131. Hauptversammlung: Notfallversorgung sachlich diskutieren

Die 131. Hauptversammlung des Marburger Bundes, im Vorfeld des Deutschen Ärztetages, fand dieses Jahr in Freiburg statt. Pünktlich zum Beginn der Veranstaltung im Konzerthaus begrüßte uns die Stadt auch wettermäßig von ihrer besten Seite. Die hessische Delegation freute sich frühzeitig über Vollzähligkeit und studierte die ambitionierte Tagesordnung mit dem Schwerpunkt auf berufspolitischen Themen.

Der erste Vorsitzende, Rudolf Henke, gab wie gewohnt zunächst einen umfassenden Überblick über die gesundheitspolitische Großwetterlage, wobei mir der klare Aufruf zur sachlichen Lösung des Konflikts zwischen Krankenhäusern und KVen wegen der Notfallversorgung, die Vorstellung der MB-Kampagne "Mehr Zeit" und die kritischen Worte bezüglich des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts zu einem Grundrecht auf staatliche Suizidbeihilfe wichtig waren. Im Anschluss folgte der Bericht des zweiten Vorsitzenden Dr. Andreas Botzlar über die Ergebnisse der zuletzt abgeschlossenen und laufenden Tarifverhandlungen.

Ärztliche Weiterbildung

Danach wurde der Programmpunkt zum Sachstand der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer aufgerufen, was erstmals in Form einer Podiumsdiskussion zwischen MB-Vorstandsmitglied Dr. Hans-Albert Gehle und dem Vorsitzenden des Ausschusses Ärztliche Weiterbildung der Bundesärztekammer, Dr. Franz Bartmann, vorgetragen wurde. Erkennbar wurde der Übergang zu einem neuen Paradigma der ärztlichen Weiterbildung, die weniger als bisher Mindestzahlen und -zeiten, dafür vermehrt den Erwerb von Methodenkompetenz einfordert. Insgesamt verdeutlichte die lebhafte Diskussion mit Verabschiedung mehrerer Anträge die Bedeutung dieses Themas.

Den nächsten Programmpunkt, Digitalisierung im Gesundheitswesen, bestritten MB-Vorstandsmitglied Priv.-Doz. Dr. Peter Bobbert und die Kommunikationsforscherin Prof. Dr. Andréa Belliger aus Luzern als Referenten. Schnell wurde klar, dass die Digitalisierung schon in naher Zukunft den Kern des Arztberufs berühren kann, indem originär ärztliche Aufgaben an Softwarealgorithmen delegiert werden.

Entsprechend müsse die Ärzteschaft diesen Prozess konstruktiv begleiten und dafür Sorge tragen, dass auch für eine digitale Infrastruktur im Gesundheitswesen Mindeststandards geschaffen werden, deren Finanzierung sichergestellt ist. Belliger vermisste in der Diskussion oftmals die Stimme der Ärzteschaft und ermunterte die Delegierten: "Erfinden Sie den Arztberuf neu!".

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Dr. Susanne Johna, Landesverbandsvorsitzende MB Hessen und Mitglied im MB-Bundesvorstand und Anita Yusefpur, Delegierte des MB Hessen.

Telemedizinische Möglichkeiten

Der letzte große Programmpunkt befasste sich mit dem Spannungsfeld des bestehenden ärztlichen Fernbehandlungsverbots und der zunehmenden Nutzung telemedizinischer Möglichkeiten, die Dr. Timo Rimner mit der Firma Medgate bereits seit 1999 in der Schweiz etabliert hat. Es bestand breiter Konsens, dass eine kontrollierte Lockerung des Fernbehandlungsverbots nur unter evaluierten Bedingungen mit Blick auf das Patientenwohl stattfinden darf, ohne ambulante Leistungserbringer in der Fläche zu verdrängen.

Eine wissenschaftliche Begleitforschung erscheint auch deshalb sinnvoll, weil Fragen zu Verdrängungseffekten und zur Wirtschaftlichkeit am Beispiel Medgate trotz langjähriger Expertise nicht eindeutig beantwortet werden konnten.
Bei der Beratung weiterer Anträge fanden erfreulicherweise mehrere Entschließungen zur verbesserten Einbindung der Medizinstudierenden in die Gremien des Marburger Bundes jeweils eine große Mehrheit. Auch ein hessischer Antrag zur Sicherstellung ärztlicher Expertise in die Expertenkommission zum Masterplan Medizinstudium 2020 wurde verabschiedet.

Zur Person: Dr. Daniel Sommerlad arbeitet beim MDK Hessen und ist MB Hessen Delegierter.

Foto: Gebhardt

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