Gesundheitswesen in Hessen muss weiterentwickelt werden

Podiumsdiskussion des MB Hessen zur Gesundheitspolitik

Um den Gesundheitsstandort Hessen zukunftsfest zu machen, bedarf es einer gemeinsamen Anstrengung aller Akteure. Insbesondere müssen die bestehenden Strukturen im Gesundheitswesen kritisch hinterfragt und neue, integrative Lösungsansätze entwickelt werden. So lautet das Fazit einer Podiumsdiskussion, zu der der Marburger Bund Hessen eingeladen hatte.

Die hohe Arbeitsbelastung der Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern gehe eindeutig zu Lasten der Patientenversorgung, beklagte Dr. Daniela Sommer, gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. Die durchschnittliche Dauer des Arzt-Patienten-Kontakts sei mit 7,5 Minuten eindeutig zu kurz.  „Wenn die Arbeitsbedingungen für die Ärztinnen und Ärzte nicht gut sind, haben wir zudem Probleme, den dringend benötigten ärztlichen Nachwuchs zu rekrutieren“, konstatierte Sommer.

CDU-Gesundheitspolitiker Dr. Ralf-Norbert Bartelt verteidigte die im Jahr 2003 eingeführten Fallpauschalen (DRGs), die maßgeblich für die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens und die damit einhergehende Arbeitsverdichtung verantwortlich gemacht werden: „Die DRGs haben Liegezeiten und Therapien zum Vorteil der Patienten verkürzt.“ Bartelt räumte aber ein, dass das System dennoch verbesserungswürdig sei. Die Pläne der Großen Koalition im Bund, die Pflegekosten aus den DRG herauszunehmen lobte Bartels als Schritt in die richtige Richtung.

Mehr Studienplätze in der Medizin forderte Marjana Schott, Gesundheitsexpertin der Fraktion Die Linke: „Wir brauchen dringend mehr Ärztinnen und Ärzte.“ Angesichts der Altersstruktur sei es schon fast zu spät, um gegenzusteuern. Kritik übte Schott an der Gewinnorientierung privatisierter Krankenhäuser. Deren Margen entzögen dem System Geld. „Gesundheitswesen sollte nicht Gesundheitswirtschaft sein“, so Schott. „Das hat mit Daseinsfürsorge nichts mehr zu tun.“

MB-Landesverbandsvorsitzende Dr. Susanne Johna unterstrich den dringenden Reformbedarf in der Notfallversorgung: „Die Zahl der Notfallpatienten hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt“, berichtete Johna. „Eine optimale Versorgung echter Notfälle ist jedoch nicht möglich, wenn die Klinikambulanzen mit Patienten überfüllt sind, die ebenso gut ambulant behandelt werden könnten“. Johna warb für eine engere Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern im Sinne einer integrativen Notfallversorgung.

René Rock, Fraktionsvorsitzender der FDP im Hessischen Landtag nannte die gemeinsame Initiative von Marburger Bund und Kassenärztlicher Bundesvereinigung für eine integrative Notfallversorgung einen guten Weg. Wichtig sei aber auch, die Gründe dafür zu untersuchen, dass immer mehr Patienten die Notaufnahmen der Krankenhäuser aufsuchen. „Zahlen und Fakten sind eine Grundvoraussetzung für gute Politik“, so Rock. „Wir müssen das Gesundheitssystem ins 21. Jahrhundert führen und genau hinschauen, welche Bereiche gut versorgt sind und wo eine Unterversorgung vorliegt.“ 

Eine Weiterentwicklung des Gesundheitspakts 2.0 der Hessischen Landesregierung und der Akteure im Gesundheitswesen kündigte Marcus Bocklet (Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen) an. „Wir brauchen einen Gesundheitspakt 3.0“, erklärte Bocklet. Dabei müsse man sich besonders die Situation im ländlichen Raum anschauen. Weiter forderte Bocklet die DRGs so zu gestalten, dass der Druck zur Rationalisierung nachlässt.

Moderator Armin Ehl, Hauptgeschäftsführer des MB Bundesverbandes, beschloss die Diskussion mit einem Aufruf zur Beteiligung an der Wahl zur Landesärztekammer vom 24. Mai bis 6. Juni 2018. „Rund 60 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in Hessen arbeiten angestellt“, erläuterte Ehl. Diese Gruppe stelle jedoch nur ein Viertel der Delegierten in der Landesärztekammer. In den Augen Ehls ist dies „ein unglaubliches Missverhältnis!“

Autorin: mo

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