Weiterbildung - ein System im Wandel?

Bei der Weiterbildung ist es ähnlich wie bei der stetigen Verschiebung der Kontinentalplatten: Da muss man schon ganz genau hinsehen, um Entwicklungen und Veränderungen zu sehen. Ab und an kann es aber zu einem Erdbeben kommen, dann wenn wichtige Veränderungen die Zustimmung des Deutschen Ärztetages gefunden haben. Bis dahin ist es aber meist ein langer Weg mit kleineren Vorbeben.


Veränderungen müssen durch viele Gremien
Ich habe mich bereits daran gewöhnt: Veränderungen der Musterweiterbildungsordnung, nach welcher ein Jeder sich auf dem Weg zum Facharzt richten muss, müssen oft mehrfach bundesweit die Gremien der Fachgesellschaften, der Landesärztekammern und der Bundesärztekammer passieren, bevor sie in Kraft treten.
Wer sich mit den Strukturen des Weiterbildungssystems beschäftigt, wird feststellen, dass die Weiterbildung, wie sie die Weiterbildungsordnung vorsieht und die Weiterbildung, wie sie in hessischen Krankenhäusern stattfindet, sehr weit auseinander liegen.


Untersuchungszahlen werden nicht erbracht
Dies liegt meist daran, dass die geforderten Kenntnisse und Weiterbildungsziele, etwa die Untersuchungszahlen, in der geforderten Form nicht erbracht werden. Sei es, dass die Abteilung diese Untersuchungen nicht in entsprechender Zahl durchführt, oder, dass Ärzte in der Weiterbildungszeit überhaupt nicht in die entsprechenden Abteilungen „hineingelassen“ werden. Wenn dann am Ende der Weiterbildungszeit die Unterschrift des Chefs auf dem Formular für die Anmeldung zur Facharztprüfung steht, ist meist vieles wieder vergessen.
Ich habe erwartet, das in Zeiten des Ärztemangels, eine gute Weiterbildung als Aushängeschild einer Klinik mehr an Bedeutung gewinnt und auf diesem Wege auch kleinere Kliniken außerhalb von Ballungsgebieten einen Wettbewerbsvorteil entwickeln werden.


Weiterbildung einfordern
Aber zu meinem Erstaunen wird dieses Wettbewerbsinstrument überhaupt nicht merklich genutzt. Aus Gesprächen mit hessischen Kolleginnen und Kollegen in der Weiterbildung entsteht der Eindruck, dass eher andere Gründe für einen Bewerbermangel gesucht werden, bevor an eine strukturierte Weiterbildung mit festem Curriculum, verlässlichen Rotationsplänen, Fortbildungsbudgets oder Tutorensysteme gedacht wird.
Daher bleibt es einzelnen motivierten Weiterbildungsberechtigten überlassen, ihren Ärzten eine gute Weiterbildung zu bieten und den betroffenen Kolleginnen und Kollegen nichts weiter übrig, als ihre vertraglich zugesicherte Weiterbildung einzufordern.


Kritisch muss hinterfragt werden, welchen Anteil an dieser Entwicklung auch die Weiterzubildenden haben. Aber auch die Landesärztekammer als aufsichtsführendes Organ ist hier gefragt.
Es ist von den Kolleginnen und Kollegen in der Weiterbildung gefordert, selbstkritisch zu hinterfragen, ob sie in der vorgegebenen Zeit wirklich die Inhalte der Weiterbildungsordnung für ihren angestrebten Facharzt erlernen.
Derzeit gibt es viele Modelle für eine verbesserte Weiterbildungsstruktur: curriculare Systeme, Module oder Kompetenzstufen. Doch da sind wir wieder am Anfang: der Geschwindigkeit, mit welcher solche Konzepte angeschoben werden.


Hier ist die Mitwirkung eines Jeden gefragt, damit Veränderungen sich schneller durchsetzen und qualifizierte Fachärztinnen und Fachärzte die Patientenversorgung verantwortlich übernehmen können!


Autor: Dr. Lars Bodammer

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