Kommentar: Vertrauen ist nur schwer wieder aufzubauen

Eigentlich sollte durch das dieses Jahr geänderte Transplantationsgesetz die Organspende gefördert werden. Diese gute Absicht wird nun durch den Transplantationsskandal in Regensburg und Göttingen durchkreuzt.

Seit Wochen wird darüber in den öffentlichen und innerärztlichen Medien berichtet. Die Vorgänge werden unisono scharf verurteilt, Köpfe sollen rollen, Abläufe sich ändern. Falls die erhobenen Vorwürfe und Verdächtigungen wirklich zutreffen, so ist das mehr als verständlich.

Erstaunlich ist aber die Welle der Vorverurteilungen, ohne dass staatsanwaltliche Ermittlungsergebnisse vorliegen. Haben die Kommentatoren und Vorverurteiler Insiderinformationen, die so eindeutig sind, dass eine rechtsstaatliche Unschuldsvermutung nicht zulässig erscheint?

Als Nephrologe habe ich tagtäglich mit Transplantationsvorbereitungen und Transplantierten zu tun. Die momentane Berichterstattung erschüttert das Vertrauen in unsere Arbeit. Es bleibt abzuwarten, ob die staatsanwaltlichen Untersuchungsergebnisse dazu berechtigen. Vertrauen ist nur schwer wieder aufzubauen.

(Autor: Dr. Karlhans Baumgartl, Facharzt für Innere Medizin, Nephrologie und Mitglied der aktuellen Delegiertenversammlung der Landesärztekammer Hessen)

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