Wir brauchen mehr Teilzeit-Angebote

 

 

Ärzte wünschen sich flexiblerer Arbeitszeiten, Kinderbetreuungsangebote, die auf die Arbeitszeiten im Krankenhaus zugeschnitten sind und die Möglichkeit Teilzeit zu arbeiten, wie uns Dr. Silke Engelbrecht im Interview berichtet hat. Sie hat selbst zwei Kinder und will sich in der Delegiertenversammlung der Landesärztekammer dafür einsetzen, dass die Weiterbildung auch in Teilzeit ohne große Zeitverluste möglich ist.

 

 

Sie setzen sich für Beruf und Familie ein, wie erleben Sie „ein familienfreundliches Krankenhaus”  in ihrem Alltag?

 

Dr. Silke Engelbrecht: Leider gibt es kaum familienfreundliche Angebote in Krankenhäusern. Ich arbeite zwar in Teilzeit, was dank meiner Oberarzt-Position auch möglich ist, weitergehende Unterstützung für Eltern gibt es aber für Ärztinnen und Ärzte meines Erachtens viel zu wenig. Viele jüngere Kolleginnen wünschen sich zum Beispiel ein Kinderbetreuungsangebot, dass mehr auf ihrer Bedürfnisse zugeschnitten ist, z. B. zur Überbrückung von Ferientagen der Kindereinrichtungstagesstätten oder überhaupt ein Angebot, dass auf die Arbeitszeiten im Krankenhaus zugeschnitten ist.

 

Was muss sich aus Ihrer Sicht in Kliniken ändern, damit Privatleben und Beruf besser vereinbart werden und auch Frauen Karriere machen können?

 

Dr. Silke Engelbrecht: Die Arbeitszeiten müssten weiter flexibilisiert werden, was u. a. aufgrund bestehender Strukturen in der Klinik schwierig ist. Außerdem sollten mehr Kliniken Angebote haben, die Eltern unterstützen, z. B. ein Betreuungsangebot für Kinder in den Ferien oder nach den Kita-Schließzeiten. Damit Frauen noch besser Karriere machen können, muss auch ein Umdenken bezüglich Ärzten in Teilzeit anfangen. Dies hat zwar zum Teil bereits begonnen, aber es gibt noch medizinische Gebiete in denen in Teilzeit arbeitende Ärztinnen und Ärzte die Ausnahme sind.

 

Welche Aufgaben kommen der Kammer dabei zu?

 

Dr. Silke Engelbrecht: Die Kammer hat z. B. in der Gestaltung der Weiterbildung eine wichtige Aufgabe dabei, dass auch in Teilzeit arbeitende Kollegen ihren Facharzt erwerben können und die Weiterbildungsordnung so gestaltet ist, dass Facharztweiterbildung auch ohne große Zeitverluste in Teilzeit möglich ist.

 

Wofür wollen Sie sich in den kommenden fünf Jahren in der Kammer einsetzen? Welche Themen haben bisher zu wenig Beachtung gefunden?

 

Dr. Silke Engelbrecht: Für mehr Transparenz seitens der Kammermitglieder, die neue Weiterbildungsordnung und eine Überprüfung der Weiterbildungsqualität. Denn für qualifizierte Fachärzte benötigen wir auch eine qualifizierende Weiterbildung. Außerdem finde ich die Aufgabe des Versorgungswerks sehr wichtig. Die Delegierten der Landesärztekammer werden regelmäßig über die Tätigkeiten des Versorgungswerks informiert und dabei ist es sinnvoll, dass es auch jüngere Delegierte gibt,  die insbesondere auf die Generationengerechtigkeit achten.

 

 

 

Zur Person: Dr. Silke Engelbrecht ist Oberärztin am Gesundheitszentrum Wetterau und hat zwei Kinder.