Kammerwahl 2013: Was braucht ein kranker Mensch?

Die Basis muss die Kammer unterstützen

Ökonomen sind gerade dabei, Konzepte der Industrie in die Krankenhausplanung zu tragen. Da soll es zum Beispiel zukünftig Stationen geben mit 60 bis 70 Betten – interdisziplinär, versteht sich! Der Gedanke dahinter ist natürlich eine höhere „Effizienz“ bei reduziertem Einsatz von ärztlichem und pflegerischem Personal, etwas anderes kann es ja kaum sein.

Mir kommen Erinnerungen hoch an die 1965er-Jahre: „Krankensäle“ mit 60 Patienten (!): Bett, Nachttisch, Bett, Nachttisch … wechselten sich ab. Das wurde zum Glück abgeschafft – nun will man es in etwas veränderter Form wieder einführen. Ja, ich bekenne mich eindeutig zum sparsamen Umgang mit verfügbaren finanziellen Mitteln zum Nutzen der Kranken. Das ist ethisch richtig und braucht keine Diskussion. Nicht zuletzt Ist es richtig und angemessen, dass beispielsweise große operative Eingriffe wie Ösophagus- oder Pankreasoperationen in bestimmten Zentren durchgeführt werden.

Der Operationserfolg ist von vielen Dingen abhängig: Die Operationsindikation muss stimmen, die Operation muss richtig ausgeführt werden und danach ist die fachlich versierte Betreuung durch Intensivstationen und interdisziplinär es Behandeln wichtig. Nur dann kann das Gesamtergebnis stimmen. Dasselbe kann für alle anderen medizinischen Fachbereiche auch postuliert werden, keine Frage.

Nicht richtig jedoch ist es, wenn in diesen geplanten Groß-Bereichen die Qualität der medizinischen Behandlung „nivelliert“ wird auf den kleinsten gemeinsamen Nenner aller medizinischen Fachgebiete, sowohl in der pflegerischen wie in der ärztlichen Versorgung. Dann fehlen bei Fragen zur Behandlung die schnell erreichbaren Stationsärztinnen und -ärzte, weil sie noch „im Haus“ andere Patienten visitieren.

Das Pflegepersonal macht seine Pflege sicher gut und richtig, jedoch fehlen dort die notwendigen Spezialkenntnisse der einzelnen Fachgebiete, der inzwischen hochspezialisierten Medizin. Jeder, der so etwas plant, hat Medizin nicht verstanden und verfolgt ausschließlich ökonomische Interessen.

Es ist dringend an der Zeit, dass Ärztinnen und Ärzte „aufstehen“ und sich gegen derartige unqualifizierte Eingriffe in die Qualität ihrer Berufsausübung wehren. Die Ärztekammer kann sie dabei unterstützen, besser noch: Sie muss in diesen Themen ihren Mitgliedern vorangehen. Das kann sie nur mit dem nötigen Rückhalt, wenn sie die Unterstützung der Basis hat. Wählen Sie in Hessen Liste 3 – Marburger Bund!

Autorin: Dr. Ursula Stüwe ist stellv. Landesverbandsvorsitzende und war von 2004 bis 2008 Präsidentin der Landesärztekammer Hessen.

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