Unikliniken Hessen Tarifrunde 2017: Marburger Bund fordert 6,2 % mehr Gehalt

Aktuelle Umfrage an Unikliniken zeigt: Ärzte haben zu wenig Zeit

Frankfurt/M.  Der Marburger Bund Hessen fordert für die am 5. Juli 2017 in Wiesbaden beginnenden Tarifverhandlungen für die Ärztinnen und Ärzte an den hessischen Universitätskliniken eine lineare Erhöhung der Gehälter um 6,2 Prozent. Da Ärztinnen und Ärzte in großem Umfang Arbeit in den Nächten und an den Wochenenden erbringen müssen, ist zudem eine spürbare Anhebung der tariflichen Zuschläge für Nacht- und Sonntagsarbeit Teil der Forderung.

Außerdem zeigt eine im Juni durchgeführte Umfrage unter den Mitgliedern des Marburger Bund, dass fast 90 Prozent der teilnehmenden Ärzte an den hessischen Unikliniken regelmäßig bei der Patientenversorgung unter Zeitdruck stehen, insbesondere weil zu wenig Personal vorhanden ist. Mehr als drei Viertel aller Teilnehmer geben an, dass sie regelmäßig keine Pause machen können. 77 Prozent fühlen sich in ihrer Gesundheit beeinträchtigt. Besonders stört die Ärzte, dass sie wegen der zu dünnen Personaldecke kurzfristig Dienste von Kollegen übernehmen müssen. „Wen wundert es, dass 73 Prozent angeben, keine ausgewogene Work-Life-Balance zu haben. Ärztinnen und Ärzte brauchen daher unbedingt bessere Regelungen bei der Übernahme ungeplanter Dienste“, sagt Andreas Wagner, Geschäftsführer des MB Hessen.

Großen Verbesserungsbedarf offenbart die Umfrage auch bei Forschung und Lehre, die Ärzte an Universitätskliniken neben der Patientenversorgung betreiben. So können mehr als 90 Prozent Forschung nie oder nur selten in der Dienstzeit betreiben. Zwei von drei Teilnehmern geben an, dass sie Forschung nach einem 24-Stunden-Dienst betreiben müssen. 36 Prozent werden beim Studentenunterricht nicht nur gelegentlich, sondern unverhältnismäßig oft wegen Fragen oder Problemen aus der Patientenversorgung unterbrochen. Fast 30 Prozent müssen deswegen sogar regelmäßig den Studentenunterricht auf unerfahrene Kollegen übertragen.

Erschreckend ist, dass Überstunden aus Forschung bei 92 Prozent und in der Lehre bei fast 70 Prozent der Umfrageteilnehmer nicht ausgeglichen werden. „Es kann nicht sein, dass Ärztinnen und Ärzte Forschung und Lehre mit unbezahlten Überstunden subventionieren“, so Wagner.

Pressemitteilung: Marburger Bund Hessen

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