Kammerwahl 2018: Nervt Sie die Kammer?

Dr. Susanne Johna will das ändern. Wie?, das hat sie im Interview verraten

Mit der Ärztekammer verbinden viele Ärzte zu viel Bürokratie und starre Strukturen. Doch das soll sich ändern. Im Mai wird wieder gewählt und MB-Spitzenkandidatin Dr. Susanne Johna möchte frischen Wind in die Kammer bringen. Was sie vor hat und vor welchen Herausforderungen die Ärzteschaft steht, hat sie uns im Interview verraten.

Sie treten als Spitzenkandidatin der Liste „Marburger Bund - die Liste für alle Ärztinnen und Ärzte“ an. Welche Herausforderungen sehen Sie in den nächsten Jahren, denen sich die Ärzteschaft stellen muss?

Dr. Susanne Johna: Wir stehen vor großen Herausforderungen in unterschiedlichen Bereichen. Der demografische Wandel der Bevölkerung mit einer deutlichen Zunahme älterer Menschen und einer damit zu erwartenden Zunahme an ambulanten und stationären Fällen trifft auf eine medizinische Versorgungssituation, die auch in Hessen zunehmend von Fachkräftemangel in der Pflege und der Ärzteschaft geprägt sein wird. Viele Ärztinnen und Ärzte, gerade im ländlichen Bereich, gehen in Rente und finden keine Nachfolge. Gleichzeitig werden die negativen Folgen der politisch forcierten Sparpolitik im Gesundheitswesen immer offensichtlicher. Ich erlebe es zunehmend als Hohn, wenn von der Politik über Wettbewerb, Transparenz, Qualität oder Standardisierung gesprochen wird, wo doch oft nur Preiskampf, Kontrolle, Abbau von Strukturen oder Entpersönlichung und somit das Gegenteil der eigentlich so wichtigen werte- und patientenorientierten Medizin gemeint ist.

Welche persönlichen Voraussetzungen würden Sie als Kammerpräsidentin mitbringen?

Dr. Johna: Ich bin mittlerweile seit 15 Jahren in der Berufspolitik aktiv, sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene. In dieser Zeit konnte ich mich nicht nur tief in die Themen des Gesundheitswesens einarbeiten, ich kenne mittlerweile auch viele der Akteure, gerade auf Landesebene, persönlich. Meine Wahl in den Vorstand der Bundesärztekammer auf dem Ärztetag 2016 hat mich in meinem Engagement weiter gestärkt. Ich bin ein lösungsorientierter Mensch und habe über die vielen Jahre feststellen dürfen, dass ein konstruktives Kommunikationsklima eine Lösung auch von schwierigen Problemen möglich macht.

Wofür würden Sie sich als Kammerpräsidentin einsetzen?

Dr. Johna: Eine große Aufgabe wird sicher die Umsetzung der neuen Musterweiterbildungsordnung sein, denn hier stehen grundlegende Veränderungen an. Ich möchte dies aber auch als Chance nutzen, die Missstände, die es im Bereich der Weiterbildung gibt, anzugehen.

Zudem möchte ich mich dafür einsetzen, dass die Kammer als Sprachrohr aller Ärztinnen und Ärzte in Hessen dient. Die Selbstverwaltung ist ein enorm wichtiges Gut – was aber von der Ärzteschaft oft so nicht wahrgenommen wird. Die Bedeutung der Landesärztekammer als kompetente und unabhängige Vertretung muss auch der Landespolitik verdeutlicht werden, denn leider wird diese Expertise immer häufiger bei Entscheidung des Landes im Gesundheitssektor nicht berücksichtigt. Wenn wir nach außen geschlossen auftreten, ist dieses Ziel auch zu erreichen.

Gleichzeitig stehe ich für den offenen Diskurs der sich an den inhaltlichen Themen und dem Ziel der bestmöglichen Lösung orientiert, sich aber nicht durch „Revierdenken“ einschränken lässt. Deswegen hat unsere Liste auch ganz bewusst den Zusatz: „Die Liste für alle Ärztinnen und Ärzte“.

Was erhoffen Sie sich von der Kammerwahl?

Dr. Johna: Wenn ich nachfrage höre ich oft, dass die Kammer nervt, zu bürokratisch ist und nicht dort hilft wo der Schuh drückt. Ich möchte das ändern und hoffe, dass auch die bisherigen Nichtwähler dieses Mal Ihre Stimme einbringen. Das wichtigste Ziel ist daher eine höhere Wahlbeteiligung, denn nur dann kann die Selbstverwaltung mit dem Rückenwind aller Mitglieder nach außen selbstbewusst auftreten.

Bei der letzten Kammerwahl im Jahr 2013 haben nur 36 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in der Altersgruppe 34 Jahre und jünger von Ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Das muss sich ändern, damit sich auch die Zusammensetzung in der Delegiertenversammlung verändert, denn es ist leider so, dass die hessische Ärzteschaft nicht gemäß Ihrer Mitgliedschaft adäquat abgebildet ist. Es fehlen junge Ärzte, es fehlen Ärztinnen und es fehlen angestellte Ärztinnen und Ärzte die beinah ausschließlich auf den Listen des Marburger Bundes zu finden sind.

 

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