Dialog mit jungen Ärzten: Digitalisierung im Klinikalltag

Welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf die Arzt-Patienten-Kommunikation und die Weiterbildung? Diese und weitere Fragen wurden auf der Veranstaltung „Dialog mit jungen Ärztinnen und Ärzten“ der Bundesärztekammer einen Tag vor Eröffnung des Deutschen Ärztetages diskutiert.

Unter Leitung von Dr. Susanne Johna, Landesverbandsvorsitzende des Marburger Bundes Hessen und Vorstandsmitglied der BÄK waren Dr. Matthias Fabian Vizepräsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, Dr. Hansjörg Heep, Vorsitzender des Ausschusses Ärztliche Weiterbildung der Ärztekammer Nordrhein,  Dr. Diane Bitzinger Vertreterin des Bündnisses Junge Ärzte  und Wenke Wichmann, Ärztin in Weiterbildung in Dresden, als Referenten geladen.

Zu diesem Dialog kamen in Weiterbildung befindliche Ärzte aus allen Landesärztekammern sowie Vertreter von Verbänden zusammen. Dass auf die Meinung der jungen Kollegen in Weiterbildung sehr viel Wert gelegt wird, zeigte auch die Teilnahme der vieler Präsidenten der Landesärztekammern.

tl_files/mbhessen/bilder/Fotos2017/JungeAerzteFoto Kopie.jpg
Dr. Susanne Johna, Wenke Wichmann und Dr. Hansjörg Hepp (v.l.).

Der Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf der Digitalisierung im Hinblick auf Auswirkungen auf die Patienten-Arzt-Kommunikation, auf die Aus- und Weiterbildung sowie auf den Umgang mit den vielfältigen Informationsquellen während der Arbeit und der Weiterbildung.

Bundesärztekammerpräsident Prof. Frank Ulrich Montgomery eröffnete die Diskussion mit dem Fokus auf den generationsbedingt unterschiedlichen Umgang mit der Digitalisierung im Sinne von „digital natives und digital migrants“. Was für Manchen aus der Zeit der analogen Kommunikation eine große Herausforderung erscheint, sei für Viele aus der jüngeren Generation selbstverständlich, so Montgomery.

Nach kurzen Eingangsstatements der Referenten wurde die Diskussion durch die vielen Redebeiträge der jungen Teilnehmer getragen.

Dr. Diane Bitzinger forderte den ärztlichen Einfluss auch im Bereich der Hersteller von Hard- und Software: „Nur wenn die Entwickler wissen was wir im Alltag brauchen, können auch bedarfsgerechte Programme entwickelt werden.“

Umständliches Arbeiten und Zeitverluste durch benutzerunfreundliche Programme wurden in der Diskussion ebenso benannt wie Inkompatibilität und kleinteilige Programme für verschiedene Aufgaben. Auch Doppeldokumentation und das Einscannen von Papierdokumenten sind immer noch Realität im Klinikalltag. Es zeigte sich, wie unterschiedlich der Arbeitsalltag in den Kliniken durch die verschiedensten Verwaltungsprogramme ist: von reiner Papierdokumentation bis hin zur komplett digitalen Klinik-Managementsystemen mit wesentlicher Arbeitserleichterung.

In mehreren Redebeiträgen wurde klar, dass sich Ärzte in Weiterbildung zu Berufsbeginn vielen Herausforderungen gegenübergestellt sehen.

„Der persönliche Patientenkontakt kann jedoch durch keine telemedizinischen Anwendungen komplett ersetzt, aber sinnvoll ergänzt werden“, fasste Dr. Susanne Johna zusammen.

Welche Auswirkung die Digitalisierung auf die Weiterbildung haben sollte, wurde in der Forderung deutlich, dass kommende E-Logbuch online verfügbar und bundeslandübergreifend nutzbar zu machen.

Die zusätzlichen Angebote, wie online abrufbare Fortbildungen oder videogestützte Handlungsanleitungen werden rege genutzt. Einigkeit bestand aber darin, dass diese Zusatzinformationen nicht die Aufgabe der Weiterbildungsbefugten ersetzen, persönlich die Inhalte ihres Fachgebietes zu vermitteln.

Eine gewonnene Zeitersparnis der Digitalisierung in Krankenhäusern und Praxen sollte aber nicht zu mehr Arbeitsverdichtung führen, sondern zu mehr Zeit für die Weiterbildung und zu mehr Zeit für die persönliche Beschäftigung mit unseren Patienten, gaben Teilnehmer zu bedenken.

Insgesamt bietet die Digitalisierung in der Medizin mehr Chancen als Risiken - darin waren sich die Teilnehmer dieser Veranstaltung einig.

Autor: Dr. Lars Bodammer, 2. stellv. Vorsitzender des MB Hessen

Foto: Dr. Diane Bitzinger

Zurück