Drei ärztliche Stellen hat im Heft 34-35 des Deutschen Ärzteblattes vom 30.08.10 und hier auf der Website das Rehabilitationszentrum am Sprudelhof Bad Nauheim, eine Einrichtung der vom Marburger Bund bestreikten Deutschen Rentenversicherung (DRV) ausgeschrieben.
So viele freie Stellen können nicht überraschen, denn die Klinik bietet lediglich eine Vergütung nach dem TVöD an. Dabei liegt die Messlatte im Rehabereich durch den Tarifvertrag zwischen dem Marburger Bund und der Wicker-Gruppe noch über dem Niveau des TV-Ärzte/VKA.
Dazu kommt noch der anhaltende Arbeitskampf, mit dem die Einrichtungen der DRV Ärztinnen und Ärzte abschrecken: Wer will schon an einer bestreikten Klinik arbeiten? Auch die Klinik Kurhessen in Bad Sooden-Allendorf hat zwei ärztliche Stellen ausgeschrieben sowie eine die Klinik am Park in Bad Schwalbach, beides ebenfalls Einrichtungen der DRV Hessen.
Frische Handtücher künden vom neuen Wochenbericht – und was gibt es da nicht alles zu erzählen!
Also, in der vergangenen Woche haben wir dann planmäßig die auf dem Meeresgrund in ca. 2500 m Tiefe liegenden Messgeräte wieder eingesammelt. Das geht so vonstatten: An der vorgegebenen Stelle sendet das Hydrophon, das da ins Wasser gehängt wird, im Abstand von jeweils ca. 10 Min. einen Impuls aus, der das Messgerät veranlasst, sich von seinem Anker zu lösen. Wegen der großen Auftriebskörper steigt es dann nach oben, ab ca. 2300 m, manchmal auch schon eher, kann man seine Daten erfassen und genau sehen, wie schnell es steigt. Das Schiff steht derweil auf der Stelle; wenn die letzten 90 m anfangen, sind alle ganz gespannt und starren auf die Wasseroberfläche: wo wird es auftauchen?
Die ersten der Geräte tauchten zwar bei immer noch geringem Seegang auf, aber die Wellen waren so ca. 2 m hoch, da war es nicht so einfach, das Ding zu entdecken. Es hat ein kleines rotes Fähnchen und dazu eine Kordel mit einem Schwimmkörper daran, und die Auftriebskörper sind orange-rot, also farblich gut zu erkennen! Aber zwischen den Wellen? Das Schiff dreht dann ganz in die Nähe, so, dass der Messkörper steuerbords zu liegen kommt; dann fährt man mit dem Arbeitsdeck ganz in die Nähe, Abstand ca. 2–4 m; dann wirft jemand vom Arbeitsdeck einen Anker am Seil aus, der sich in der Kordel mit Schwimmkörper verfängt – nicht immer gleich beim ersten Wurf! Damit zieht man das gute Stück dann nahe ans Boot, die Kordel wird benutzt, um das Gerät am großen Kran festzumachen und dann wird es hochgezogen und gleich auf seinem nächsten, neuen Anker platziert – das Ding wiegt ca. 200 kg!!! 26 Stück wurden so wieder geborgen – alle! Inzwischen werden sie – nach Auslesen der gesammelten Daten und Neuprogrammierung an anderer Stelle wieder ausgebracht und es geht von Neuem los.
Das Ausbringen ist nicht so aufwendig, weil das Schiff am Ort der Bestimmung anhält, das „Ins-Wasser-Werfen“ geht ja flink! Und später sammeln wir sie wieder ein! Das bedeutet, wir fahren wieder in diese interessante Gegend!
Dieses erste Einsammeln wurde auf der Strecke in die Melville-Bucht gemacht, die erste Bucht, die ich von Grönland gesehen hatte. Dort hatten wir wieder echtes Traumwetter, mit fantastischer klarer Sicht und Eisbergen und weitem Blick bis zum Inlandeis, das an manchen Stellen bis ans Meer hinunter reicht. Die Geologen haben in zwei langen, ausgiebigen Flügen das Festland erkundet und Steine eingesammelt, und wir lagen in der Bucht, dieses Mal noch viel näher an der Küste als beim letzten Mal – und das über mehrere Stunden! Nie war das Peildeck so voller Menschen – und alle, alle knipsten, was das Zeug hielt! In dieser langen ruhigen Zeit hatten wir natürlich gut Gelegenheit, mal nach Tieren außer Vögeln zu schauen, schließlich befanden wir uns in einem Schutzgebiet! Doch zwischen den Eisbergen und –schollen zeigte sich nichts – keine Robbe, keine Fische, erst recht keine Wale, und auch an Land war kein Tier zu sehen. Irgendwie also eine morbide Schönheit!
Die Geologen, die mit dem Hubschrauber unterwegs gewesen sind, haben die winzige Stadt am Nordrand der Bucht gesehen: Kirche, Häuser – aber nichts, was auf „Leben“ hindeuten würde! Keine Menschen, keine Hunde, und auch keine Boote im kleinen Hafen. Laur Wikipedia leben die Menschen dort u.a. auch von Tourismus: Man kann angeblich Vögel beobachten und mit dem Skidoo Ausflüge machen.
Unsere Reise setzte sich fort zunächst nach Südwesten, dann jedoch bogen wir ab gen Norden – und dann immer geradeaus! Wir fuhren direkt in die Öffnung der Nares–Street hinein, und das merkten wir schnell an der Zunahme von gigantisch grossen Eisbergen! Jetzt – endlich! – war die Reise so, wie es mir vorgestellt hatte: wir auf dem Wasser, umgeben von Eisbergen, und dazu hin und wieder ein Blick auf’s Land!
Das Wetter klarte wieder auf und hielt sich auch, wenn auch nicht immer die Sonne schien, doch die Sichtweite am Boden blieb weit und gut, so dass wir das Land vorbeiziehen sahen. Jetzt waren wir schon auf Höhe der Thule–Air Base, und unsere Nordfahrt endete vor einer Insel, die an der Mündung des Fjordes liegt, der zur Stadt Thule führt! Wegen der großen und sehr mächtigen Eisberge wurde gestern Nacht gegen Mitternacht der Streamer eingeholt – er treibt gut 1 km hinter uns her, denn das Schiff musste ja eine große Kurve machen, um wieder Südrichtung zu bekommen. Man hatte Befürchtungen, dass die Streamer-Leine sich in einem der Eisberge verfangen könnte – schließlich sieht man ja nur einen Bruchteil des Eises oberhalb des Wassers! So kam es, dass ich mich – nach der Sauna! – nur mit einem Handtuch bekleidet auf dem Helideck wiederfand, umgeben von herrlichstem Panorama mit der untergehenden Sonne.
Das, was wir vom Land sehen können, ist äußerst karg, viel Erosionen, und man meint auch, neben den Gletschern die Anzeichen der Klimaerwärmung zu erkennen: Da sind so breite Seitenmoränen und die Zungen reichen kaum bis ans Wasser. Die Geologen haben bei ihren Flügen über das Land aber zwei Schneehasen, einen Polarfuchs und Moschusochsen gesehen! Also lebt da doch auch was, und sie berichteten auch von wenig Gras, mehr Flechten zwischen dem Geröll, was aber durchaus überwiegt!
