„Wir brauchen Freiräume im Medizinstudium – und kein neues Zwangskorsett“

Der Sprecherrat der Medizinstudierenden im Marburger Bund zeigt sich solidarisch mit dem Aktionstag der Fachschaften zum Masterplan Medizinstudium 2020 (MM2020) und setzt zugleich eigene Akzente in der Debatte über die geplante Studienreform. „Mit der letzten Novelle der ärztlichen Approbationsordnung wurden zahlreiche Aspekte im Medizinstudium reformiert. Die Politik sollte diesen Veränderungen – gerade den Maßnahmen zur Förderung der Allgemeinmedizin – Zeit geben, bevor weitergehende Schritte unternommen werden“, fordert Stefanie Weber, Vorsitzende des Sprecherrates der Medizinstudierenden im Marburger Bund.

Studieninhalte müssten aus sich heraus begründet sein, weil es die Ausbildung erfordere – und nicht, weil eine bestimmte Fachgruppe vermeintlich Nachwuchsprobleme habe. „Verschiedene Hochschulen haben Modell- und Reformstudiengänge eingeführt, die in den kommenden Jahren auslaufen und momentan evaluiert werden. Der Gesetzgeber und die Hochschulen sollten diese Evaluationsergebnisse abwarten und für die zukünftige Gestaltung des Medizinstudiums nutzen“, fordert die Sprecherin der Medizinstudierenden im MB.

Die Gründe für den Mangel an Hausärzten in bestimmten Regionen seien vor allem in den Arbeitsbedingungen und den grundsätzlichen Lebensbedingungen vor Ort zu suchen. „Medizinstudierende wollen frei darüber entscheiden, welche Fachrichtung sie nach dem Studium wählen. Weitere Pflichtabschnitte in der Allgemeinmedizin lehnen sie mit übergroßer Mehrheit ab“, erklärt Stefanie Weber unter Verweis auf die Ergebnisse der jüngsten Studierendenbefragung MB-Studi-Barometer 2016, in der sich 86 Prozent der Medizinstudierenden gegen ein PJ-Pflichtquartal Allgemeinmedizin ausgesprochen hatten.

Das Nebeneinander von Pflichtfamulatur in der hausärztlichen Versorgung und weiterer Pflichtfamulatur in der ambulanten Versorgung habe die ohnehin geringe Wahlfreiheit von Studierenden im Medizinstudium zusätzlich eingeschränkt. „Wir Medizinstudierende brauchen Freiräume zur Vertiefung von Studieninhalten und kein neues Zwangskorsett im Studium“, betont die Sprecherratsvorsitzende.

„Die Umfrageergebnisse sprechen für sich: Die Medizinstudierenden wollen keine Änderung der Struktur des Praktischen Jahrs. Mit den Pflichttertialen Innere Medizin und Chirurgie wird den Studierenden der Einblick in zwei wichtige Bereiche der Medizin gewährt, die auch für alle anderen Fachgebiete von außerordentlicher Bedeutung sind.

Das Wahltertial muss erhalten bleiben, um eigenen fachlichen Interessen außerhalb der Pflichttertiale nachgehen und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten ausloten zu können. Eine weitere Aufgliederung des Praktischen Jahres in Quartale würde die Dauer der einzelnen Abschnitte verkürzen und damit zugleich die Zeit zum praktischen Lernen im jeweiligen Fachgebiet reduzieren. Deshalb lehnen wir eine Quartalisierung des PJ ab“, bekräftigt Stefanie Weber.

Die Motivation der Studierenden, nach dem Studium ein bestimmtes Fachgebiet zu wählen, könne nur durch zusätzliche Anreize und Verbesserungen in den Arbeitsbedingungen gesteigert werden. Dies gelte insbesondere für die ambulante ärztliche Tätigkeit. Stefanie Weber: „Es reicht eben nicht, millionenschwere Werbekampagnen für die Niederlassung aufzulegen, aber an den medizinischen Fakultäten weitgehend durch Abwesenheit zu glänzen. Hier müssen die Kassenärztlichen Vereinigungen viel häufiger als bisher über die Möglichkeiten einer haus- und fachärztlichen Tätigkeit informieren.“

Pressemitteilung des MB-Bundesverbandes

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