags von 10 € bis zur Vollendung des 65. Lebensjahres in Zukunft 33,808 statt jetzt 40,544, also 16,6 % weniger; bei einem Alter von 45 sind es 12,357 statt 13,908, also 12,4% weniger. Mit 25 sind das im Vergleich zu 45 5,46 % weniger. Mit 60 sind es 2,607 statt 2,822, also 7,6% weniger, im Vergleich zu 45 eine Besserstellung von 3,53 %.

Diese Grafik berücksichtigt lediglich die Minderung des Zukunftsanteils, also der Leistung aufgrund der künftig eingezahlten Beiträge. Es ist also noch nicht berücksichtigt, dass bei einem höheren Eintrittsalter die bereits eingezahlten Beiträge auch in der Zukunft rechnerisch mit dem höheren Rechnungszins angerechnet werden, unabhängig davon, ob dieser auch tatsächlich erwirtschaftet werden kann. Dieser Besitzstand wird in der Berechnung der gesamten Rentenhöhe ebenso wenig angetastet wie die Höhe bereits auszuzahlender Renten. Deshalb wirkt sich die Kürzung des Rechnungszinses mit zunehmendem Alter aufgrund der bereits erworbenen Ansprüche immer weniger aus.

Bei einem Blick in den tatsächlichen Bestand gibt es unter den 25jährigen einige mit älteren Ansprüchen, so dass die durchschnittliche Minderung der Hochrechnung lediglich 15,3 % beträgt. Bei den 45jährigen beträgt die durchschnittliche Minderung aufgrund der bereits erworbenen Ansprüche allerdings nur noch 4,3 %. Dadurch beträgt die Schlechterstellung der 25jährigen im Vergleich zu den 45jährigen im Durchschnitt sogar 11 %!

Die folgende Grafik zeigt das relative Verhältnis der tatsächlich zu erwartenden durchschnittlichen Minderung für die verschiedenen Altersgruppen im Bestand des VW wieder mit dem Bezugsalter von 45.

kuerzungeff

Bei der vorliegenden Konstruktion des VW erschien der DV die Absenkung des Rechnungszinses unausweichlich. Nur dadurch wird es dem VW möglich sein, ausreichend hohe Rückstellungen zu bilden, wie sie bei einer soliden Anlagepolitik erforderlich sind, um durch weitere Kapitalanlagen die Chance auf Gewinne zu haben.

Der Antrag des VW erhielt in der DV die erforderliche Zweidrittelmehrheit der Delegierten.

Zurück