Die Stimmung auf dem Schiff entwickelt sich so peu a peu in Richtung „Traumschiff“. Da gibt es unzureichend bearbeitete Lebenskrisen, immer wieder Erzählungen von zuhause, meistens mit Photos von Garten und Hund, alte Liebschaften gehen zuende, neue entwickeln sich hie und da – kurzum, wir haben an Bord „das pralle Leben“ mit allen Auf’s und Ab’s. Ob wir allerdings so schnell Lösungen finden wie auf dem echten „Traumschiff“, das wage ich zu bezweifeln! Manche Zeitgenossen wollen ihre Probleme ja gar nicht ändern – wer weiß das schon…
In meiner Funktion als Doc und insbesondere auch als „Neue“ in der Gruppe bekomme ich Einiges erzählt, aus sehr privatem Bereich – vielleicht auch unter dem Wissen der ärztlichen Schweigepflicht! Ich finde diesen Prozess sehr interessant und beobachte aufmerksam, was sich in der Gruppe abspielt. Und auch ich werde ganz direkt nach eigenen persönlichen Lebensumständen gefragt – das ist der Umgang an Bord: man spricht die Probleme eben an! Das ist nicht das Schlechteste!
Ein Erlebnis der besonderen Art: Heute Nacht wurde ich aus tiefem guten Schlaf wach, schlug die Augen auf und mein Kammernachbar stand in meiner Kammer – völlig erschrocken mit seiner Kamera in der Hand, „ach, ich bin ja in der falschen Kammer“ und verschwand. Ja, man hatte einen wunderschönen Ausblick auf sonnenbeleuchtete Eisberge vor meinen Fenstern…
Heute morgen trafen wir uns: „Was war das denn heute nacht?“ „Oh mein Gott, ich habe die Tür verwechselt, der Sonnenuntergang war so schön, ich guckte auf die Bilder, die ich gemacht hatte, bis ich auf einmal einen Fernseher sah – den habe ich nicht in meiner Kammer!“ Fröhlichstes Lachen von uns beiden! Und dazu eine Flasche Rotwein, die wir natürlich gemeinsam trinken werden!
Euch da in Deutschland beneide ich nicht um den vielen Regen, um die Neuwahl des hessischen Ministerpräsidenten, um die Diskussion um die Atomkraftwerke! Aber später bin ich auch wieder dabei und habe dann den bildergefüllten Kopf, der mich diese Querelen sicher gut aushalten lässt! Auf Musik und Kultur freue ich mich schon jetzt!
(E-Mail vom 31.08.10 12:37:53 -0000 (GMT))
Ein Link zum Intro der Berichtserie und eine ständig aktualisierte Liste der Berichte gibt es auf dieser Seite.
Während sich die Baffin Bay rund um „Polarstern“ mit umfangreichen Nebelfeldern darstellt, sich also eher verhüllt als darstellt, ist Zeit und Ruhe, die vergangene Woche noch einmal Revue passieren zu lassen.
Das Schiff wird im 15-Sekundenrhythmus leicht erschüttert – das sind die Vibrationen der Airguns, die Luftdruckblasen ins Wasser und besonders in Richtung Untergrund schiessen zu Erfassung des tief gelegenen Meeresbodens. Das ist eine anerkannte Technik zur Erforschung der Erdgeschichte. Früher hat man das wohl mit Dynamit gemacht – mit wohl schauerlichen Konsequenzen, das ist heute umweltschonender und ungefährlicher geworden. Wegen des lauten Knalls müssen wir Walbeobachtungen durchführen – sollte ein Wal gesichtet werden, müssen die Versuche sofort eingestellt werden. Leider haben wir noch keinen Wal gesehen, vielleicht haben wir die Chance darauf, wenn wir eine andere Messreihe fahren.
Im Moment fahren wir Richtung Norden, erreichen in Kürze wieder 75°N. Morgen früh wird begonnen, Messgeräte, die am Meeresgrund liegen und Daten aufgenommen haben, wieder einzusammeln. Ich bin gespannt, wie das funktioniert, aber man hat hier damit schon Erfahrung!
„Medizinisch“ wurde ich jetzt ein wenig gefordert: Die Bierzapfanlagen wurden von mir planmässig desinfiziert, damit das Bier weiterhin gut schmeckt und niemand den Genuss fürchten muss. Fässer Wechseln geht schon „wie geschmiert“! Ich lerne also manches „Lebenspraktisches“, was in meinem Studium nun wirklich nicht vorkam. Dann habe ich festgestellt, dass eine Zahnplombe nach Abbruch verloren ging, aber das macht keine Probleme. Und richtig erfolgreich war ich auch schon: Aus einem Gehörgang habe ich die verlorene Spitze eines Wattestäbchens herausgeholt – Dinge, die ich ja schon seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht hatte! Patient und Doc sind glücklich!
In der letzten Woche hatten wir Gelegenheit, unsere Mitreisenden, die heim wollten und sollten, an Land zu bringen. Es gab geplante Messungen vor der Bucht von Upernavik, ein Örtchen, das etwas nördlich der Disko-Bucht liegt und einen Flughafen hat. Bereits bei der Annäherung an die Küste erlebten wir erneut das wunderbare Schauspiel, wie sich aus Dunst und Nebel zunächst einige z.T. schneebedeckte Gebirgszüge herausschälten, dann kamen mehr und mehr Eisberge dazu, aber auch kleine Inseln, die gerade eben aus dem Wasser guckten. Das Panorama spannte uns erst einmal kräftig auf die Folter, weil es ausgiebige Luftspiegelungen hatte. Manche Eisberge sahen aus der Ferne aus wie eine „Plattenbausiedlung“, andere erhöhten sich locker um das Doppelte ihrer eigentlichen Höhe, und alles waren zunächst optische Täuschungen! Von der Ortschaft (ca. 1100 Einwohner) selber haben wir nichts erkennen können.
Unsere Abreisetruppe wurde in zwei Helikopterflügen an Land zum Flughafen gebracht, zwischenzeitlich sind sie gut zuhause angekommen.
Vor dem imposanten Panorama drehte das Schiff eine große Kurve – groß deswegen, weil es hinter sich her Messgeräte zieht, die an z.T. 1 km langen Seilen hängen. Und Kontakte zwischen Seilen untereinander und zwischen Seil und Schraube sind verständlicherweise unerwünscht. Da gab es schön Zeit zum Gucken!
Während dieser Messtrecken wurden auch Sedimentbodenproben entnommen: Dabei wird ein langes Rohr, Durchmesser etwa wie ein Regenrohr, mit vorgegebenem Tempo zum Meeresgrund hinabgelassen. Es ist mit dicken Bleiplatten beschwert, so dass an dem Seil ca. 1,5 Tonnen Gewicht hängen. Kurz vor dem Meeresgrund wird dann das Eindringtempo festgelegt. Man steuert es über das Tempo des hinablaufenden Seiles – und die Spannung steigt, wenn alles wieder hochgezogen wird. Ist was drin im Rohr? Und, wenn ja, was und wie viel? Nicht jeder Bohrversuch ist ein Volltreffer, aber auch kleine Bohrkerne sind den Wissenschaftlern willkommen. Sie werden im Nasslabor gekennzeichnet (Wo, wie tief, Länge), dann in ca. 1 m lange Stücke geschnitten und dann untersucht. Zuvor werden die Abschnitte durch Längsspaltung geöffnet, dann liegen die Schichten schön aufgereiht nebeneinander. Nicht alles kann verwertet werden, so dass für mich ein paar Reste übrig blieben. Das Sediment ist ganz verschieden in der Farbe und der Konsistenz. Es gibt beige, grau, sehr feinkörnig, mit Sand durchsetzt, etwas rötlich, und die Konsistenz ist unterschiedlich, aber immer ähnlich wie bei Ton. Bei diesem Stichwort ist klar, was ich vorhabe: Ich werde daheim kleine Schalen formen und versuchen, sie vorsichtig zu brennen. Wenn’s was wird, gehen die Stücke natürlich an das forschende Institut, das ist ja klar!
