Marburger Bund stoppt Kostenexplosion der Carl-Oelemann-Schule
Die Landesärztekammer Hessen betreibt seit 1977 in Bad Neuheim die Carl-Oelemann-Schule.
Dort werden zukünftige Arzthelferinnen und Arzthelfer überbetrieblich ausgebildet.
Die Kurse finden als Ergänzung zur betrieblichen Ausbildung in der Arztpraxis einmal pro
Ausbildungsjahr statt und dauern jeweils eine Woche. Für die Auszubildenden aus ganz
Hessen ist der Schule ein Internat angegliedert.
Weitere Fortbildungsveranstaltungen und Lehrgänge werden Arzthelferinnen und Arzthelfern
mit abgeschlossener Ausbildung sowie medizinischen und nicht medizinischen
Berufsgruppen im Gesundheitswesen angeboten. Vorbei sind die Zeiten, als Arzthelferinnen
ausschließlich in der Arztpraxis arbeiteten. Kliniken beschäftigen sie gerne aufgrund ihrer
Kompetenzen bei vergleichsweise geringen Personalkosten und bilden sie selbst aus. Dies
untermauert die Wichtigkeit einer überbetrieblichen Ausbildung unter der Verantwortung der
Hessischen Landesärztekammer.
Leider hat die Medaille auch eine Kehrseite. Die Carl-Oelemann-Schule arbeitet seit Jahren
nicht kostendeckend. Die Differenz aus Erträgen (v.a. Lehrgangs- und Kursgebühren) und
Aufwendungen (v.a. Personal- und Raumkosten) ist negativ. In den letzten Jahren waren
jährliche Zuschüsse zwischen 220 und 790 Tausend Euro bei steigender Tendenz notwendig,
die letztendlich durch Kammerbeiträge finanziert werden. Umgerechnet bezahlt jedes
Kammermitglied im Schnitt 27,27 € pro Jahr für den Zuschuss an die Carl-Oelemann-Schule.
Da zwei Drittel der Kammermitglieder angestellte Ärzte sind, beteiligen sich diese
besonders an den Kosten. Hinzu kommen in den nächsten Jahre Investitionskosten für das
sanierungsbedürftige Internatsgebäude in Höhe von etwa 3,5 Millionen Euro. Diskutiert
werden auch ein Abriss und Neubau unter Zuhilfenahme öffentlicher Fördergelder.
In der 9. Delegiertenversammlung in Bad Nauheim am 27. März 2004
wiesen die Delegierten des mb hessen auf die ungünstige finanzielle Entwicklung hin.
Ihr Antrag, den Zuschussbedarf für die Carl-Oelemann-Schule
zukünftig besonders kritisch zu prüfen mit dem Ziel,
diesen mittelfristig zu reduzieren, fand bei allen Delegierten eine breite Zustimmung.
In einem weiteren Schritt wurde auf Antrag und mit den Stimmen der Delegierten der Liste des
mb hessen mit knapper Mehrheit beschlossen,
für das Jahr 2005 den Zuschussbedarf auf 600.000 € nach
oben zu begrenzen. Kosteneinsparungen ließen sich durch eine Erhöhung der
Teilnehmeranzahl in den Kursen, einen kostendeckenden Internatsbetrieb oder durch
kostendeckende Gebühren für die Ausbildung von Kliniksmitarbeiterinnen erzielen.
Dr. Günther Golla
|