Die Landesärztekammer - Was macht die eigentlich?
Sie beeinflusst unser ärztliches Berufsleben ganz erheblich, wie Sie nachfolgend
lesen können!
Die erste Kontaktaufnahme zur Ärztekammer findet statt mit der Aufnahme
der ärztlichen Berufstätigkeit. Bald nach der Anmeldung flattert zum ersten
Mal das Hessische Ärzteblatt ins Haus, das Deutsche Ärzteblatt folgt!
Artikel aus der Berufspolitik und der Forschung, Informationen und Stellenanzeigen,
und sogar Heiratsanzeigen stehen zur Verfügung!
Die Beitragsrechnung für die Ärztekammer ist ungeliebte Post, und man fragt
sich, wofür der Beitrag kassiert wird. Das stellt sich bald heraus, denn die
ersten Fachkunden werden von der Ärztekammer ausgestellt. Zwischenzeitlich
wurde bemerkt, dass die Akademie für Ärztliche Fortbildung wichtige Kurse
veranstaltet, die zur Weiterbildung im gewünschten Fachgebiet notwendig sind.
Aber auch freiwillige Kurse wie Qualitätsmanagement, Informatik, Medizin in
der Literatur, u.a. werden angeboten. Es lohnt sich sehr, das Programm zu
studieren und interessante Fortbildungen zu besuchen. Sie sind nämlich alle
zertifiziert und man "füttert" nebenbei sein Punktekonto!
In den Jahren der Facharztweiterbildung wurde vom Gehalt ein ansehnlicher
Brocken abgeführt an das Versorgungswerk – die zukünftige Rente wird
aufgebaut! Damit verbunden ist eine Absicherung für den Fall der
Berufsunfähigkeit, bereits nach ersten Monatsbeitrag. Auch solche Leistungen
gehören zur Ärztekammer, hier erbracht vom Versorgungswerk. Unsere Renten
müssen in der Zukunft für uns sicher sein und bleiben!
Intensiveren Kontakt mit ihrer Ärztekammer bekommen die Kolleginnen und
Kollegen, wenn sie sich zur Facharztprüfung anmelden. Alle Anforderungen, die
nun an den "Prüfling" gestellt werden, wurden zuvor in der
Weiterbildungsordnung festgelegt. Damit ist eine Mindestqualifikation des
Könnens und Wissens ärztlicher Kollegen festgelegt, die Facharztqualifikation.
Nun kann auch nach außen mit einer Facharztbezeichnung demonstriert werden,
dass man bestimmte Dinge gelernt hat und es besteht die Möglichkeit, sich in
eigener Praxis niederzulassen, um selbstständig und unabhängig arbeiten zu
können.
Natürlich verläuft nicht jedes Berufsleben so glatt und unkompliziert, wie oben
beschrieben. Nein, da gibt es Anschuldigungen der Falschbehandlung oder des
ärztlichen Kunstfehlers! In diesem Momenten ist es nützlich zu wissen, dass die
Ärztekammer eine Gutachter- und Schlichtungsstelle betreibt. Hier können für
Patient und Arzt kostenlose Gutachten bei medizinischen Streitigkeiten erstellt
werden, und in vielen Fällen kann der Streit in einem Schlichtungsverfahren
behoben werden. Oft wird damit ein unangenehmer Strafgerichtsprozeß
vermieden!
Beim weiteren Aufstieg auf der Karriereleiter kommt man in die Situation,
selbständig Arbeitsverträge aushandeln zu müssen.
Dazu sucht man den Marburger Bund auf, denn der hat darin die meiste Erfahrung.
Weitere, insbesondere berufspolitische Fragen werden jedoch von der
juristischen Abteilung der Ärztekammer beantwortet.
Hier wird nun geklärt, welche Größe das Praxisschild haben darf,
wie die Website der Praxis aussehen kann, mit welchen Erfahrungen und Qualifikationen man "werben" darf u. ä.
Im Hintergrund wirken die Juristen der Kammer beim Heilberufsgesetz mit,
bei der ärztlichen Berufsordnung, aber auch bei Abrechnungsfragen bzgl. der GOÄ.
Die juristische Abteilung gibt auf nahezu alle Fragen mit juristischem Hintergrund eine Antwort!
In den vergangenen Monaten hat sich die Landesärztekammer Hessen sehr dafür
eingesetzt, die Arbeitsbedingungen in unseren Kliniken zu hinterfragen und das
Ergebnis zu veröffentlichen. Dazu gehört auch das Thema "Weiterbildung in Teilzeit",
welches viele Ärztinnen mit Kindern beschäftigt. Die enge
Zusammenarbeit mit dem Hessischen Sozialministerium gehört auch in diesen
Komplex!
Viele Kolleginnen und Kollegen des Marburger Bundes Hessen arbeiten z.T. schon
seit vielen Jahren in nahezu allen Ausschüssen und Gremien der Ärztekammer,
um die Interessen der angestellten Ärztinnen und Ärzte zu vertreten. An vielen
Stellen haben sie Verbesserungspotentiale erkannt, die Umsetzung scheiterte
häufig an Mehrheitsverhältnissen in den Gremien. Wir sind sicher, die Bürokratie
und die Kosten bei der Weiterbildung verringern zu können. Und bei dem um sich
greifenden Lohndumping der Klinikärzte ist eine Senkung der Kammerbeiträge
dringend angezeigt!
In wenigen Wochen werden Sie den Wahlbrief der Landesärztekammer Hessen
erhalten! Helfen Sie mit Ihrer Stimme, dass wir die erkannten
Verbesserungspotentiale nutzen, um auch Ihre berufliche Zukunft gestalten zu
können.
Dr. Ursula Stüwe
|