Der nächste Forschungsabschnitt erforderte erneut die Annäherung an Grönland, diesmal in der „Sugar Loaf Bugt“, zwischen Upernavik im Süden und der Melville–Bucht im Norden gelegen! Und das war erneut ein passendes Sonntagshighlight: wiederum Aufklaren mit Annäherung an die Küste, und erneut ein beeindruckendes Berg– und Eispanorama, dazu sah man so manchen Eingang in einen Fjord, der dann sicher noch näher an das Inlandeis heranführen würde, wenn man ihn befahren würde. Auch hier wieder eine Geburtsstätte für Eisberge – und das waren richtig große, beeindruckende Klötze, die an uns vorbeischwammen. Sie hatten Ausmaße, die auch „Polarstern“ zum Umrunden gezwungen hätten, wären sie auf unserer Route unterwegs gewesen!
Unser Kurs geht jetzt wieder Richtung Norden, und weit draussen auf See holt uns der Nebel schnell wieder ein – so, wie es für dieses Meer typisch ist. Die See ist meist sehr ruhig, eine fast glatte und dabei spiegelnde Oberfläche, aber wenig Vögel und selten mal eine Robbe. Alle sind begierig auf Wale und Eisbären – wir hoffen weiter, wir sind ja noch einige Wochen unterwegs!
Gestern abend lag ich in der Sauna, nachdem ich zuvor im Schwimmbad gewesen war (winzig klein im Vergleich zum Schlangenbader Bad!), da fuhr das Schiff über Eisschollen! Den Lärm könnt Ihr Euch kaum vorstellen! Ja, die Sauna und Schwimmbad liegen tief unten im Schiffsbauch! Von Einigen von Euch weiss ich, dass sie in Urlaub sind, sie werden auch mit neuen Eindrücken und Erlebnissen zurückkehren – hoffentlich gesund und fröhlich und gut erholt. Dass die Bundeswehr umgebaut werden soll zwecks Einsparungen, dass in Pakistan die Hilfe schleppend anläuft und die Überschwemmungen wohl noch nicht beendet sind, dass die Diskussion um Brennelementesteuer und die Atomdiskussion jetzt an Fahrt gewinnt, kriegen wir aus Kurznachrichten mit.
Und das Wichtigste zum Schluss: auch die Betten sind schon wieder frisch bezogen!
(E-Mail vom 24.08.10 20:45:49 -0000 (GMT))
Ein Link zum Intro der Berichtserie und eine ständig aktualisierte Liste der Berichte gibt es auf dieser Seite.
Bilder und Info zu Upernavik in Wikipedia.
Satellitenbild der Sugar Loaf Bugt in Wikimapia.
Vom Nutzen der interkollegialen Fremdanamnese handelt dieses You-Tube-Video (3:22 min), das nicht nur in der Abrufstatistik dieses Portals weit vorne steht, sondern auch in zahlreichen Websites zitiert wird.
Zur pointierten Asymmetrie des Dialogs gibt es auch schon Kommentare, einer davon: ‘the reason that there is no comeback for this is because the orthopedic surgeon is doing work… and the anaethetist is creating this video on his iPhone while sitting behind a curtain. This must have been a good break from his crossword puzzle or sudoku… though it is funny‘, schreibt da ein wohl Betroffener. Er ist inzwischen ins Unrecht gesetzt worden: Hier gibt es die Antwort der Orthopäden (2:55 min).
Es gab schon wieder frische Handtücher – also ist schon wieder eine Woche um! An solchen Ritualen merkt man die Zeit, die hier sonst in feineren Abstimmungen strukturiert wird durch das Essen! Es gibt vier Mahlzeiten am Tag: Frühstück, Mittagessen um halb Zwölf, Kaffee, Abendessen um halb Sechs (fast wie im Krankenhaus). Jede Mahlzeit außer Kaffee am Nachmittag beinhaltet mindestens ein warmes Gericht, manchmal auch mehrere. Wir bekommen immer noch frische Salate, viel frisches Obst wie Ananas, Nektarinen, Pfirsiche, Frucht der Passionsblume und natürlich Äpfel, Pflaumen, Melone. Und das alles an einer Stelle, an der sonst fast nix mehr wächst – immerhin nördlich von 75° Nord, nur noch ca. 1.500 km bis zum Nordpol!
Die letzte Woche war vorwiegend gekennzeichnet von Nebel über den Wassern, die Stimmung an Bord blieb fröhlich und zufrieden, jeder hat seine Arbeit und sein Tun. Eine Herzrhythmusstörung konnte schnell behandelt werden, weitere medizinische Kleinigkeiten waren keine wirkliche Herausforderung – kurzum: an Bord sind alle gesund, und so soll es ja auch sein! Ich mache schon sukzessive Inventur für die Nachbestellungen, die im Oktober in Bremerhaven erfolgen, damit die nächste Reise gen Süden auch wieder mit guter Ausstattung losfährt.
Die Irritationen aus der Politik sind für uns nun dahingehend geklärt, dass wir keine kanadischen Gewässer mehr anlaufen werden, alle Forschungsprogramme sind auf grönländische Gewässer beschränkt und dort ja auch vorab genehmigt. Das ist ärgerlich für die Kanadier an Bord, die ein Projekt in kanadischen Gewässern machen wollten, aber sie dürfen nichts weiter tun. Dieser Bericht in Spiegel online beschreibt den Sachverhalt schon richtig. Wir suchen jetzt eine Möglichkeit, die kanadischen Forscher „nach Hause“ zu bringen, zusammen mit zwei Deutschen, die auch schon eher zurückreisen wollten und jetzt schon mehr als eine Woche länger an Bord bleiben mussten wegen der Unstimmigkeiten. Wahrscheinlich – wenn das Wetter mitmacht – werden sie morgen in Upanarvik an Land gebracht, das liegt auf der Route, und dort gibt es auch einen Flughafen.
Der Sonntag war ein Tag zum „Ankreuzen im Kalender“: Wir fuhren, entsprechend der Forschungsplanung, Nord–Ost-Richtung grönländisches Festland, und zwar auf eine Höhe über 75°N. Es ging unter Aussetzen von speziellen Messbojen Richtung Melville Bucht. Man findet sie auf der Karte deutlich nördlich von der Diskobucht, sie liegt in dem „ausgebissenen Winkel“ der grönländischen Westküste. Der Tag begann mit wenig Restnebel der Nacht, dann klarte es auf und die Sicht war grandios. In der Ferne am Horizont konnten wir Land erkennen, zunächst wurde uns das aber noch erklärt als „Fata Morgana“, doch je näher wir kamen, desto realer wurde es. Sicher waren auch Luftspiegelungen mit dabei gewesen, aber es blieb noch eine ganze Menge reales Land übrig! Zuletzt lag das Schiff ca. 50 km vor der Bucht, kleine Inseln schauten aus dem Wasser, freier Blick zum Inlandeis, das dort bis zum Meer hinunter reicht. Dort ist ja auch eine Geburtsstätte von Eisbergen!
