Zuletzt aktualisiert: 12.03.10
Diesen Beitrag, ursprünglich vom 28.12.09, haben wir erneut ‘nach oben‘ geholt, um die Stellensuche der Einrichtungen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) zeitnah darzustellen. Wieder hat die Anzahl der ausgeschriebenen Stellen in wenigen Tagen weiter zugenommen, vor allem für Fachärztinnen und Fachärzte hier im Deutschen Ärzteblatt vom 12.02.10, eine sehr ungewöhlich umfangreiches Stellenangebot, mit dem sich auch diese Pressemitteilung des Marburger Bundes Bundesverband auseinandersetzt. Werden doch dort alleine 13 fachärztliche Stellen ausgeschrieben (nur bei einer für die Klinik Wendelstein handelt es sich um eine Wiederholung), dazu eine unbestimmte Anzahl für Asssistenzärztinnen und Assistenzärzte, für die noch nicht einmal die Nennung eines Standortes für erforderlich gehalten wird!
An solche mobilen Kolleginnen und Kollegen richtet sich auch unsere Liste der DRV-Fluchthilfevorschläge. Denn sie nennt Alternativen mit wesentliche besseren Arbeitsbedingungen als das, was die DRV für “leistungsgerecht” hält. Wenn nicht nur für eine fachärztliche Tätigkeit, sondern für eine Assistenzärztin / einen Assistenzarzt eine übertarifliche und frei verhandelbare Vergütung angeboten wird, ist uns das einen Blick über hessische Grenzen wert. Wir haben deshalb die Fachklinik Bad Bentheim in diese Liste aufgenommen.
Auch für Fachärztinnen und Fachärzte, bei denen die DRV gerne die “Zusatzbezeichnungen Sozialmedizin oder Rehabilitationswesen” sähe, haben wir einen Tipp: In Tarifverträgen des Marburger Bundes für den Rehabereich sind solche Zusatzqualifikationen eine monatliche Zulage von 210 € bzw. 131 € wert (die ggf. auch zusammen gezahlt werden).
Die streikenden Ärztinnen und Ärzte der DRV haben einen mächtigen Verbündeten bekommen: Die DRV selbst. Wer durch schlechte Arbeitsbedingungen eine derart negative Bilanz bei der Gewinnung und Bindung qualifizierter Ärztinnen und Ärzte hat, bestreikt sich quasi selbst. Das Verheerende im Gegensatz zum Streik der Ärztinnen und Ärzte: Wenn die sich durchsetzen, bessern sich die Arbeitsbedingungen auch zum Wohl der DRV und ihrer Patienten. Der Streik der DRV gegen sich selbst hat ausschließlich destruktive Züge und ist ruinös.
Außerdem wollen wir auf diese Pressemitteilung des MB Bundesverbandes verlinken, nach der bereits seit 2007 die Beratungsgesellschaft GEBERA, beauftragt von den in der Arbeitsgemeinschaft Medizinische Rehabilitation zusammengeschlossenen Spitzenverbänden, wiederholt darauf hingewiesen hat, dass ohne eine Anpassung der Gehälter ihrer Ärzte an den Marktstandard die Ärzteflucht zunehmen wird. “Beim ärztlichen Personal sind ” nach GEBERA, “die Tarifabschlüsse mit dem Marburger Bund richtungweisend für künftige Gehaltssteigerungen.” Sic!
Bereits zu Beginn des Streiks der ausgebeuteten Ärztinnen und Ärzte gegen die Deutsche Rentenversicherung (DRV) haben Patienten ihre Rehabilitation abgebrochen oder gar nicht erst angetreten und damit den Notdienst der Streikenden wirksam entlastet. Nur ein oberflächlicher Betrachter kann eine mangelnde Wirksamkeit des Streiks behaupten, weil hier vordergründig keine Arbeit liegen geblieben ist: Die Versorgungsaufgaben hatten sich in diesen Fällen erst gar nicht gestellt.
Wenn die DRV in dieser Pressemitteilung behauptet, ‘Die Arbeitsbedingungen in einer Rehabilitationsklinik der Deutschen Rentenversicherung Bund sind deutlich besser als in einem Akutkrankenhaus mit Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit, vielen Wechselschichten, Bereitschaftsdiensten und Rufbereitschaften. Aus diesem Grund wechseln viele Ärztinnen und Ärzte aus den Akutkrankenhäusern in die Reha-Kliniken der Deutschen Rentenversicherung Bund.‘, hat sie insofern Recht, als sie eine bewusste Entscheidung vieler Ärztinnen und Ärzte für die Arbeit in einer Reha-Einrichtung vermutet. Der MB hat dem auch bereits durch Abschluss eines Tarifvertrages entsprochen, der spezielle innovative Elemente für den Reha-Bereich aufweist, und steht für weitere in konstruktiven Verhandlungen - nur (noch) nicht mit der DRV.
Deshalb suchen sicherlich Ärztinnen und Ärzte eine Anstellung im Reha-Bereich, gehen dabei aber den miserablen Arbeitsbedingungen bei der DRV aus dem Weg, wie zahlreiche Stellenausschreibungen und Berichte über einen Mangel an ärztlichem Personal bei der DRV unterstreichen.
Bevor wir beispielhaft einige dieser von uns negativ bewerteten Ausschreibungen dokumentieren, wollen wir zuerst zehn positiv zu bewertende Stellenangebote aus dem Reha-Bereich hervorheben:
Auch ausserhalb der hessischen Grenzen finden sich Alternativen, wie z. B.
Soviel auch zur Fluchthilfe für frustrierte Reha-erfahrene Kolleginnen und Kollegen bei der DRV.
Nun einige Beispiele offener Stellen bei der DRV ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit:
Negativ bewerten wir an einigen dieser Ausschreibungen auch, dass behauptet wird, mit dem Marburger Bund werde über einen Tarifvertrag verhandelt. In keiner einzigen wird wahrheitsgemäß darauf hingewiesen, dass der MB die Verhandlungen abgebrochen und zu einem Vollstreik gegen die DRV aufgerufen hat.
Unser besonderes Mitgefühl gilt der DRV Klinik Werra in Bad Sooden-Allendorf, die bei der Suche nach einem Assistenzarzt und inzwischen noch dazu nach zwei Fachärzten wohl kaum mit dem Angebot der Klinik Hoher Meissner am selben Ort und anderer Rehakliniken konkurrieren kann.
Insoweit müssen wir auch selbstkritisch einräumen, dass dieser Beitrag und dieses Infoblatt für unsere Mitglieder zwar die Differenz zwischen dem vom MB als völlig unzureichend abgelehnten “Angebot” der DRV und dem TV-Ärzte/VKA beschreibt, aber nicht das tatsächliche Gefälle zwischen den derzeit an einer DRV-Einrichtung und konkurrierenden Reha-Kliniken gezahlten Vergütungen.
Unterstellt, die Anzahl von vorgeblich nur 78 streikenden Ärztinnen und Ärzten, von der DRV an einem vorweihnachtlichen Dezembertag gezählt (wir haben uns in diesem Beitrag damit auseinander gesetzt), träfe zu, würde ihre Auswirkung durch die hier aufgeführten freien Stellen nochmals in etwa verdoppelt.
Bildquelle: MBZ 18/09 Jahresrückblick 2009, S. 4.
Für das Olaf-Cartoon bedanken wird uns bei Dr. med. Ralf Schnelle.