Marburger Bund Landesverband Hessen

Prof. Dr. med. Heinz-Josef Goldbach †

 
 
 

Vorstellung

August Gürber HausAugust Gürber Haus

Heinz-Josef Goldbach arbeitete im August-Gürber-Haus als Gerichtsmediziner.
Es ist die Keimzelle des Marburger Bundes. Das Gebäude, hier auf Fotos der 60er Jahre, stand in der Emil-Mankopffstr. 2 etwa an der Stelle des heutigen Institutes für Molekularbiologie und Tumorforschung (IMT) und wurde 1974 abgerissen. (Links geht der Blick von der Emil-Mankopffstraße auf das im Hintergrund sichtbare damalige neue Bettenhaus der Medizinischen Klinik an der Lahn, rechts der Gegenblick zur Robert-Koch-Straße.) In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts erbaut diente es ursprünglich einer Privatklinik und konnte dank einer Stiftung des Pharmakologen Gürber 1937 von der Universität gekauft und ausgebaut werden. Neben den Räumen des Dekanats waren dort ein großes Sitzungszimmer für die medizinische Fakultät sowie eine Bibliothek untergebracht, die auch den niedergelassenen Ärzten im Kreis zur Verfügung stand. In den durch einen separaten Eingang zugänglichen Obergeschossen wurden Unterrichtsräume für die MTA-Schule installiert. Nachdem bei einem Luftangriff am 22.02.1944 das benachbarte Haus des gerichtsmedizinischen Instituts völlig zerstört worden war, zog die Gerichtsmedizin in die Räume der MTA-Schule im August-Gürber-Haus ein und verwendete ihre Labors.

Goldbachs Mitarbeiter Dr. med. Rolf Schlögell gehört zu den Gründungsväters des MB. Beide organisierten die ‘Jungärzte’ in Marburg. Eine interzonale Zusammenkunft am 12.06.1947 gilt als das Gründungsdatum des MB, damals noch ‘Marburger Gemeinschaft’. Beide gehörten zu den Mitunterzeichnern einer Resolution an die Landesregierungen, in der herausgestellt wurde, dass wegen eines Mangels an Planstellen in den meisten Ländern die Arbeit in den stets vollbelegten Krankenhäusern von unbezahlten Ärzten erbracht werden muss, “was jedem Arbeitsrecht und jedem sozialen Empfinden widerspricht“:

“Lasst den medizinischen Nachwuchs nicht in der Not ersticken! Wir ersuchen und warnen: Die moralische und soziale Not ist groß; durch Ausbeutung unserer Arbeitskraft in den weitaus meisten Krankenanstalten und die Unmöglichkeit der soliden Weiterbildung wächst sie von Stunde zu Stunde.”

Goldbach wurde 1948 zum ersten Vorsitzenden des Landesverbandes Hessen gewählt, dem er bis 1953 vorstand. Ab 29.04.1951 arbeitete Goldbach als Beisitzer im Vorstand des Bundesverbandes mit, vom 28.11.1952 als dritter Vorsitzender. Er gehörte einer Tarifkommission des Bundesverbandes an, die bereits 1954 die Arbeiten zu einem neuen Tarifvertrag aufnahmen, der in einer Sonderregelung erstmals eine Arbeitszeit für Ärzte regelte.

Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit war die Situation der wissenschaftlichen Mitarbeiter. 1952 hielt er auf der Hauptversammlung des Bundesverbandes das Grundsatzreferat zur Situation dieser Ärztegruppe, meist Beamte auf Widerruf mit einer völlig unbefriedigenden Regelung der Versorgung im Alter und der Hinterbliebenen.

Die Familie Goldbachs sollte das nur wenige Jahre später selbst bitter erfahren. Eine schwere Erkrankung beendete das Leben des Familienvaters nach längerem, qualvollem Leiden viel zu früh am 7.05.1957. Das Schicksal der unversorgten Familie war ein wichtiger Anstoß, dass die hessische Ärzteschaft Einrichtungen schuf, diese Not zu lindern.

(Quelle: Kurt Gelsner, Der Marburger Bund, Verlag Peter Lang, Frankfurt, 1985)

 
 
 
 
 

Foto

Foto Prof. Dr. med. Heinz-Josef Goldbach †
 
 
 
 

Rückblick

 
 
 
 
 
 
http://www.mbhessen.de/person/goldbach-h-j/
Stand: 3.06.08
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