Laut Wikipedia gibt es in der Bucht eine Mini-Ortschaft mit ca. 40 Einwohnern, diese lag jedoch am Nordrand und konnte von uns nicht gesehen werden, auch nicht von Hubschrauber aus, der zwei Messgeräte auf dem Land und auf dem Eis absetzte. Vor den Bergen traumschöne Eisberge, manchmal von der Sonne in gleissendes Licht getaucht, manchmal ohne Sonne bleu bis grau, aber natürlich immer faszinierend. Die Anreise in die Bucht war schon ein ganz besonderes Erlebnis – die strahlende Sonne, das immer schöner werdende Panorama, wenig Wind – nie waren sooo viele Leute auf einmal auf dem Peildeck! Und alle waren in richtig froher Stimmung! Meine Frage an den Kapitän, ob man immer euphorisch wird, wenn man nach Tagen auf See wieder Land sieht, beantwortete er folgendermaßen:
„Der Kapitän für Grosse Fahrt wird nervös, wenn er Land sieht, der Kapitän für Kleine Fahrt wird nervös, wenn er kein Land mehr sieht!“
Und als gestern abend in relativ weiter Entfernung ein großer und gar nicht hässlicher Eisberg an uns vorbeirauschte, schaute schon keiner mehr hin, keiner zückte seine Kamera! Das wäre vor einer Woche noch total anders gewesen!
Die Bucht haben wir noch am Sonntag verlassen, wir fahren diese Strecke zurück mit neuen Messungen, sind inzwischen schon wieder weit draußen auf See und ein Stück weiter südlich. Aber, und das ist das Schöne, wir müssen da wieder hin und die Messbojen wieder einsammeln. Drückt die Daumen, dass das Wetter wieder mitspielt und uns wieder einen derart schönen Tag beschert! Das sind nämlich Freuden wie auf einem Touristenschiff!
Die hellen Abende verbringe ich mit Auslesen, Sortieren und Bearbeiten der Photos – da gibt es ja reichlich zu tun, wie Ihr Euch denken könnt, und ich habe auch schon ein paar richtig schöne Bilder „im Kasten“! Die gibt es in Deutschland zu sehen!
Aktuell fahren wir in dichtem Nebel nach dem Motto: „Man sieht, dass man nichts sieht!“ Die See ist ruhig, was für diese Gegend typisch ist, denn die Oberfläche ist zu klein, als dass sich da richtig große Wellen entwickeln können. Große Wellen hatte ich gestern Abend nach der Sauna im schiffseigenen Schwimmbad – selbstgemacht! In meinem wunderbaren Bett schlafe ich trotz Licht, trotz der Air-Guns und trotz einiger Feiern an Bord wie ein Murmeltier!
Von dem verregneten Sommer bei Euch, den Katastrophen in Pakistan, Russland und den deutschen Überschwemmungen haben wir in den schiffseigenen Kurznachrichten gelesen – man ist hier auch gedanklich sooooo weit weg in unserem eigenen kleinen Kosmos!
(E-Mail vom 17.08.10 13:24:51 -0000 (GMT))
Ein Link zum Intro der Berichtserie und eine ständig aktualisierte Liste der Berichte gibt es auf dieser Seite.
Bild der Mellville-Bay in Wikipedia.
Satellitenbild der Mellville-Bay in Wikimapia.
Diesen Beitrag, ursprünglich vom 11.12.09, haben wir ‘nach oben‘ geholt, um auf eine aktualisierte Fassung der Folien vom 13.08.10 hinzuweisen.
Das war das Thema eines Vortrags auf dieses Symposium “Vom Medizinstudium zum Facharzt” im Fortbildungszentrum der Landesärztekammer Hessen am 11.12.09 innerhalb des Schwerpunktes Arbeitsmarkt Krankenhaus.
Der Vortragende, RA Udo Rein, Geschäftsführer des MB Hessen, uns eine Zusammenfassung zur Verfügung gestellt. Die Folien des Vortrags finden Sie ‘offen lesbar’ hier in unserem Infodienst.
Der Marburger Bund hat sich als Ärztegewerkschaft mit seinen zahlreichen arztspezifischen Tarifverträgen fest etabliert. Mit seinen rd. 10.000 Mitgliedern konnte der Marburger Bund Hessen stetig die ärztliche Arbeitssituation verbessern. So gelang es bereits im November 2006, mit dem aus der Tarifgemeinschaft der Länder ausgetretenen Land Hessen einen Tarifvertrag für die an den hessischen Universitätskliniken tätigen Ärztinnen und Ärzte abzuschließen - den anderen Gewerkschaften gelang dies erst drei Jahre später.
Tarifverträge gibt es daneben für die im Marburger Bund Hessen organisierte Ärztinnen und Ärzte in den meisten kommunalen Krankenhäusern, die Mitglied im kommunalen Arbeitgeberverband Hessen sind, den Helios-Kliniken, den Asklepios-Kliniken, den Kerckhoff-Kliniken und dem Herz-und Kreislaufzentrum Rotenburg. Im Reha-Bereich gibt es Tarifverträge mit der Wicker-Gruppe und der Vitalis-Klinik Bad Homburg.
Bei den Kliniken der Deutschen Rentenversicherung finden z.Zt. Streiks statt, da die Arbeitgeberseite bisher nur ein Angebot auf Basis des TVöD vorgelegt hat, das bei Assistenzärzten zu einem Minus von bis zu 5,69 %, bei Fachärzten von bis zu 12,52 % und bei Oberärzten von bis zu 23,36 % gegenüber dem Tarifentgelt der kommunalen Arbeitgebern führt.
Kirchliche Arbeitgeber (Caritas und Diakonie) legen ihre Arbeitsbedingungen ohne Einflussmöglichkeiten des Marburger Bundes fest. So verdient ein neu eingestellter Assistenzarzt (verheiratet, ein Kind) in einem katholischen Krankenhaus jährlich über 1.200 € weniger als in einem kommunalen Haus. Ein neu eingestellter Facharzt verdient in einer katholischen Klinik jährlich sogar über 12.300 € weniger. In vielen Stellenanzeigen wird deshalb bereits die Zahlung einer Differenzzulage zum Ärztetarifvertrag angeboten.
Im Prinzip Nein.
Immer mehr Uniklinika (UK) zahlen im Praktischen Jahr (PJ) eine Aufwandsentschädigung (zuletzt begrüßte MB Hessen hier die UK der RUB im Club). Dennoch halten sich hartnäckig Gerüchte, das Uniklinikum Frankfurt/M. drohe Lehrkrankenhäusern innerhalb der Stadt, keine Studierenden mehr einzuweisen, wenn sie eine Aufwandsentschädigung zahlen. Wohl nur die unmittelbar Beteiligten werden wissen, ob diese Gerüchte zutreffen. Es fällt auf, dass nur Lehrkrankenhäuser außerhalb der Stadt eine Aufwandsentschädigung ausloben, wie ein Blick in diese Liste zeigt.
Frage an Radio Eriwan: Kann das Dekanat ein Lehrkrankenhaus abschaffen?
Im Prinzip Nein.
In Hessen regelt § 53 des aktuellen Hochschulgesetzes das Verfahren zur Etablierung eines Lehrkrankenhauses so: ‘(3) Auf Beschluss des Dekanats können nach Maßgabe der Approbationsordnung für Ärzte vom 27. Juni 2002 (BGBl. I S. 2405), zuletzt geändert durch Gesetz vom 30. Juli 2009 (BGBl. I S. 2495), mit geeigneten Krankenhäusern Verträge für die Ausbildung von Studierenden geschlossen werden. Das Universitätsklinikum ist dazu zu hören.‘ Die Maßgabe definiert die AO in § 4 ‘Durchführung des Praktischen Jahres in außeruniversitären Einrichtungen‘.
Im Vertrag wird u.a. geregelt, dass die Lehraufgaben pro elf Studierenden mit der Vergütung einer ärztlichen Stelle kompensiert werden. Daraus können Studierende unschwer errechnen, in welchem Umfang ihnen während des PJ Unterrichtsleistungen zustehen.
Das Dekanat kann den Abschluss eines Vertrags zwischen dem Land Hessen und einem Lehrkrankenhaus zwar anstoßen, nicht aber unmittelbar in dieses Rechtsverhältnis eingreifen. Die Zahlung einer Aufwandsentschädigung stellt sicher keine Rechtfertigung dar, die Auflösung des Vertrags zu betreiben.
