Zahnärzte im Streik!

Zahnärzte zu Arbeitskampf gezwungen
Zahnärzte des Carolinum an der Uniklinik Frankfurt wollen nicht länger bundesweites Schlusslicht sein
Streik am 20. Januar 2011
Zahnmedizinstudierende demonstrieren

Frankfurt/M. Mit der Aktion „Lee(h)re im Carolinum?!" beginnen die Zahnärztinnen und Zahnärzte des Zahnärztlichen Universitätsinstituts Carolinum Frankfurt/M. am Donnerstag ihren Arbeitskampf um zahnarztspezifische Arbeitsbedingungen. Begleitet wird der Streik von Aktionen der Studierenden der Zahnmedizin für bessere Studienbedingungen.

Während im gesamten Bundesgebiet Zahnärztinnen und Zahnärzte an Universitätskliniken an tarifliche Regelungen des Marburger Bundes angeschlossen sind, gilt dies in Hessen nicht. In Frankfurt/M., wo das universitäre Institut für Zahnmedizin von der Stiftung Carolinum getragen wird, unterliegen die Arbeitsbedingungen dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst des Landes Hessen (TV-H). Das hat zur Folge, dass die Frankfurter Zahnärztinnen und Zahnärzte monatlich rund 300 € bis 1.200 € weniger Gehalt verdienen als beispielsweise ihre Kolleginnen und Kollegen an den benachbarten Unikliniken Mainz oder Heidelberg. „Es kann nicht sein, dass die Arbeit der Frankfurter Zahnärztinnen und Zahnärzte weniger wert ist als die der Kollegen in Mainz oder Heidelberg", stellt Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Scholz, Landesvorsitzender des Marburger Bundes Hessen, fest.

Hinzu kommt, dass viele unserer Mitglieder nur Einjahresverträge erhalten, bei denen oft erst kurz vor Ablauf über die Verlängerung entschieden wird", klagt Scholz. „Wir haben deshalb den Stiftungsvorstand aufgefordert, mit uns Tarifverhandlungen über die Arbeitsbedingungen unserer Mitglieder aufzunehmen", so Scholz weiter. Der Stiftungsvorstand aber lehnt dies ab und versucht offensichtlich dieses Thema der Stiftungsuniversität Frankfurt/M. zu überlassen. Hintergrund ist die schon bereits seit längerem geplante Übernahme des Instituts durch die Universität Frankfurt/M., die bislang gescheitert ist, aber voraussichtlich im Frühjahr diesen Jahres realisiert werden soll.

Der Stiftungsvorstand darf nicht länger die Anliegen unserer Mitglieder ignorieren", fordert Scholz. „Unsere Mitglieder wollen nicht weiter Schlusslicht der Zahnärztinnen und Zahnärzte in Deutschland sein und werden so gezwungen, für ihre berechtigten Interessen zu streiken", so Scholz weiter.

Der Arbeitskampf wird Auswirkungen auf die Patientenversorgung haben und auch den Studentenunterricht am Carolinum beeinträchtigen. „Natürlich sind die Studierenden der Zahnmedizin über einen Ausfall von Lehrveranstaltungen nicht begeistert, ganz im Gegenteil sogar", so Alexander Korff, der Fachgruppenvorsitzende der angehenden Zahnärztinnen und Zahnärzte. „Wir können die Gründe für den Streik aber nachvollziehen und wollen diesen unterstützen und demonstrieren für bessere Lehrbedingungen", sagte Korff.

Die Studierenden befürchten bei den aktuellen Arbeitsbedingungen Fluktuation und Demotivation der Zahnärztinnen und Zahnärzte und damit verbundene Defizite in der Ausbildung. Zugleich haben sie Sorge, dass bei weiteren Streiks Verzögerungen des Studiums bis hin zu einem verspäteten Examen eintreten könnten.

Kundgebung und Demonstration

Geplant ist zunächst um 10:00h eine Kundgebung vor dem Gebäude des Carolinums auf dem Gelände des Frankfurter Universitätsklinikums. Um 13:00h werden dann die Zahnärztinnen und Zahnärzte gemeinsam mit den Studierenden zur Universitätsverwaltung in Bockenheim ziehen, um auch gegenüber dem mutmaßlichen Erwerber Ihre Forderungen deutlich zu machen.

Die Notfallversorgung von Schmerzpatienten wird auch während des Streiks gewährleistet.

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