Frage an Radio Eriwan: Kann das Dekanat Studierenden ein Lehrkrankenhaus ihrer Wahl verweigern?
Im Prinzip Nein.
MB Hessen hat in diesem Beitrag völlig recht: Die Studierenden entscheiden, für welchen freien Platz sie sich bewerben. Für die Anerkennung des Terzials ist das Landesprüfungsamt zuständig. Radio Eriwan vermutet: Wenn Studierende dem Lehrkrankenhaus versichern, sich von unberechtigten Lenkungsmaßnahmen nicht beeindrucken zu lassen und ihrem Favorit-Lehrkrankenhaus die Treue zu halten, wird es ihren besonderen Aufwand auch angemessen entschädigen.
Jetzt sind wir schon so lange auf Polarstern (PS), dass wir unser Bett neu beziehen mussten - also beinahe zwei Wochen! Wir segeln in der Baffin Bay umher; das Forschungsprogramm musste wegen diplomatischer Verwicklungen zwischen Kanada und deren Inuits und Deutschland umgestellt werden; es ist fraglich, ob das gesamte Programm noch gefahren werden kann; das entscheidet sich im Moment von Tag zu Tag neu. Einiges ist auch schon gemacht, z.B. Magnetik im Wasser und aus der Luft, im Moment, während ich tippe, läuft ebenfalls ein Magnetikprofil in N-S- Richtung.
Ob wir noch wieder in die kanadischen Gewässer kommen ist offen, jetzt wird erst einmal in grönländischen Gewässern untersucht, was sowieso geplant war. Vielleicht lest Ihr etwas dazu in der Presse, dann hebt es für mich bitte auf!
Der grosse Eisberg, der vor einigen Tagen in Grönland, Richtung Kanada, abgebrochen war, liegt irgendwo in der Nares-Street, also weit im Norden, wo wir nicht hinkommen. Natürlich hätte ich sonst ein Photo von ihm gemacht!!!!
Das Wochenende wurde am Samstag eingeläutet mit einem wunderbaren Grillabend auf dem Arbeitsdeck, jeder suchte sich das aus, was er gerne essen wollte - ein grosse Auswahl an Fleisch und Fisch und Krabben und Maiskolben… Köstlich! Dazu Brot und Salat, und Freibier! Bis Mitternacht haben wir zusammen gesessen, erst noch draussen in der Sonne, später auf dem Arbeitsdeck, das für diesen Abend extra dekoriert war!
Sonntag ist schon am Nachtisch zu erkennen - Eis, das gibt es auch am “Seemannssonntag“ = Donnerstag. Leider hat sich in Deutschland das mit dem “ Ärztesonntag” am Mittwoch nicht durchsetzen lassen, z.B. in Form von extra-Leckereien gerade zu diesem Tag, nein, da muss man zur Fortbildung gehen. Aber das ist eine andere Geschichte!
Am Montagmorgen wurde ich um halb sechs unsanft geweckt, weil ein Eisbrocken gegen das Schiff gefahren war - nix dolles, aber laut. Im Laufe des Tages ergab es sich, dass noch viel größere Eisfelder auf uns warteten, die die PS jedoch problemlos durchqueren konnte. Einem großen Eisberg ist sie auch ausgewichen, das Meiste jedoch schafft das Schiff mit Krach und ohne große Mühen. Man schaut dann gerne zu, wie sich das Schiff auf eine mehr oder weniger große Scholle schiebt; sie bricht dann und die Teile schwimmen weg, während sich der Bug wieder ins Wasser legt. Hinter dem Schiff dann gibt es eine Extra-Portion Futter für die Seevögel, denn von den zerbrochenen und z.T. umgekippten Schollen picken sie kleine Fischchen und anderes Getier; so ziehen wir hinter uns einen prall gedeckten Tisch her!
Gestern umschwirrten uns auch “neue” Vögel: Seesturmvögel in vielen unterschiedlichen Farben, Raubmöwen = Skuas, dann noch eine andere Sorte Raubmöwen, die einen witzig abgesetzen Schwanz haben, der ganz dünn ist und der wie angeklebt aussieht, und dazu ein Gekreische in der Luft!
Das Wetter hat gestern und auch heute wieder mitgespielt: ein messerscharfer Horizont, darunter das blaue Wasser, darüber der zart weiss-blaue Himmel, über uns hellblau und eine strahlende Sonne. Und dann die Eisschollen: sie gestalten ein richtiges Landschaftsbild: große, kleine, dicke, dünne - die meisten oben weiß und ausladend, dann gibt es einen Hals, und unten im Wasser breit ausladend und dort eisblau-türkis! Oben oft eine “blaue Lagune” auf der Oberfläche - und jede ist ein echtes Unikat! Ich habe schon soooo viel geknipst… Man kann’s nicht lassen!
Heute Nacht hat jemand den ersten Eisbären auf der Scholle gehabt und im Bilde festgehalten, Wale zeigen sich noch nicht, wir hoffen drauf!
Arbeitsmäßig kontrolliere ich alles, was ich so habe, und werde dadurch mit dem Inventar intensiver vertraut, damit ich’s, wenn nötig, schnell finde. Gesundheitsmäßig sind alle ganz fit, da habe ich nicht viel zu tun, hin und wieder ein kleines Problem. Viel mehr Aufmerksamkeit erfordert das abendliche und nachmittägliche Filmprogramm, mein neues Handy wird zu diesem Zweck als Wecker benutzt, damit die fünf(!) Programme pünktlich starten! Das gibt’s nur für die Crew, die Wissenschaftler haben keinen Fernseher in ihren Kammern, sie können in ihrem Gemeinschaftsraum gucken! Ich selber bin sicher einer der schlechtesten Konsumenten; ich laufe lieber oben auf die Brücke und gucke in die Landschaft, wenn die Videos laufen!
Neben mir steht ein frischer Pfirsich - wir sind etwa bei 70° Nord, da passt diese Frucht genau hin, oder? Vor dem Fenster schwimmen kleine Eisschollen vorbei, die Sonne lacht von Himmel, ganz hinten sieht man etwas Nebel auf dem Wasser, es sind ca. 4°, der Wind lässt es auf bis zu -10° abkühlen. Warme Sachen sind willkommen!
Euch allen daheim einen schönen Sommer, hier gibt es keine dunkle Nacht (mehr), ich kann noch um Mitternacht ohne Licht im Bett lesen!
(E-Mail vom 10.08.10 12:32:38 -0000 (GMT))
Ein Link zum Intro der Berichtserie und eine ständig aktualisierte Liste der Berichte gibt es auf dieser Seite.
Zwei Eisbergbilder aus früheren PS-Expeditionen gibt es auf dieser Intro-Seite der ‘Wochenberichte‘.
Über den nordatlantischen Eissturmvogel gibt es hier bei Wikipedia viel Wissenswertes und Bilder.
Hier ein Bildbericht über die Eisberg-Allee der Baffin Bay (englisch).
Hier der Bericht über den giantischen Eisberg in der Größe Manhattans (englisch).
Unsere Leserinnen und Leser sind bei den Berichten Stüwes aus der stationären Forschungsstation in der Antarktis mit vielen Bildern verwöhnt worden. Für die Verbindung mit einem Forschungsschiff in den hohen Norden gelten andere Gesetze. Dr. U. Stüwe schreibt dazu:
Inzwischen sind wir so weit im Norden, dass das Internet nicht mehr geht, es funktioniert - aber auch nicht immer - diese Standleitung, die uns nur Mails ohne Bilder gestattet, weil sie erst mal der Wissenschaft zu dienen hat! Darum kann ich auch nicht auf die mbhessen.de-Seiten gucken. Ich bin gespannt, ab wann auch das nicht mehr gehen wird, dann haben wir nur noch das Iridium-Telefon zur Verfügung.
Inzwischen sind wir bei knapp 65°N und ca. 55°W, also schon am nördlichen Rand der Labrador-See, wieder einmal eingehüllt in Nebel bei Temperaturen um 8-10°, Wind der Stärke 5 mit etwas höheren Wellen als gestern.
Heute Mittag, als es mal klar war, gab’s auch am Horizont den zweiten Eisberg, aber so weit weg, dass es nicht lohnte, die Kamera zu zücken! Gestern Abend wurde es dann noch wunderbar klar und schön, mit gutem Blick nach Grönland, aber doch zu weit weg, um z.B. die witzigen Papageientaucher zu sehen! Die leben landgebunden!
Hier leben wir nun in unserem kleinen Schiffskosmos, die Tage sind strukturiert durch regelmäßige Mahlzeiten und immer mal wieder eine Abwechslung in Form eines Vortrags, Besuch der bordeigenen Kneipe “Zillertal” oder auch ein Grillabend, der morgen ansteht!
Jetzt gehe ich waschen, später gibt’s Zeit zu lesen, es ist ja bis Mitternacht hell!
Ihnen allen liebe Grüße, ein Leben ohne Berufspolitik kann richtig schön sein!!!!
(E-Mail vom 6.08.10 18:53:13 -0000 (GMT))
Ein Link zum Intro der Berichtserie und eine ständig aktualisierte Liste der Berichte gibt es auf dieser Seite.
Über Papageientaucher gibt es hier bei Wikipedia viel Wissenswertes und Bilder.
Die Tarifverträge des Marburger Bundes sind nicht nur arztspezifisch, sondern auch für verschiedene Arbeitgeber maßgeschneidert. Um für unsere Mitglieder die Übersicht über die Fülle der daraus resultierenden Arbeitsbedingungen zu verbessern, haben wir ein neues Thema ‘Tarifpolitik - vergleichende Übersicht’ und korrespondierend dazu im Infodienst das Thema ‘Tarifrecht - vergleichende Übersicht’ eingerichtet.
Anlass war die Bereitstellung der Folien zu einem Vortrag von RA Udo Rein, Geschäftsführer des MB Hessen, auf dem Symposium “Vom Medizinstudium zum Facharzt” im Fortbildungszentrum der Landesärztekammer Hessen am 11.12.09 (wir berichteten hier). Die Folien des Vortrags finden Sie ‘offen lesbar’ hier in unserem Infodienst. Die Folien wurden am 13.08.10 aktualisiert.
Aus heutiger Sicht auf unseren aktuellen thematischen Schwerpunkt ‘Rettet die Koalitionsfreiheit‘ wirkt es geradezu prophetisch, dass das Referat mit einem Exkurs über die im Grundgesetz garantierte ‘Tarifautonomie‘ begann.
4000 € Kopfprämie hat das Heidekreis-Klinikum, ein Akutkrankenhaus, in diesem begleitenden Kommentar zu seinen zahlreichen Stellenangeboten ausgelobt, natürlich nicht so bezeichnet, sondern als ‘pauschale Umzugskosten‘ schön geschrieben.
Eine Agenturmeldung darüber hat, wohl dem Sommerloch geschuldet, nicht nur weite Verbreitung gefunden, sondern die dpa zu eigener Recherche in Hessen aktiviert - natürlich auch beim MB Hessen. Die Erkenntnis “zwar sei von Lockprämien wie derzeit in Niedersachsen offiziell nichts bekannt, doch auch in Hessen werde um die Gunst der Ärzte gebuhlt” wurde dann von vielen Medien zitiert, basierend auf den Informationen durch den stellvertretenden Geschäftsführer und Tarifexperten RA Andreas Wagner, das werde anders verpackt, nämlich in Form von Zulagen.
Der aus diesem Anlass ebenfalls befragten hessischen Krankenhausgesellschaft (HKG) verdanken wir den Hinweis, dass 76% der hessischen Kliniken offene Stellen im ärztlichen Dienst haben. Mit hochgerechnet fast 580 Stellen hätte sich, so unsere Kalkulation, der Ärztemangel im Lauf des ersten Halbjahres um etwa 15% verschärft.
HNA.de reicherte die Agenturmeldung in diesem Artikel noch um Lokalkolorit an: Die Wicker-Gruppe habe in Stellenanzeigen mit einer Begrüßungsprämie von bis zu 4000 € gelockt, werbe jedoch aktuell nicht mehr damit.
Kein Wunder, wollen wir ergänzen: Hat doch die Wickergruppe, bisher tarifpolitisch abstinent, inzwischen für die meisten ihrer Rehakliniken mit dem MB einen Ärzte- und Wicker-spezifischen Tarifvertrag abgeschlossen, mit dem sie sich im enger werdenden Markt erfolgreicher positionieren konnte als mit 4000 € Begrüßungsprämie. Wie wir hier berichteten, wurden bereits Verhandlungen zur Fortschreibung der Tarifverträge nach dem Abschluss des neuen TV-Ärzte/VKA aufgenommen, die im September fortgesetzt werden.
Viele Mitglieder lassen auch auch vor Abschluss eines außertariflichen Arbeitsvertrages, wie er im Bereich spezialisierter Fachärzte immer häufiger wird, durch die Profis der Geschäftsstelle beraten und wissen, dass die Sicherung guter Arbeitbedingungen auf die Dauer wichtiger ist als eine einmalige Prämie.
Die Sorge der HKG, “es dauere immer länger, freie Ärztestellen in Kliniken zu besetzen” wird sich allerdings weiter verschärfen, solange hessische Krankenhäuser
Fünf Kliniken, die im Universitätsklinikum (UK) der Ruhr-Universität Bochum (RUB) verbunden sind, haben sich auf die Einführung eines neuen Fördersystems verständigt: Medizinstudierende, die das „Praktische Jahr“ (PJ) oder Teile davon an einem der beteiligten Standorte absolvieren, erhalten für die Dauer ihres Einsatzes eine monatliche Förderung in Höhe von 400 € brutto. Die Pressemitteilung dazu finden Sie hier.
Voraussetzung ist, dass sie ihren Praxiseinsatz in einem der beteiligten Krankenhäuser des UK RUB absolvieren: Bergmannsheil Bochum, Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer, LWL-Universitätsklinikum Bochum, Marienhospital Herne, St. Josef-Hospital Bochum.
Wir haben unseren Beitrag über Aufwandentschädigung im PJ entsprechend aktualisiert. Es reicht zwar nicht zur Aufnahme in die Premium-Tarifvertrag-Klasse, in der ab dem 1.07.10 in der Spitze 700 € pro Monat gezahlt werden, aber immerhin für die Fakultativ-Klasse.
Wir wollen bei dieser Gelegenheit auf diesen Beitrag hinweisen, dass die Medizinstudierenden in der Wahl ihrer Ausbildungsstätte während des PJ prinzipiell frei sind, vorausgesetzt, ein Ausbildungsplatz ist im begehrten Terzial frei.
Während Ihr sicher alle in tiefem Schlummer liegt, habe ich gerade die Südspitze von Grönland gesehen - Kap Farvel. Wir sind in einer Entfernung von ca. 90 km daran vorbeigefahren. Man konnte wunderbar die zackigen Berge erkennen, z.T. mit Schnee darauf, und davor schwamm ein ziemlich großer EISBERG, der sich aufgrund der Lichtverhältnisse erst spät zu erkennen gab. Darüber ein wunderbarer Himmel mit einem Sonnenuntergang - na, so wunderschön! Einer von ca. einer Million schöner Sonnenuntergänge am und über dem Meer! Ach, das wunderschöne pastellfarbene Licht des Nordens - ich hab es soooooo gern! Wale waren noch nicht zu sehen, wir hoffen alle!
Mit dieser Kursänderung beginnen nun Messungen für die Dänen, in deren Hoheitsgewässern wir jetzt fahren. Da geht es von Waypoint zu Waypoint - alles per Computer erfasst und auch ausgeführt!
Meine Arbeitseinsätze beschränken sich medizinisch auf eine kleine Zahn- und eine Fingerbehandlung, abgesehen vom Verteilen der Pflaster gegen Seekrankheit! Meines hat gut geholfen, und jetzt ist die See ganz ruhig, obwohl wir Windstärke 5 haben, und da oben auf dem Peildeck - da kann man gut gucken, aber es fliegt einem beinahe noch die Kapuze vom Anorak weg(!) und man muss sich richtig gut festhalten.
Der Besuch des Peildecks ist immer wunderschön und meine tägliche Trainingsstrecke, wenn ich nicht
gerade in den Schiffsbauch gehe, um neue Bierfässer herauszuholen, damit die Bar gut klappt! Treppensteigen kann man hier gut und viel!!!
Inzwischen weiss ich auch mehr, wohin wir fahren werden, u.a. in den Lancaster-Sound, ein Fjord in Kanada nördlich der Baffin Insel. Ich habe mit dem Namen irgendwas verbunden, ich meine mit Bildern, aber es fällt mir nichts passendes ein. Für den kanadischen Zoll haben wir viel Bürokratie bewältigt, es werden auch in einigen Tagen drei Inuit an Bord kommen als Whale Watcher im Auftrag der Regierung, andere werden abgesetzt, wenn wir mal wieder in Landnähe sein werden.
Die Atmosphäre auf der Polarstern ist immer noch so angenehm wie erwartet und erlebt. Das macht das Arbeiten leicht und erfreulich; und aus meinem Heuervertrag ist schon ein Punkt erfüllt: Ich habe Anrecht auf eine ausreichende und schmackhafte Ernährung! Schön, sowas im Arbeitsvertrag zu lesen, nicht wahr??? Da können die deutschen Kliniken noch dazu lernen! Die Verpflegung ist bestens; die Stewardessen, die das Essen ausgeben, wissen jetzt auch mit einer “Seniorenportion” etwas anzufangen - ich könnte hier täglich drei warme Mahlzeiten bekommen - aber da nehme ich mich gerne zurück!
Heute Nachmittag haben wir auf dem gesamten Schiff die vor Ort hängenden Augenspülflaschen kontrolliert, die Schwester ist mit mir überall hin, und wir waren dabei im tiefsten Keller, direkt neben den Maschinen, die uns antreiben, bis zu einem Räumchen hoch oben am Schornstein; aber auch vorne im Bug waren wir und ich habe nun noch mehr Treppen kennen gelernt, als ich dachte, dass es sie gibt. Als Trainingsstrecke also gut geeignet! Schließlich will ich nicht in zwei Monaten vom Schiff gerollt werden müssen…
(E-Mail vom 4.08.10 23:36:47 -0000 (GMT))
Ein Link zum Intro der Berichtserie und eine ständig aktualisierte Liste der Berichte gibt es auf dieser Seite.
Wieder ist Dr. med. Ursula Stüwe, stellv. Vorsitzende des MB Hessen, als Expeditionsärztin für das Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven, unterwegs, nach ihrem Aufenthalt in der Antarktis 1999/2000 (siehe hier) diesmal auf einer Forschungsfahrt mit der Polarstern in die Baffin Bay.
In Gesprächen mit ihren Kolleginnen und Kollegen vor dem Aufbruch erzählte sie beeindruckt vom Vorstellungs- und Einstellungsgespräch beim AWI in Bremerhaven: Sie sei als Gast höflich und zuvorkommend, kurzum wie ein Mensch behandelt worden. Sogar die Kosten der Vorstellung seien erstattet worden. Um das zu würdigen, müssen wir daran erinnern, dass Frau Stüwe in Deutschland als Chirurgin gearbeitet hat, einem Fach, in dem heute in diesem Stellenangebot hervorgehoben wird: “Die Diktatur in der Chirurgie ist vorbei.” Von der gesetzlich vorgeschriebenen Erstattung der Vorstellungskosten konnten in den vergangenen Jahren Ärztinnen und Ärzte in deutschen Krankenhäusern nur träumen: In der Regel wurden die Kosten gar nicht erst thematisiert oder sie mussten ein Formular unterschreiben, dass das Vorstellungsgespräch auf ihren eigenen Wunsch erfolgte und deshalb keine Kosten zu erstatten seien…
Mit diesem Intro wollen wir ankündigen, dass Frau Stüwe auch dieses Mal wieder von unterwegs per E-Mail ihre Eindrücke und Erfahrungen aktuell berichten wird, exklusiv für die Leserinnen und Leser unseres Neues-Blogs.
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Eine ständig aktualisierte Liste der Berichte gibt es auf dieser Seite.
Sie als angestellte und beamtete Ärzteschaft haben es geschafft, in großen Teilen der deutschen Krankenhauslandschaft arztspezifische Marburger Bund-Tarifverträge zu verankern. In einer “unheilvollen Koalition” wollen der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (DBA) dieses Rad wieder zurückdrehen und greifen die Eigenständigkeit von Berufsgewerkschaften wie dem Marburger Bund an.
Der DGB und die BDA haben zu diesem Zweck eine Gesetzesinitiative gestartet, um den erst kürzlich vom Bundesarbeitsgericht aufgegebenen Grundsatz der “Tarifeinheit” zu normieren. Dagegen macht der Marburger Bund mit einer Informationskampagne mobil.
Rettet die Koalitionsfreiheit lautet das Motto dieser Kampagne, mit der zunächst die Mitglieder über den Stand der Dinge unterrichtet werden. Zugleich werden sie aufgerufen, aktiv gegen die grundgesetzwidrige Gesetzesinitiative vorzugehen und die Abgeordneten ihres Wahlkreises anzuschreiben. Näheres dazu finden Sie hier. Lesen Sie auch diesen Artikel in der MBZ 11 vom 6.08.2010.
Bitte informieren Sie auch Ihre Kolleginnen und Kollegen und unterstützen Sie Europas größten Ärzteverband. Bitte überzeugen Sie auch (noch) nicht organisierte Kolleginnen und Kollegen von der Wichtigkeit einer Mitgliedschaft im Marburger Bund. Ein online-Beitritt ist jederzeit hier möglich. Viele Kommentare zu dieser Auseinandersetzung sind sich darin einig: Wenn der Marburger Bund an einem Krankenhaus die mitgliederstärkste Gewerkschaft ist, wird der aufgehobene Stein den DGB-Gewerkschaften ohnehin auf die eigenen Füße fallen.
Im Prinzip ist es nur konsequent, was der Landkreis Fulda in diesem Stellenangebot im Deutschen Ärzteblatt Heft 30 vom 30.07.10 Bewerberinnen und Bewerbern mit mehrjähriger ärztlicher Berufserfahrung für eine Tätigkeit im Fachbereich Gesundheit verspricht, dürften vielleicht tarifbewusste Leserinnen und Leser empfinden: Wer sich vier Jahre nach dem größten Arbeitskampf im Gesundheitswesen gegen den TVöD immer noch auf diesen Tarifvertrag mit schwerwiegenden finanziellen Nachteilen einlässt, der ist sicher auch bereit, entsprechend den Erwartungen der Ausschreibung für Dienstfahrten seinen privaten PkW zur Verfügung zu stellen.
Krankenhäuser in Fulda und Umgebung wissen längst, dass ohne den Hinweis auf Kinderbetreuung eine Stellenausschreibung verlorenes Geld bedeutet. Der Landkreis meint, ohne Zusage dieser Infrastruktur erfolgreich zu sein, fordert dafür aber die Teilnahme am Rufbereitschaftsdienst, erwartet hohe Belastbarkeit und einen Führerschein der Klasse B.
Der MB Hessen hat mit der Wicker-Gruppe Gespräche über die Übernahme des Ergebnisses der Tarifverhandlungen mit der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) in den TV-Ärzte Wicker und den TV-Ärzte Wicker Bad Homburg aufgenommen.
Die Wickergruppe hatte mit dem Marburger Bund in einem Tarifvertrag Gehälter vereinbart, die etwa 2% über dem VKA-Niveau lagen (wir berichteten hier). Da liegt es nahe, nach den Verbesserungen im neuen TV-Ärzte/VKA zu prüfen, wie der Vorsprung im Wettbewerb um ärztliche Kompetenz für die Wicker-Gruppe gewahrt bleiben kann.
Es wurde vereinbart, die Gespräche im September fortzuführen.
Das ‘Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz‘ Schleswig-Holstein (ULD) hat dem Hausärzteverband Schleswig-Holstein mit dieser Verfügung unter Androhung eines Zwangsgelds von 30.000 € den bisherigen Umgang mit Patientendaten untersagt und den sofortigen Vollzug angeordnet.
Hintergrund der drastischen Maßnahme ist ein Abkommen zur hausarztzentrierten Versorgung, das zwischen der AOK Schleswig-Holstein, der IKK Nord, der LKK Schleswig-Holstein/Hamburg und dem regionalen Hausärzteverband in einem Schlichterverfahren für 2011 ausgehandelt worden war. Danach unterzeichnen Hausärzte und Versicherte, die an der hausarztzentrierten Versorgung teilnehmen, besondere Verträge. Die Ärzte verpflichten sich dabei, in diesem Rahmen eine spezielle Software zu installieren, die sie beispielsweise bei der “rationalen Pharmakotherapie” unterstützen soll.
Über diesen besonderen Punkt sind die Datenschützer besonders entsetzt. In ihrer Mitteilung zur Begründung der sofortigen Verfügung heißt es, den Ärzten werde, “sogar vertraglich verboten, Kenntnis von wesentlichen Elementen der Software zu nehmen, so dass sie faktisch keine vollständige Kontrolle mehr über die Daten auf ihrem System hätten“. Damit verletzten sie nicht nur ihre Datenschutzpflichten, sondern auch ihre ärztliche Schweigepflicht. Ein Auftragsverhältnis sei auch dadurch rechtlich ausgeschlossen, “dass der Hausärzteverband, der ausschließlich im Interesse und nach Weisung der einzelnen Ärzte die Daten verarbeiten sollte, ein eigenes Interesse an diesen Daten hat“.
In der Stellungnahme wird der Vorfall bedauert, allerdings betonen die Datenschützer, dass sie vor den Verhandlungen mehrfach auf die unzulässigen Bestimmungen aufmerksam gemacht haben. Seit Einführung der hausarztzentrierten Versorgung hat es immer wieder Kritik am unzureichenden Datenschutz und an der intransparenten Datenübermittlung gegeben, zu der Patienten in Rahmen des Vertrages gezwungen werden.
Der Marburger Bund Hessen hat sich nicht ohne Grund auch auf den Delegiertenversammlungen der Landesärztekammer Hessen und auf dem Deutschen Ärztetag sehr eindeutig kritisch und ablehnend zu solchen Verfahren positioniert, zu denen auch die elektronische Gesundheitskarte (eGK) der Versicherten gehört.
Nach diesem Artikel in HNA.de wurde der Chefarzt für Herzchirurgie am Klinikum Kassel fristlos entlassen. Ohne Kenntnisse der Hintergründe können wir uns zu den Spekulationen, dass es sich dabei um ein weiteres Opfer in der Auseinandersetzung des Vorstandsvorsitzenden der Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) AG Dr. med. Dipl.-Phys. Gerhard M. Sontheimer mit der “Bande von Chefärzten” (O-Ton Sontheimer, im Artikel auch wieder thematisiert) handelt, nicht äußern.
Für unsere Mitglieder ist relevant, dass damit der einzige und allein ermächtigte Arzt für eine Weiterbildung zum Facharzt für Herzchirurgie nicht mehr im Amt ist. Deshalb machen wir auf diesen Umstand ausdrücklich aufmerksam. Dass nach Ausscheiden eines Weiterbildungsermächtigten die Weiterbildung ohne Weiteres fortgesetzt werden kann, ist keineswegs garantiert. Deshalb müssen sich verantwortungsvolle Klinikträger im Zusammenhang mit einem Wechsel in der Klinikleitung rechtzeitig um die Qualifikation und Ermächtigung eines Nachfolgers oder eines Stellvertreters bis zur Regelung der Nachfolge kümmern. Betroffenen Mitgliedern, deren Arbeitsvertrag z.B. wegen einer Weiterbildung befristet worden ist, empfehlen wir, entsprechende Auskünfte der Landesärztekammer Hessen einzuholen und ggf. die Beratung der Profis unserer Geschäftsstelle in Anspruch zu nehmen.
Vielleicht ist es dem Sommerloch geschuldet, dass Aerztezeitung.de in diesem Artikel im Juli die vielen offenen Arztstellen in hessischen Krankenhäusern thematisiert und dabei Zahlen der hessischen Krankenhausgesellschaft aufführt, mit denen wir uns bereits im Frühjahr in diesem Beitrag auseinander gesetzt hatten. Auch im Sommerloch schwitzend greifen wir den Artikel gleichwohl auf, weil über diese Misere nicht häufig genug berichtet werden kann. Müssen doch die Patienten hessischer Krankenhäuser die Folgen ausbaden und die verbliebenen Ärztinnen und Ärzte die Lücken mit Mehrarbeit zu schließen versuchen. Die Versuche der Krankenhäuser, fehlende Fachärzte mit Honorarärzten auszugleichen, denen ein Vielfaches der angestellten Kolleginnen und Kollegen bezahlt werden muss, reißen weitere Löcher in die ohnehin schon strapazierten Budgets.
Nach dem statistischen Bundesamt (Stand Ende 2008) fielen auf Hessens ‘Plankrankenhäuser‘ 7,7% der ärztlichen Vollkraftstellen in den alten Bundesländer. Nach den Zahlen der hessischen Krankenhausgesellschaft können 580 Stellen nicht besetzt werden, in den alten Bundesländern waren es nach dem Krankenhausbarometer 2009 3.800, also beträgt der hessische Anteil 15,3%!
Bei der Suche nach den Ursachen brauchen Sie nur in unserem Blog zu blättern, um die zahlreichen Beispiele ärztefeindlicher Politik zu lesen: Mangelhafte Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes, monströse Bürokratie, unbezahlte Mehrarbeit, familienfeindliche Strukturen, Umgehung des Tarifvertrages, schlechte Bedingungen für die Weiterbildung und und und. Die in Hessen besonders heftigen, langdauernden und wiederholten Streiks gegen die Krankenhäuser im Bereich der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) kamen nicht von ungefähr. Sie waren auch Folge der in Hessen besonders ausgeprägten Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen und der nicht erkennbaren Bereitschaft vieler hessischer Arbeitgeber, sie zu verbessern.